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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Vorträge und Podiumsdiskussion: Bessarabien 1918

19.04.2018 , 19:00
Rumänisches Kulturinstitut Berlin
Reinhardtstraße 14,
10117 Berlin
 

Eine historische Region in Südosteuropa am Ende des Ersten Weltkriegs

Parade zum rumänischen Nationalfeiertag am 10. Mai auf dem Marktplatz von Tarutino (heute: Tarutyne in der Ukraine), um 1930

Parade zum rumänischen Nationalfeiertag am 10. Mai auf dem Marktplatz von Tarutino (heute: Tarutyne in der Ukraine), um 1930

Bessarabien, rumänisch: Basarabia, ist eine historische Region in Südosteuropa umgeben vom Schwarzen Meer im Süden und den Flüssen Pruth, rumänisch: Prut, im Westen sowie Dnjestr, rumänisch: Nistru, im Osten. Heute ist das Gebiet, um das sich die Großmächte Russland und das Osmanische Reich jahrhundertelang stritten, zwischen der Republik Moldau und der Ukraine aufgeteilt. Von 1812 bis 1917 gehörte Bessarabien, in dem mehrheitlich Rumänen, aber auch Deutsche, Russen und viele andere Völker lebten, dem russischen Kaiserreich an.

Nach der Oktoberrevolution verabschiedete die neue Regierung unter Lenin und Stalin bereits am 2. November 1917 das »Dekret über die Rechte der Völker Russlands«. Es sollte die Souveränität und Selbstbestimmung der im Russischen Reich lebenden Völker garantieren. Finnland forderte seine Unabhängigkeit am 6. Dezember 1917, gefolgt von der Ukraine am 22. Januar 1918, von Bessarabien am 24. Januar 1918, von Litauen am 16. Februar 1918, von Estland am 23. Februar 1918, Weißrussland am 25. März 1918 und Polen am 11. November 1918. Als die Bolschewiki die massiven territorialen Einbußen wahrnahmen, schränkten sie am 12. Januar 1918 das Selbstbestimmungsrecht der Völker ein und ordneten es dem Klassenkampf unter.

Die Folge für Bessarabien war, dass die Bolschewiki einen Unabhängigen Obersten Rat für die russisch-rumänischen Probleme gründeten, um Bessarabien nicht zu verlieren und es als Plattform für die kommunistische Revolution auf dem Balkan zu missbrauchen. Doch der bessarabische Landesrat (Sfatului Țării) in Kischinew, Chișinău, votierte am 27. März 1918 für den Anschluss an Rumänien – ein Wahlergebnis, das von der Sowjetregierung während der Zwischenkriegszeit nicht anerkannt worden ist.

Programm

19:00 Uhr
Begrüßung

  • Claudiu Florian, Leiter des Rumänischen Kulturinstituts Berlin
  • Dr. Harald Roth, Direktor des Deutschen Kulturforums östliches Europa, Potsdam

19:15 Uhr
Vortrag
Die Vereinigung Bessarabiens mit Rumänien 1918. Thesen und Antithesen
Referent: Dr. Vitalie Văratic

20:00 Uhr
Lichtbildervortrag
Die Deutschen in Bessarabien unter rumänischer Oberhoheit (1918–1940). Politische, wirtschaftliche und kulturelle Aspekte
Referentin: PD Dr. Ute Schmidt

20:30 Uhr
Podiumsdiskussion

  • PD Dr. Ute Schmidt
  • Dr. Vitalie Văratic
  • Moderation: Claudiu Florian

Ende gegen 21:00 Uhr

Kurzbiografien

PD Dr. phil. habil. Ute Schmidt, geb. 1943 in Schrimm bei Posen (Polen), Studium der Geschichte, Kunstgeschichte, Germanistik, Soziologie und Politikwissenschaft in München und Berlin, Forschung und Lehre in Berlin, Hamburg und Dresden, seit 2005 Privatdozentin am Institut für Politik- und Sozialwissenschaften und Projektleiterin im Forschungsverbund SED-Staat an der Freien Universität Berlin, seit 1989 viele Reisen nach Südosteuropa (vor allem Moldau und Ukraine, zahlreiche Veröffentlichungen zu Themen wie: Politische Parteien in Deutschland (Bundesrepublik Deutschland, neue Bundesländer), Sowjetische Militärjustiz nach 1945, Flucht, Vertreibung und Deportation am Ende des Zweiten Weltkrieges, Geschichte der Deutschen aus Bessarabien.

Dr. Vitalie Văratic, geb. 1957 in Bessarabien/Basarabia, Studium der Geschichte an der Fakultät für Geschichte der Staatlichen Universität Kischinew/Chișinău, 1991 Promotion über ein Thema zur Zeitgeschichte, 1979–1996 wiss. Mitarbeiter am Insitut für Geschichte der Moldawischen Akademie der Wissenschaften, 1996 Umzug nach Bukarest, 1996–1999 wiss. Mitarbtier am Nationalen Institut für Totalitarimusforschung der Rumänischen Akademie, 1999–2017 Erster Sekretär und Berater im Diplomatischen Archiv des rumänischen Außenministeriums, derzeit leitender wiss. Mitarbeiter am Nationalen Institut für Totalitarimusforschung der Rumänischen Akademie, Forschungsschwerpunkt: Rumänisch-russische/sowjetische Beziehungen im 20. Jahrhundert.

Eine Veranstaltung des Deutschen Kulturforums östliches Europa im Rahmen des Jahresthemas 2018: Zwischen Trauer und Triumph. 1918 im östlichen Europa. Der Ausgang des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren veränderte die Landkarte des mittleren und östlichen Europa besonders nachhaltig. Manche Länder, Völker und Regionen betrauerten außerordentliche Verluste, andere triumphierten angesichts neu errungener Eigenständigkeit. Im Gedenkjahr 2018 wollen wir diesem Spannungsfeld Raum geben und nach den Folgen fragen.

In Zusammenarbeit mit dem Rumänischen Kulturinstitut Berlin