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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Aichner Fridolin (Irmfried Benesch)

Schriftsteller

* 1912, 05.08.
Aichen/mähr. Neustädter Ländchen

† 1987, 13.04.
Goch/Niederrhein

Fridolin Aichner wurde als Irmfried Benesch in Aichen bei Mährisch Neustadt geboren und nannte sich nach seinem Geburtsort als Autor Fridolin Aichner. Da sein Vater Lehrer war und in verschiedenen Orten Mährens tätig, wuchs Aichner in seiner Kindheit in Runarz, Petersdorf und Rehsdorf auf und maturierte 1931 am Gymnasium in Mährisch Trübau. Er studierte in Prag an der Deutschen Universität Germanistik und Slawistik und schloss sein Studium mit einer Dissertation über die Lautlehre der Schönhengster Mundarten ab. Nach ersten Jahren als Lehrer am Gymnasium in Neutitschein und Mährisch Trübau wurde er bereits 1939 zur Wehrmacht eingezogen. Nach fünf Kriegsjahren geriet er in Gefangenschaft und wurde von dort erst 1947 nach Deutschland entlassen. Er arbeitete als Hilfsarbeiter am Bau, als Nachhilfelehrer und Mitarbeiter der neugegründeten „Sudetendeutschen Zeitung“, ehe er 1952 wie­der im Schuldienst tätig sein konnte, und zwar in Goch am Niederrhein, wo er als Studiendirektor in den Ruhestand ging.

Aichner begann früh zu schreiben. Schon als Student veröffentlichte er in Zeitschriften und Kalendern Gedichte und Erzählungen.1951 erschien seine erste Nachkriegs-Erzählung Der Wald kommt zurück, der dann Gedichte, weitere Erzählungen, Romane, Theaterstücke und Kinderbücher folgten. In seinem Werk ist viel Autobiographisches und Historisches aus dem Zusammenleben von Tschechen und Deutschen in Mähren ein­geflossen und wird vom Autor mit Gedanken der Versöhnung dargestellt. Trotz aller Tragik der Vergangenheit scheinen aber Hoffnung und Humor auf, wie bereits manche Titel besagen: Der Kuckuck lacht aus dem Dornenstrauch (1953), Die Erlösung des Peter Brachtel (1959) oder Und die Welt ist voller Wunder (1959).

Als weitere Werke nennen wir: Das Spiel vom toten Tod. Ein Laienspiel. 1961. – Der Doppelselbstmord. Erzählungen. 1964.

Auf verwehter Spur. Historischer Roman. 1966. – Wir bauen unsere Häuser fest. Erzählungen. 1971. – Alle meine Meyer­lein. Roman. 1971. – Kornblumen und roter Mohn. Roman. 1972. – Gerüchte. Erzählungen. 1975.

In der Reihe Bogendrucke des Marburger Kreises veröffentlichte er Der Maskenzug (1968), In dieser Dunkelheit (1973), Vorahnungen (1978) und Diaspora (1980).

Er leitete achtzehn Jahre eine Laienspielgruppe und schrieb Hör­spiele für den Schulfunk. 1960 erhielt er den Förderpreis der Sudetendeutschen Landsmannschaft, 1966 den Schön­hengst­gauer Kulturpreis. Schreibende Landsleute haben ihn gewürdigt: Rudolf Hemmerle lobte seine „humoristische Ader“ Margarete Kubelka nannte ihn einen „Anwalt der Liebe und der Menschlichkeit“.

Fridolin Aichner hat nicht nur durch seinen Autornamen die Verbundenheit mit seinem Geburtsland ausgedrückt, sondern auch in manchen seiner Werke. Als Lehrersohn lässt er seine Kindheit aufleben, wenn er im Buch Und die Welt war voller Wunder diese Welt mit „Freundschaft, vielen Lumpereien und Schwänken“ beschreibt, bis „zu seiner Gymnasialzeit und seinen Erlebnissen an der Front in Russland“ (Štĕpánka Kuřiková). Kurze Erzählungen finden wir auch im Sudetendeutschen Kalender der siebziger Jahre.

Wer den sudetendeutschen Schönhengstgau, die größte deutsche Sprachinsel der Tschechoslowakei, kennen und verstehen will, lese Aichners Erzählungen wie Vorahnungen und Die Beerdigung, aber auch den Roman Auf verwehter Spur. In ihm zählte er Missetaten beider Völker auf, die ein „kraftvolles Land verbluten“ ließen. Aichner ist objektiv und erstreckt seine Kritik auch auf das Münchner Abkommen von 1938. Dieser Roman endet mit der Vertreibung 1946, als „jeder ein Stückchen Heimat in seinem Fluchtgepäck trug“. Seine Kenntnis der Psychologie beider Völker Mährens beweist er auch im Roman Kornblumen und roter Mohn. Die Blumen galten bis zur Vertreibung als Symbole, ja als nationale Erkennungszeichen deutschsprachiger oder tschechischsprachiger Mährer in einer seit dem Zweiten Weltkrieg verschwundenen Welt. Aichner lässt anhand einer Wiederbegegnung eines Sudetendeutschen mit seiner tschechischen Jugendliebe im Prager Frühling diese Welt lebendig werden.

Weitere Werke sind die Kinderbücher Lichtfest im Räuberwald und Die Prinzessin im Zauberwald und eine Reihe von Laienspielen wie die Dramen Der Schatz im Berge und Der Mann auf der Fidel, die in Göppingen, der Patenstadt der Schön­hengster, bei den Schönhengster Heimattagen aufgeführt wurden.

Lit.: Würdigungen von M. Kubelka zu Aichners Geburtstagen 1972, 1977 und 1982 in „Sudetenland“, 1997 zum 10. Todestag in „Sudetendeutscher Kalender“ (R. Hemmerle). – Irene Kunz, Fridolin Aich­ner, in: Schriftsteller und Mährisch Trübau. Hrsg. vom Verband der Deutschen – Regionalgruppe Schönhengstgau (deutsch und tschechisch), Moravska Třebova 1999. – Štěpánka Kuřiková, Fridolin Aichner, in: Ingeborg Fiala-Fürst (Hrsg.), Lexikon deutschmährischer Autoren, Olomouc: Universita Palackého. Loseblattsammlung 1. Lieferung 2002 (sechs Seiten mit detaillierter Biographie).

Bild: Archiv der Kulturstiftung.

Rudolf Grulich

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