Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Über uns

Die Stiftung Deutsche Kultur im östlichen Europa – OKR, Bonn, gegründet 1950 als – wie am Kürzel abzulesen – Stiftung Ostdeutscher Kulturrat, ist seit 1975 eine  Stiftung bürgerlichen Rechts, bis Juni 2000 aufgrund des Bundesvertriebenenund Flüchtlingsgesetzes institutionell gefördert durch die Bundesregierung, seither mit beschränkten Eigen- und Projektfördermitteln tätig. Unter dem aktuellen Namen firmiert die Einrichtung seit 2008. Die Bundesförderung hat es seinerzeit einem Stab von rund zehn wissenschaftlichen Fachkräften und Sachbearbeiterinnen ermöglicht, im Sinne der Pflege und Bewahrung des deutschen Kulturerbes in Ostmittel- und Südosteuropa und für die wissenschaftliche und kulturelle Kommunikation über historisch-politische Schranken hinweg zur Verständigung mit den östlichen Nachbarvölkern beizutragen. Dabei wurde eine mannigfaltige publizistische, editorische und veranstalterische Tätigkeit entfaltet, wurden historische, kunst- und kulturgeschichtliche Themenfelder bearbeitet und je nach Zielgruppe mit populärwissenschaftlichem bis akademischem Anspruch öffentlichkeitswirksam aufbereitet.

Der Öffentlichkeitsarbeit für die ostdeutsche Kultur und die westöstliche kulturelle Verständigung dienten die beiden Periodika „Kulturpolitische Korrespondenz“ und „Der gemeinsame Weg“. Die meisten der insgesamt 99 DGW-Nummern wurden, wie seit 2002 die KK, im Verbund mit dem Westkreuz-Verlag und seiner Druckerei ediert. Die KK, ein Pressedienst, versorgte zur Zeit des zehntägigen Erscheinens Medien und Multiplikatoren des In- und Auslandes mit Informationen, Analysen und Kommentaren zur Kulturpolitik, Geschichte, Kunst und Literatur, wobei die Beiträge zur kostenlosen Übernahme angeboten wurden. Die Publikation ist aufgrund der veränderten Bedarfslage zu einem eigenständigen Periodikum gewachsen, wenngleich der Erscheinungsrhythmus wegen des Sparzwangs nicht eingehalten werden kann und sie seit Mitte 2000 nur alle 20 Tage und seit diesem Jahr nur noch monatlich erscheint. An der thematischen Vielfalt hat sich allerdings nichts geändert, und es soll sich bei allen räumlichen und zeitlichen Einschränkungen auch in Zukunft nichts ändern. Vielmehr hat die „Kulturpolitische Korrespondenz“ auch einen Teil des Spektrums übernommen, das seinerzeit die Vierteljahresschrift „Der gemeinsame Weg“ abdeckte, der ebenfalls aus Kostengründen eingestellt  werden musste. Es wird darauf geachtet, dass die Vielfalt ostdeutscher Kulturarbeit und grenzübergreifender Bemühungen und Erfolge von berufenen Autoren  behandelt wird, wobei zunehmend frische Stimmen zu Wort kommen sollen. Der  unmittelbaren Aktualität kann nicht immer Genüge getan werden, dafür richtet sich das Augenmerk auf differenzierte Berichterstattungen und komplexe Fragestellungen.

Ohne das gesamte Themenspektrum abdecken zu können, ist die „Kulturpolitische Korrespondenz“ dennoch ein Forum, auf dem alle Bemühungen und Erfolge der Kulturarbeit ostdeutscher und ostmitteleuropäischer Observanz zusammengeführt werden, wo die Arbeit sämtlicher Einrichtungen, die in diesem Bereich tätig sind, ob institutionell oder projektgefördert, gewürdigt wird und so die notwendige Kommunikation und Abstimmung zwischen diesen Bemühungen zumindest im Ansatz gefördert wird. Mit gestalterischer und technischer Hilfe des Westkreuz- Verlags ist derzeit ein Internet-Portal West–Ost in Arbeit, in dem gemeinsam mit der Bonner Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen einschlägig tätigen Einrichtungen die Möglichkeit öffentlichkeitswirksamer Präsentation gegeben werden soll.

Drei  Buchreihen ergänzten das Presseangebot des OKR. Internationale Aufmerksamkeit erfuhr die Serie der vier Bildbände „Tausend Jahre Nachbarschaft“ im Bruckmann Verlag über historisch-kulturelle Beziehungen der Deutschen zu Polen, den Völkern Südosteuropas, Russlands und den Völkern des baltischen Raumes. Die Städtebildreihe im Westkreuz-Verlag versammelt monographische Darstellungen deutsch geprägter Städte im Osten von Hermannstadt bis Frankfurt an der Oder. Aufgrund besonderer Nachfrage wurde der Band über Königsberg auch ins Russische übertragen. Die Sammlung „Heimat im Wort“ im Auer-Verlag bietet interpretatorischpädagogische Handreichungen, vor allem für Lehrer, zur ostdeutschen Literatur des 20. Jahrhunderts.

Die zwölfbändige Studienbuchreihe „Vertreibungsgebiete und vertriebene Deutsche“  im Verlag Langen Müller stellt die historische Entwicklung Ostdeutschlands jenseits von Oder und Neiße und der deutschen Siedlungsgebiete in Ostmittel- und Osteuropa bis in die unmittelbare Gegenwart dar und erfreut sich großen Anklangs auch bei polnischen oder russischen, tschechischen oder ungarischen Wissenschaftlern. Die einzelnen Bände enthalten eine möglichst detaillierte Darstellung der Entwicklung bis zum Jahre 1939/1945, eine Darstellung der Umsiedlung, Flucht und Vertreibung bzw. Deportation der Deutschen nach 1939/1945 und des Schicksals der Deutschen aus diesem Gebiet in den neuen Wohnorten bis zur Gegenwart sowie eine Darstellung der Entwicklung in der Heimat. Derzeit ist die rumänische Übersetzung in Arbeit, die im Verlag des rumänischen Kulturinstituts in Bukarest erscheinen soll.

Auch der reich illustrierte Begleitband zur OKR-Ausstellung „Große Deutsche aus dem Osten“, in neuer Ausgabe gemäß dem neuen Ausstellungstitel „Im Dienste der Menschheit. Bedeutende Persönlichkeiten aus dem historischen deutschen Osten“, erschienen im Bergstadtverlag Wilhelm Gottlieb Korn, findet nicht nur bei Besuchern konstanten Absatz. Die Ausstellung selbst bietet einen Überblick über Leben und Schaffen ostdeutscher Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Literatur, Kunst, Wissenschaft und Militär. Nach zahlreichen Stationen in Deutschland wurde sie auch beispielsweise in Budapest, Fünfkirchen, Allenstein und Königsberg gezeigt und wird, nach einer Aktualisierung 2009, weiterhin angeboten.

Arbeitstagungen über ostdeutsche Bibliotheken in der Bundesrepublik Deutschland, Seminare zur „Ostkunde im Unterricht“ für Lehrer der Fächer Deutsch, Geschichte und Geographie, Tagungen für Journalisten, die sich der einschlägigen Thematik annehmen, hatten beim Ostdeutschen Kulturrat langjährige, rhythmisch gepflegte Tradition. Zudem wurden in zweijährigem Wechsel Wettbewerbe ausgeschrieben: ein Erzählerwettbewerb (Kurzgeschichten), ein Kompositionswettbewerb, der  allerdings zu einem Buch- und Ausstellungspreis umgewidmet wurde, ein Wissenschaftspreis für Dissertationen und ein Medienpreis für Beiträge in der  Presse, im Hörfunk und im Fernsehen.

Nach der Öffnung der Grenzen in Ostmitteleuropa ging der Ostdeutsche Kulturrat mit gemischtnationalen Vortragsveranstaltungen in Städte, an Universitäten und Kulturinstitutionen der  östlichen Nachbarländer, in denen jeweils durch deutsche und polnische, tschechische, russische, litauische u.a. Fachleute Problemkreise wie „Polen, Tschechen, Litauer und die Deutschen als Nachbarn in Vergangenheit und Gegenwart“, „Gemeinsame Verantwortung für die Kulturdenkmäler östlich von Oder und Neiße“ oder „Nachgeholte Wiedergutmachung für verfolgte Künstler und Schriftsteller“ zweisprachig thematisiert wurden.

Die Einstellung der institutionellen Förderung zur Jahresmitte 2000 hatte die Kündigung der Mitarbeiter bis auf drei, mittlerweile zwei Angestellte zur Folge. Die Mittel erlauben lediglich noch die  monatliche Veröffentlichung der „Kulturpolitischen Korrespondenz“, die sich verstärkt auf Internetpräsenz ausrichten muss, die Fortführung der Ausstellungstätigkeit aufgrund der Projektförderung durch jeweils ein Bundesland, demnach ohne  Kontinuitätsgarantie, sowie die Planung von grenzüberbrückenden Tagungen und Vortragsveranstaltungen, die der Aufarbeitung der Vergangenheit und der  Völkerverständigung dienen, nach Maßgabe einzuwerbender Projektförderung. Der geregelte Geschäftsbetrieb kann nur aufgrund selbstloser ehrenamtlicher Tätigkeit des Präsidenten und des Vorstandes aufrechterhalten werden.

Dringend  erforderlich zur Erfüllung der wichtigsten satzungesgemäßen Aufgaben wären die  Intensivierung des Erscheinens der „Kulturpolitischen Korrespondenz“, die  regelmäßige Durchführung von etwa drei grenzüberschreitenden Tagungen im Jahr, eine Wiederaufnahme der Publikationstätigkeit wenigstens in begrenztem Umfang  und die Wiederaufnahme der Veranstaltung von Wettbewerben, insbesondere des Erzählerwettbewerbs und der Ausschreibung eines Wissenschaftspreises für Dissertationen und eines Medienpreises im Abstand von zwei Jahren.