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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Die Zukunft des deutschen Minderheitentheaters in Südosteuropa

13.10.2017 , 15:40

Vorträge und Diskussion im Rahmen der internationalen Konferenz Theater und Politik in Temeswar

Plakat der Konferenz <i>Theater und Politik</i>

Plakat der Konferenz Theater und Politik

Theater diente schon seit der Antike als politischer Austragungsort. Der altgriechische Begriff théatron bezeichnete einen »Schauplatz«, einen Ort, an dem eine Kommunikation zwischen Darstellenden und Publikum stattfand, um die attische Demokratie immer wieder aufs Neue zu hinterfragen und zu prüfen: Hält sie, was sie verspricht? Verteidigt sie ihre Werte oder gibt sie diese bei der erstbesten Gelegenheit preis?

Diesen hehren Politisierungsanspruch hat das Theater bis heute nicht ganz aufgegeben. Gerade in Zeiten des Umbruchs erleben öffentliche Foren wie das Theater, dass die Aufklärungsarbeit, die sie seit jeher leisten, gefragt und kostbar ist. Was bedeutet es, wenn konträre Positionen mit Wucht aufeinanderprallen? Welche Rolle kommt dem Theater auf dem politischen Parkett und im Kreuzfeuer unterschiedlicher Meinungen zu? Auf diese Fragen will die Temeswarer Konferenz Antworten finden.

Das Modul zur Zukunft des deutschen Minderheitentheaters in Südosteuropa wird die besondere Bedeutung des deutschen Minderheitentheaters herausarbeiten, das im Lauf der Geschichte viele schwierige Etappen und Gratwanderungen zwischen Anpassung und Widerstand durchgemacht hat. Was können wir heute von einem Theater lernen, das unermüdlich um seinen Erhalt, seine schlichte Existenz ringen musste? Wie sieht die Zukunft des deutschen Minderheitentheaters aus? Diese und viele andere Fragen beantworten vier Theaterpraktikerinnen.

Programm

Vorträge

Deutsches Theater in Hermannstadt. Geschichte und Perspektiven
Alexandra Murăruș, Hermannstadt/Sibiu

Impulsreferat
Deutsche Bühne Ungarn – gestern & heute
Ildikó Frank, Seksard/Szekszárd, Intendantin der Deutschen Bühne Ungarn

Deutschsprachiges Theater der Alternativszene in Rumänien aus der Sicht einer Theatermacherin
Dr. Carmen Elisabeth Puchianu, Kronstadt/Brașov

Simultanübersetzung oder Übertitelung – zwei wirksame Methoden, um die Sichtbarkeit des Minderheitentheaters zu erhöhen
Simona Vintilă, Temeswar/Timișoara

Podiums- und Publikumsdiskussion mit den Referentinnen

Moderation: Dr. Ingeborg Szöllösi, Deutsches Kulturforum östliches Europa

Kurzbiografien der Referentinnen

Die Referentinnen im Uhrzeigersinn von oben links: Ildikó Frank, Alexandra Murăruș, Drd. Simona Vintilă und Dr. Carmen Elisabeth Puchianu

Die Referentinnen im Uhrzeigersinn von oben links: Ildikó Frank, Alexandra Murăruș, Drd. Simona Vintilă und Dr. Carmen Elisabeth Puchianu

Ildikó Frank, geb. 1976, Schauspielerin (ausgebildet an der West Universität Temeswar), Gastschauspielerin an den ungarischen, deutschen und rumänischen Theatern in Temeswar, ab 2000 Ensemblemitglied der Deutschen Bühne Ungarn, ab 2004 Intendantin der Deutschen Bühne Ungarn, 2006 Gründerin der Rumänischen Kulturstiftung in Ungarn und des Rumänischen Theaters in Ungarn, 2006 Trägerin des Preises »Schauspielerin des Jahres« an der Deutschen Bühne Ungarn, Gründerin der Serie »Koffermärchen« (interaktive zweisprachige Märchen für Kleinkinder). Spielt in drei Sprachen, lebt in Pécs/Ungarn.

Alexandra Murăruș, geb. 1985, Schauspielerin (ausgebildet an der Theater- und Film-Universität Bukarest), Gastschauspielerin am Bulandra-, Unteatru-, und Nottara-Theater in Bukarest und Schauspielerin in mehreren Fernseh- und Filmproduktionen. Ab 2016 Ensemblemitglied der Deutschen Abteilung des Radu Stanca Nationaltheater Hermannstadt. Zurzeit lebt und spielt sie in Hermannstadt am Nationaltheater Radu Stanca in Theaterproduktionen wie Märtyrer von Marius von Mayenburg, Biedermann und die Brandstifter von Max Frisch und Woyzeck von Georg Bühner.

Dr. Carmen Elisabeth Puchianu, geb. 1956 in Kronstadt/Braşov (Rumänien), Anglistik- und Germanistikstudium an der Bukarester Universität bis 1979, den damaligen Anordnungen entsprechend Zuteilung als Englischlehrerin an eine Dorfschule in rein rumänischer Umgebung (Filipeşti de Târg, Kreis Prahova), ab 1983 Englisch- und ab 1987 Deutschlehrerin an der Honterusschule in Kronstadt; 1995 Antrittsvorlesung über Kafkas Werk und anschließende Einstellung als Lektorin und später als Dozentin für Deutsche Literatur an der Transilvania Universität, Kronstadt; 2004 Promotion über Thomas Mann. Initiatorin des Schüler- und Studententheaters in Kronstadt (u. a. Kleist-, Ustinoff-, Dürrenmatt-Aufführungen), des Studentenensembles DIE GRUPPE. Inszenierungen mit dem Ensemble DUO BASTET: Nyktophobie, oder Mephistos später Gruß an Faust (2009/10); Stühle für den neuen Mieter (2010/2011). Tägliche Tage, nach S. Beckett (2012), Pflegefall (2014/15). Das neue Stück (Herbst 2016). Zahlreiche Publikationen.

Drd. Simona Vintilă, geb. 1973 in Hermannstadt, Rumänien, Studium der Anglistik und Romanistik (1996); vertiefende weiterführende Studien in Anglistik und Amerikanistik an der West-Universität aus Temeswar (1997); Schauspiel in deutscher Sprache an der Musikhochschule der West-Universität aus Temeswar (2002); MA in Regie des Gegenwartstheaters an der Kunstuniversität in Târgu-Mureș (2010). Schauspielerin am Deutschen Staatstheater Temeswar; Regisseurin am Deutschen Staatstheater Temeswar und am Klassischem Theater „Ioan Slavici“ Arad; derzeit freiberuflich tätig, Lehrauftrag an der Hochschule für Musik und Theater, Departement: Musik – Darstellende Kunst, Schauspiel, West-Universität Temeswar. Zahlreiche Publikationen. Forschungsschwerpunkte: Gegenwartstheater, Geschichte des deutschen Staatstheaters Temeswar.

Eine Veranstaltung des Deutschen Kulturforums östliches Europa in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Musik und Theater an der West-Universität Temeswar/Timișoara – Abteilung für Schauspielkunst