Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen
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Wege der Erhaltung und Vermittlung wertvollen Kulturgutes II

Informations- und Begegnungstagung der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen, Bonn, im Rahmen des Projektes der Beratung ostdeutscher Heimatsammlungen in Haus Schlesien, Heisterbacherrott

heimat2-5aAuch die zweite Begegnungstagung der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen war für die Teilnehmer ein willkommenes Forum in Sachen Erfahrungsaustausch und praxisbezogene Information.

Die rund 40 Betreuerinnen und Betreuer ostdeutscher Heimatsammlungen nutzten die Fortsetzung des Projektes unter dem Motto „Erhaltung von ostdeutschem Kulturgut und Unterstützung der ostdeutschen Heimatsammlungen“, um mit Gleichgesinnten in Dialog zu treten und vor allem, um zu erfahren, wie die gesammelten Kulturwerte für die Zukunft erhalten bleiben zu können.

Nach der positiven Resonanz der ersten Informations- und Beratungstagung im Juni 2016 hat die Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen, Bonn, zusammen mit Haus Schlesien, Königswinter-Heisterbacherrott, Anfang November d.J. erneut ein praxisbezogenes Programm unter dem Titel „Wege der Erhaltung und Vermittlung wertvollen Kulturgutes“ zusammengestellt.

Bewahrung der Identität

heimat2-8aWie Dr. Ernst Gierlich, Geschäftsführer der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen, in seinem Grußwort betonte, ergänzt das aktuelle Projekt die vielfältigen Initiativen zur Zukunft der ostdeutschen Heimatsammlungen. Die Ergebnisse der im Rahmen des Vorhabens durchgeführten Fragebogen-Aktion zur Lage der ostdeutschen Heimatsammlungen und -stuben ist aufschlussreich: Mehr als zwei Drittel der teilnehmenden Einrichtungen beurteilen ihre Lage optimistisch. Trotzdem wird auch deutlich, dass mittel- und langfristig betrachtet, viele Sammlungen gefährdet sein könnten. Auch wenn durch den altersbedingten Rückgang der meist ehrenamtlichen Betreuer oder durch wegfallende Räumlichkeiten einige Heimatstuben nicht mehr auf Dauer in der gegenwärtigen Form fortgeführt werden können, sei es besonders wichtig, Lösungen zu finden, die die Bewahrung der Identität in den Fokus stellt.

heimat2-17aAuch Nicola Remig, die Leiterin des Dokumentations- und Informationszentrums Haus Schlesien, verwies auf Aspekte der vielfältigen „ostdeutschen Szene“ und auf erforderliche unterschiedliche Lösungswege. So sei die laufende Sonderausstellung des Hauses „Zu Hause und doch fremd – Vom Umgang mit Entwurzelung und Heimatverlust am Beispiel Schlesien“ ein Beitrag zur grenzüberschreitenden Präsentations-Möglichkeit von ostdeutschen Kulturgütern mit historischem und ideellem Wert.

Die Tagungsteilnehmer hatten übrigens auch Gelegenheit, die Schau im Rahmen einer Führung durch die Kuratorin, Dipl.-Geogr. Silke Findeisen, zu besichtigen.

Experten berichten und empfehlen

heimat2-26aKlaus Mohr vom Sudetendeutschen Archiv in München sprach in seinem Vortrag über „Aktuelle Probleme der Sudetendeutschen Heimatssammlungen“ und stellte Bezüge zu anderen ostdeutschen Heimatsstuben her. „Der gängige Hinweis, dass die Zeit der Heimatstuben abgelaufen sei und sie keine Zukunft mehr hätten, kann so nicht akzeptiert werden“, erklärte der Referent. Schließlich habe sich gezeigt, dass vor allem dort, wo die Patenstadt die Heimatstube als Teil der Geschichte ihrer eigenen Bevölkerung ernst nimmt, auch Zukunft bestehe.

heimat2-49aMaike Trentin-Meyer, Leiterin des Deutschordensmuseums in Bad Mergentheim, bot in ihrem Vortrag zum Thema „Angewandte Museumsdidaktik für Heimatsammlungen“ praktische Tipps zum Umgang mit Kulturgütern. Ausgehend vom Beispiel des Deutschordensmuseums präsentierte die Referentin konkrete Anregungen, die auch für die Betreuer von Heimatstuben mit kleineren Beständen interessant waren.

heimat2-50aDer ehemalige, langjährige Leiter der Martin-Opitz-Bibliothek in Herne, Dr. Wolfgang Kessler, hat eine einfache Methode erarbeitet, die jenen Heimatstubenbetreuern helfen soll, die sich einen systematischen Überblick über die Sammlung verschaffen wollen. Neben der Erfassung und Gewichtung der Objekte und Schriftstücke sei es auch vorteilhaft – so Dr. Kessler – die Geschichte hinter den vorhandenen Gegenständen zu vermitteln.

heimat2-39aPraktische Tipps für eine effektive Presse- und Öffentlichkeitsarbeit erhielten die Heimatstubenbetreuer von Bernadett Fischer, die für diesen Bereich im Haus Schlesien, Königswinter, verantwortlich ist.

 

 

 

Aus der Praxis für die Praxis

Vor diesem Hintergrund ist es verständlich, dass viele Tagungsteilnehmer Fragen stellten wie „Was wird aus unserer ostdeutschen Heimatstube? Was geschieht mit den gesammelten Erinnerungsstücken? „Wie geht es weiter?“ Andere wiederum stellten Besonderheiten ihrer Sammlung vor und berichteten über den Weg, den sie für sich gefunden haben.

heimat2-37aSo etwa suchten Dieter Jakob aus Leverkusen vom Neumarkter Verein Hameln und Bernhard Seifert aus Hildesheim vom Heimatbund Kreis Löwenburg einen praktischen Weg, um die derzeit nicht öffentlich zugänglichen Sammlungen gut unterzubringen. Ernst Mlitzke aus Lüdenscheid von der Stiftung Grafschaft Glatz wiederum berichtete über die Fülle an vorliegendem wertvollen Material, mit dem er sich an eine Wanderausstellung anschließen möchte.

Hans-Joachim Meier aus Borken und Winfried Püschel aus Bad Drieburg vertraten die Bundesheimatgruppe Bolkenhainer Burgenland und informierten über die Dauerausstellung in ihrer Heimatstube sowie über das „Bolkenhainer Bildarchiv“ als häufig frequentierte Herzstück des Hauses.

Peter Börner aus Siegburg vertrat die Bundesheimatgruppe Bunzlau und berichtete über die räumliche Verkleinerung der Stube sowie über die Überalterung des Personals und über fehlende Möglichkeiten der Ausstellung.

Dr. Idis Hartmann aus Oldenburg von der Ostdeutschen Heimatstube in Bad Zwischenahn ist bestrebt, möglichst viele Leute für die Ausstellungen zu sensibilisieren, braucht jedoch dringend personelle Unterstützung.

Heribert Reif aus Kamen vom Heimatbund Kreis Freystadt vertrat den Standpunkt, dass die Landsleute gefragt seien, Maßnahmen zur Rettung der gefährdeten Sammlungen zu unternehmen.

Elke Weisheit aus Wiesbaden und Dietlinde von Bernuth aus Celle, die sich mit den Geschicken der Guhrauer Heimatstube Herzburg beschäftigen, waren vor allem an neuen Wegen der Inventarisierung, Präsentation und Bekanntmachung der Sammlungsbestände interessiert.

heimat2-35aheimat2-40aheimat2-29aIm Rahmen der Tagung gab es auch positive Berichte von gut aufgestellten Einrichtungen. Repräsentative Beispiele der Ermutigung boten Ute Eichler aus Hamburg mit der Präsentation des Heimatmuseums der Kreisgemeinschaft Lötzen/Ostpreußen in Neumünster und Damian Spielvogel von der Landsmannschaft Schlesien in Königswinter mit der Vorstellung der Hindenburger Heimatsammlung in Essen. Leonhard von Kalckreuth aus Bonn vertrat den Heimatkreis Meseritz und Birnbaum/Warthe und informierte über das Museum von Meseritz/Miedzyrzecz als „Paradebeispiel für erfolgreiche Versöhnungsarbeit“.

Fazit

Der rege Dialog zwischen Teilnehmern und Experten sowie der Erfahrungsaustausch unter den Betreuern der Heimatsammlungen haben einmal mehr gezeigt, dass das von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien geförderte Projekt seine Berechtigung hat und sein Ziel erreicht hat.

Die Thematik bleibt weiter aktuell.

Dieter Göllner

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heimat2-45aIm Rahmen der Tagung wurde die von Elke Wilming, Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen, herausgegebene „Handreichung für die Betreiber ostdeutscher Heimatsammlungen“ vorgestellt, die bei der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen kostenlos angefordert werden kann.

Hier die Handreichung als pdf-Datei zum Downloaden