Kulturportal
Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausstellung: Flucht vor der Reformation

27. Oktober 2016 bis 8. Juni 2017, Bibliothek, 4. OG
Haus der Heimat des Landes Baden-Württemberg
Schlossstr. 92
70176 Stuttgart

Flucht vor der Reformation

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Täufer, Schwenckfelder und Pietisten
zwischen dem deutschen Südwesten
und dem östlichen Europa

 

 

 

 

 

Anpassung, Ketzertod – oder Emigration? Seit Beginn der Reformation blieben nur diese Alternativen, wenn der eigene Glaube nicht mit der vorherrschenden Lehre konform ging. Religiöse Grundsätze bedingen Einstellungen zu Sozialordnung, Verständnis von Eigentum, Haltungen gegenüber Regierenden. Damit war (und ist noch heute) der Konflikt mit den Obrigkeiten vorprogrammiert. Zur Flucht aus Glaubensgründen wurden in Südwestdeutschland über die Jahrhunderte hinweg etliche Gruppierungen getrieben. Umgekehrt war das evangelische Württemberg sicherer Hafen und neue Heimat für verfolgte Flüchtlinge aus anderen Regionen.

Zeitgleich mit der Reformation verbreitete sich vor 500 Jahren eine revolutionäre Idee: Religion kann unterschiedlich ausgelegt und individuell praktiziert werden. Diese Forderung nach Freiheit stieß an ihre Grenzen, als der Glaube zur Staatsangelegenheit wurde. Erst in langen, kontroversen Aushandlungsprozessen entwickelten sich mehrheitlich anerkannte Konfessionen. Abweichler wurden ausgegrenzt, Querdenker ausgebremst. Die Ausstellung konzentriert sich auf drei Beispiele:


Radikale Revolutionäre: Die Täufer

Doktor Balthasar Hubmaier (1485-1528) Bildunterschrift: Hubmor Wiedertäufer Fridberg aus: 7NL 015 Prof. J.F. Gerhard Goeters, Stiche 853, Nr.358

 

Die wortgetreue, kompromisslose Umsetzung des Bibeltextes im täglichen Leben bildete für die südwestdeutschen Täufer den Kern ihres Glaubens. Sie stellten Grundpfeiler des damaligen Rechts- und Sozialsystems in Frage, sie wurden verfolgt und mit der Ketzer-Strafe bedroht. Es blieb die Flucht in das vergleichsweise sichere Mähren. Dort realisierten sie die Utopie von einer Gemeinschaft ohne Familienstruktur und ohne Privateigentum.

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Der Meistgehasste: Caspar von Schwenckfeld

20161026_znaimCaspar von Schwenckfeld machte sich quer durch alle Glaubensrichtungen Feinde. Nach dem endgültigen Bruch mit Martin Luther floh er aus seiner Heimat Schlesien und kam in den deutschen Südwesten. Hier förderten Angehörige des Adels und Bürger aus Städten wie Ulm und Augsburg den Flüchtling. Aber er blieb dennoch ein Getriebener. Das Beharren auf seinen Glaubensgrundsätzen ließ ihn niemals wirklich heimisch werden.

 

Eigensinn statt Staatskirche: Die Pietisten

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Rund 300 Jahre nach Reformationsbeginn wandten sich württembergische Pietisten von der Staatskirche ab. Sie boykottierten deren offizielle Angebote und schufen sich eigene, spirituellere und privatere Glaubenspraktiken. Damit gerieten sie ins Visier behördlicher Überwachung. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts entschlossen sich circa 5.000 Pietisten zur Auswanderung in den Kaukasus. In der Nähe des biblischen Ortes Ararat wollten sie ohne staatliche oder kirchliche Bevormundung leben.

 

 

Öffnungszeiten
27. Oktober 2016 bis 8. Juni 2017
Mo, Di, Do 9.00 bis 15.30 Uhr
Mi 9.00 bis 18.00 Uhr
Fr nach Vereinbarung
Vom 22. Dezember 2016 bis 8. Januar 2017
sowie an gesetzlichen Feiertagen geschlossen.Telefonische Anmeldung für Gruppenführungen unter 0711/6 69 51-0
Kuratorenführungen – ohne Anmeldung –
Montag 31.10.2016, 14.00 Uhr
Montag 28.11.2016, 14.00 Uhr
Donnerstag 08.12.2016, 14.00 Uhr
Der Eintritt zur Ausstellung, zu den Begleitveranstaltungen und Kuratorenführungen ist frei.


Die Ausstellung steht unter der Schirmherrschaft von Thomas Strobl, Minister für Inneres, Digitalisierung und Migration des Landes Baden-Württemberg.

Weitere Infos unter:
http://www.hdhbw.de/?20161026_Aus