Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1382.

„Zugleich das Glück sowie das Leid“

Feiern und Gedenken auf Schloss Burg

Bunter Reigen trotz Regen, Standfestigkeit bei aller Beschwingtheit: Mitglieder der schlesischen Tanzgruppe „Der Fröhliche Kreis“
Bild: Dieter Göllner

Das unter Denkmalschutz stehende Ensemble Schloss Burg bei Solingen wird derzeit renoviert. Der Bergfried des historischen Wahrzeichens ist bis hoch zum Dach eingerüstet, auch die Arbeiten am Grabentorhaus im Eingangsbereich sind bereits angelaufen. Trotzdem wachte das Reiterstandbild des Grafen von Berg und Erzbischofs von Köln Engelbert II. am ersten Juli-Wochenende über das bunte Geschehen rund um die Gedenkstätte des Deutschen Ostens.

Der von der Landsmannschaft Ostpreußen, Landesgruppe Nordrhein-Westfalen, schon vor Jahren ins Leben gerufene Begegnungstag auf Schloss Burg fand diesmal in einer erweiterten Form statt. Die bisher auch als „kleines“ Ostpreußentreffen bekannte Veranstaltung wurde erstmals gemeinsamer Treffpunkt für die NRW-Landesgruppen der Landsmannschaften Ostpreußen, Pommern und Schlesien. Die drei Landsmannschaften haben sich zusammengeschlossen und ihre Mitglieder, Förderer und Freunde zum Heimattreffen ins Bergische eingeladen. Als Gastrednerin konnte die Breslauerin Renata Zajaczkowska – die Vorsitzende der Deutschen sozial-kulturellen Gesellschaft in Breslau und Vize-Vorsitzende des Verbandes der Deutschen sozial-kulturellen Gesellschaften in Polen – gewonnen werden. Die Referentin war aus Oppeln gemeinsam mit Maria Neumann, der Geschäftsführerin des Verbandes der Deutschen sozial-kulturellen Gesellschaften in Polen, angereist, hatte also 930 Kilometer zurückgelegt. Die Breslauerin ist vor kurzem für ihre Verdienste um die deutsche Minderheit in Polen mit dem vom polnischen Staatspräsidenten Andrzej Duda verliehenen Verdienstkreuz der Republik Polen in Gold ausgezeichnet worden. In ihrem Vortrag „Heimat und Identität aus Sicht der Heimatverbliebenen“ sagte Renata Zajaczkowska:. „Ich habe die Ehre, all die zu vertreten, die der Heimat besonders treu waren und sind, nämlich die deutschen Schlesier, Ostpreußen und Pommern, die nach dem Krieg zugleich das Glück sowie das Leid hatten, in der Heimat zu bleiben. Wir alle, hier und da, sind die prädestinierten Brückenbauer für Völkerverständigung und Vertiefung der europäischen Einheit.“

In seinem Grußwort betonte Wilhelm Kreuer, der vor kurzem gewählte Vorsitzende der Landsmannschaft Ostpreußen, Landesgruppe NRW: „Heute stehen kulturelle Themen im Vordergrund. Dies soll auch künftig so bleiben. Wir wollen uns hier treffen, um Traditionen zu pflegen, Freunde wiederzusehen und neue Freunde zu gewinnen.“

Rudi Pawelka, Landesvorsitzender der Landsmannschaft Schlesien in NRW und BdV-Landesvorsitzender NRW, erinnerte daran, dass es die Aufgabe aller Landsleute sei, für ihre Heimatregionen einzutreten. Das reiche ostdeutsche Erbe müsse bewahrt und gepflegt werden, um nicht in Vergessenheit zu geraten. Es sei wünschenswert, dass die Vertriebenen zeigen, welch wertvolles „geistiges Gepäck“ sie auf ihrer Flucht in die Bundesrepublik Deutschland mitgebracht haben. Veranstaltungen wie das Heimattreffen auf Schloss Burg seien eine gute Gelegenheit, das Selbstwertgefühl der Vertriebenen zu stärken.

Als Vertreter der Pommerschen Landsmannschaft, Landesgruppe NRW, sowie der Bundeslandsmannschaft der Pommern sprach Detlef Lindemann. Er hob die gute Kooperation der drei Landsmannschaften hervor, die es ermöglicht hat, dass die Pommern gemeinsam mit den Ostpreußen und den Schlesiern vor der Gedenkstätte des Deutschen Ostens das Landestreffen durchführen können. „Es ist nun unsere Aufgabe, unsere ostdeutsche Kultur in das ganze gegenwärtige Deutschland einzubringen und es heute hier zu bezeugen.“

Im Rahmen des offiziellen Programms kam auch diesmal die junge Generation zu Wort. Tobias Link, Bund Junges Ostpreußen i. d. LO, Regionalvorsitzender West, erklärte: „Unser Anliegen ist es, das kulturelle und geschichtliche Erbe Ostpreußens zu bewahren, daran zu erinnern und es jungen Leuten zu ermöglichen, die Kulturlandschaft Ostpreußens erleben zu können. Darüber hinaus ist es für uns eine Herzensangelegenheit, an das Schicksal der deutschen Vertriebenen, zu denen viele unserer Großeltern gehören, während und nach dem Zweiten Weltkrieg zu erinnern und dafür Sorge zu tragen, dass dieses nicht in Vergessenheit gerät.“

Den „Bunten Reigen“ moderierte die Kultur- und Frauenbeauftragte der Landsmannschaft Ostpreußen, Dr. Bärbel Beutner. Sie hatte ein abwechslungsreiches Programm mit musikalischer Umrahmung durch das Oberschlesische Blasorchester vorbereitet. Zu Gast war die schlesische Tanzgruppe „Der Fröhliche Kreis“ aus Bergisch Gladbach. Wegen des einsetzenden Regens konnte die Gruppe nicht ihr ganzes Programm vorführen. Samt, Spitzen, Brokat und die handgewebten Stoffe der Trachten hätten durch zu viel Nässe gelitten. Die Tänzer schafften es dennoch, bei den ersten Sonnenstrahlen etwas von ihrem Schwung zu zeigen.

Dr. Bärbel Beutner rezitierte ein Gedicht von Friedrich Bischoff (1896 Neumarkt /Schlesien – 1976 Großweier/Baden) und ging dabei auf das „reiche und geschichtsträchtige Schlesien“ ein. Brigitte Kiel stellte die Geschichte und Kultur Pommerns detailliert vor. Vorgetragen wurde u. a. das Gedicht „Heimweh nach Rügen“ von Ernst Moritz Arndt. Die ostpreußische Landschaft wurde mit dem Gedicht „Träume von der Heimat“ gewürdigt. Zum Abschluss des Treffens sangen alle Landsleute zusammen das „Bergische Heimatlied“.

(KK)

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