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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Abshagen, Karl-Heinz

Journalist, Schriftsteller

* 1895, 14.06.
Stralsund/Pommern

† 1976, 18.02.
Schweinfurt

Abshagens Heimatstadt war Stralsund, die alte, einst mächtige Hansestadt und Tor Rügens, Deutschlands größter Insel. Er wurde als fünftes Kind des Kaufmanns Heinrich Karl Wilhelm Abshagen geboren; ihm folgte 1897 sein Bruder Wolfgang, der später Direktor und Vorstandsmitglied der National-Film AG war und Mitinhaber des Familienunternehmens in Hamburg-Wandsbeck wurde. Karl-Heinz Abshagen ist als Journalist im In- und mehr noch im Ausland bekannt geworden, auch als Reiseschriftsteller und Biograph, der sich um die Deutung der von ihm selbst durchlebten Zeitgeschichte mühte.

Er besuchte die Volksschule wie das Gymnasium und nahm am Ersten Weltkrieg teil, zuletzt als Offizier. Dann ging er an die Universität Hamburg, um dort Rechtswissenschaft und Volkswirtschaft zu studieren. Da ein Studium auch damals Geld kostete, staatliche Unterstützung im heutigen Maßstab es aber noch nicht gab, arbeitete er kaufmännisch im familieneigenen Unternehmen in Wandsbeck. Bereits 1920 heiratete er, also noch zu Beginn seines Studiums, was von früher Reifung durch die Kriegsjahre, doch auch von Selbstbewußtsein zeugen mag. 1925 wurde er in Erlangen zum Dr. jur. promoviert.

Es zog Abshagen zum Journalismus, und nach einer gewissen Einarbeitungszeit in Berlin finden wir ihn als Auslandskorrespondenten deutscher Zeitungen in Paris, Brüssel und London (1929-1933). Während der NS-Ära arbeitete er für die Agentur EUROPAPRESS in London, Amsterdam, Madrid, Lissabon und zuletzt im fernen Tokio. 1943 bis 1946 “eroberte” er sich als Reise-Berichterstatter China, die innere Mongolei und Korea. Die gesammelten Eindrücke bildeten die Grundlagen für sein Buch Im Lande Arimasen, als Journalist im Fernen Osten, das 1948 in Stuttgart erschien und gleich ins Japanische übertragen wurde. Dann war er wieder als Korrespondent in London. Und als er endgültig nach Deutschland zurückkehrte – der Krieg war vorüber, sein Sohn gefallen, unser Land weitgehend zerstört, von den Feindmächten besetzt und in Zonen aufgeteilt -, ließ er sich in Oberbayern nieder, um als freier Schriftsteller all das zu verarbeiten, was er erlebt und an Erfahrungen gemacht hatte.

Während seiner beruflichen Tätigkeit, die ihn in so viele Länder der Erde geführt hatte, war ihm England in seiner Weltgeltung immer besonders nahe geblieben. Hatte er schon seine Dissertation 1925 über die damalige Verwaltung Groß-Londons und Möglichkeiten weiterer Gestaltung geschrieben und bereits 1938 über Einfluß und Macht der englischen Oberschicht publiziert, so brachte er 1960 eine umfassende Darstellung Großbritanniens unter dem Titel Europas große Insel heraus in der Hoffnung, damit zu besserem gegenseitigen Verständnis beizutragen.

Als Biograph hat Abshagen als einer, der Deutschland viele Jahre von außen beobachtet hatte, über Canaris, Patriot und Weltbürger gearbeitet und damit ein besonderes Kapitel des deutschen Widerstandes gegen Hitler aufgegriffen. Das Buch ist bald in mehrere Sprachen übersetzt worden. Sein Bemühen, sich mit dem Erscheinungsbild des “Dritten Reiches”, seinem Aufstieg und seinem Untergang auseinanderzusetzen, hat noch zu weiteren Arbeiten zu diesem Thema geführt, die im Werkverzeichnis enthalten sind. Aus innerer Verpflichtung stellte er sich auch als Dozent der Hochschule für Politische Wissenschaften in München zur Verfügung. Schuld und Verhängnis für unser Deutschland (einer seiner Buchtitel) sowie Großbritannien und sein Commonwealth waren seine Vorlesungs-Themen. Schon 1958 ist Karl-Heinz Abshagen mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse ausgezeichnet worden. Bei zunehmendem Alter zog er mit seiner Frau in ein Senioren-Wohnheim und starb im 81. Lebensjahr.

Werke: König, Lords und Gentlemen (Einfluß u. Macht der engl. Oberschicht), Stuttgart 1938, 232 S. – Im Lande Arimasen (Als Journalist im Fernen Osten 1941-46), 1948, 374 S. – Canaris, Patriot und Weltbürger, Stuttgart 1949, 408 S. – Revolution ohne Träume, Stuttgart 1951, 310 S. – Europas große Insel, 1960. – Schuld und Verhängnis, 1962. – Das Londoner Local Government in seiner heutigen Gestaltung und die Bestrebungen zu seiner Ausgestaltung, 1925 (Erlanger jur. Dissertation). – (Mitherausgeberschaft:) Erich Kordt: Wahn und Wirklichkeit (Die Außenpolitik des Dritten Reiches, Versuch einer Darstellung), 1947, 419 S.

Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Heinz_Abshagen

Friedrich Birkholz

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