Kulturportal
Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Reformation in Schlesien

02.11.2016 , 18:00
Ev. Emmauskirche
Lausitzer Platz 8A, 10997 Berlin, Deutschland

Reformation in Schlesien

Themenabend mit Vorträgen und Filmvorführung

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Unser Flyerbild zeigt die Evangelische Gnadenkirche (heute katholische Pfarrkirche) Hl. Kreuz in Hirschberg/Jelenia Góra

In Schlesien setzte die Reformation früh ein und breitete sich rasch aus. Ende des 16. Jahrhunderts bekannte sich der überwiegende Teil der Bevölkerung zu den Lehren Luthers. 1526 fiel das Land als Teil der böhmischen Krone durch Erbfolge an das katholische Haus Habsburg. Im Zuge der Gegenreformation wurden bereits während des Dreißigjährigen Krieges und vor allem danach die evangelischen Bewohner drangsaliert und ihre Kirchen eingezogen und rekatholisiert. Aufgrund dieser Situation entwickelte sich, unterstützt vor allem von Schweden, im Laufe des 17. Jahrhunderts bis zur Eroberung durch Preußen in Schlesien mit Friedenskirchen, Grenz- und Zufluchtskirchen, Gnadenkirchen und Bethäusern eine spezifische evangelische Kirchenlandschaft.

Flucht und Vertreibung der Deutschen ab 1944 traf vor allem die protestantischen Kirchen. Der größte Teil der heutigen Bevölkerung ist katholisch. Viele ehemals evangelische Kirchen werden heute von katholischen Gemeinden genutzt, andere verfallen. Im ersten Teil der Veranstaltung wird die Reformation in Schlesien und die Entwicklung des evangelischen Kirchenbaus von der Mitte des 17. bis Mitte des 18. Jahrhunderts vorgestellt.

Der anschließend gezeigte Film Häuser des Herrn von Ute Badura setzt sich anhand einiger Beispiele mit dem Schicksal dieser Kirchen nach dem Zweiten Weltkrieg auseinander.

Anmeldung

Eine Anmeldung ist erforderlich. Bitte bestätigen Sie Ihre Teilnahme bis zum 25. Oktober 2016.

Programm

18:00 Uhr
Begrüßung

  • Ev. Emmaus-Ölberg-Kirchengemeinde
  • MDg i. R. Winfried Smaczny, Deutsches Kulturforum östliches Europa

Vorträge

Der Aufbruch Schlesiens im Zeitalter von Humanismus und Reformation
Prof. Dr. Norbert Conrads, Stuttgart

Der protestantische Kirchenbau der Frühen Neuzeit in Schlesien
Prof. Dr. Jan Harasimowicz, Breslau/Wrocław

– – – Pause – – –

19:45 Uhr
Filmvorführung

Häuser des Herrn
Regie: Ute Badura
© 2010 Badura Film und Gesellschaft für interregionalen Kulturaustausch

Einführung: Ulrike Treziak, Berlin, Gesellschaft für interregionalen Kulturaustausch

Ende gegen 21.15 Uhr

Referenten

Prof. Dr. Norbert Conrads ist als Historiker ein ausgewiesener Kenner der schlesischen Geschichte. Unter anderem ist er Autor des Buches Schlesien aus der Reihe Deutsche Geschichte im Osten Europas. Professor Conrads wurde in Breslau geboren und war von 1981 bis zu seiner Entpflichtung 2003 Professor für Geschichte der Frühen Neuzeit an der Universität Stuttgart. Hier gründete er 1985 ein langfristiges Projekt für schlesische Geschichte, finanziert durch Drittmittel. Dieses Projekt ist seit dem Jahr 2000 ein Bestandteil des Lehrstuhls für Geschichte der Frühen Neuzeit. Zudem engagierte Professor Conrads sich in den Partnerschaftsverbindungen zwischen der Universität Stuttgart und der Politechnika Breslau/Wrocław.
Er wurde mehrfach für seine wissenschaftliche Arbeit zu Schlesien ausgezeichnet. In Würdigung seiner Verdienste und die langjährige Kooperation mit der Universität Breslau verlieh ihm diese im Jahr 2011 den Titel eines doctors honoris causa.
Ein Teil seiner Forschungsergebnisse erschien in der Reihe Neue Forschungen zur schlesischen Geschichte (Bände 1–16, 1992–2009).

Prof. Dr. Jan Harasimowicz ist ein namhafter Experte der schlesischen Kunstgeschichte, seine Forschungsschwerpunkte sind die Epochen der Renaissance und der Reformation. Seit 2004 ist er Ordinarius für Kunstgeschichte und Inhaber des Lehrstuhls für Kunstgeschichte der Renaissance und Reformation im Kunsthistorischen Institut der Universität Breslau/Wrocław sowie seit 2010 Direktor des Universitätsmuseums Breslau/Wrocław. Er war der polnische Partner des deutsch-polnischen Projekts »Adel in Schlesien/Szlachta na Śląsku« des Bundesinstituts für Geschichte und Kultur der Deutschen im östlichen Europa/Oldenburg und dem Institut für Kunstgeschichte der Universität Breslau (2004–2008) und der Initiator des deutsch-polnischen Museumsprojekts »Adel in Schlesien«. Zahlreiche seiner Veröffentlichungen befassen sich mit der protestantischen Kunst, so auch der 2015 von ihm herausgebrachte Band Protestantischer Kirchenbau der Frühen Neuzeit in Europa. Für seine Verdienste um die Kunstgeschichte erhielt er zahlreiche Auszeichnungen.

Film

Häuser des Herrn. Kirchengeschichten aus Niederschlesien
Ein Film von Ute Badura (85 Min)

Die Gemeinschaft evangelischer Schlesier hat die Produktion eines deutsch-polnischen Dokumentarfilmprojekts unterstützt und beratend begleitet.  Ein Jahr lang hat die Filmemacherin Ute Badura mit einem deutsch-polnischen Team mit der Kamera Niederschlesien bereist und dort ehemalige evangelische Kirchen gesucht. Einige sind heute noch evangelisch, andere katholisch und nicht wenige ganz verschwunden. Sie hat mit Menschen gesprochen, die sich mit einer einzelnen Kirche besonders verbunden fühlen und sie gebeten, von diesem Gotteshaus zu erzählen.

Es entstand ein deutsch-polnischer Film, der mit Interviews und Hintergrundberichten nicht nur von der Geschichte der evangelischen Kirchen und vom kulturellen Erbe des ehemals überwiegend protestantisch geprägten Niederschlesiens erzählt. Er berichtet auch von der Situation der evangelischen Kirche in Polen nach dem Zweiten Weltkrieg und von der Annäherung zwischen Deutschen und Polen, Protestanten und Katholiken heute.

Der 85minütige Dokumentarfilm Häuser des Herrn / Domy Pana erscheint in deutscher und polnischer Fassung als DVD mit einer Begleitbroschüre. Er ist erhältlich bei der

Gesellschaft für interregionalen Kulturaustausch e.V.
Oranienstr. 168
10999 Berlin
www.interregonaler-kulturaustausch.org
ISBN 978-3-9809767-4-9

Weitere Informationen zum Film

Eine Veranstaltung des Deutschen Kulturforums östliches Europa im Rahmen des Jahresthemas 2016: Schlesien. Ein zehnfach interessantes Land. In Kooperation mit der Ev. Emmaus-Ölberg-Kirchengemeinde Berlin-Kreuzberg