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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Aigner, Ludwig (Lajos Abafi)

Literaturhistoriker, Schriftsteller

* 1840, 11.02.
Großjetsch/Banat

† 1909, 19.06.
Budapest

Die Leistungen dieses aus dem Banat stammenden Literaturhistorikers, Verlegers, Schriftstellers, Übersetzers und Wissenschaftlers, Verfassers zahlreicher ästhetischer und ethnographischer Werke, sind bislang kaum bekannt geworden. Dies ist mit aller Wahrscheinlichkeit dem Umstand zuzuschreiben, daß es für Ludwig Aigner im Zeitalter des Dualismus vonnöten war, seine Arbeiten meistens mit dem ungarischen Namen Lajos Abafi zu zeichnen, denn nur so gelang es ihm, sich in Budapest durchzusetzen. 1840 in der Banater Heidegemeinde Großjetscha (ung.: Nagyjecsa, rum.: lecea Mare) von adeligen Eltern geboren, besuchte er von 1850 bis 1853 die Handelsschule in Temeswar und war anschließend bis 1857 in einer Buchhandlung als Lehrling tätig. Gleichzeitig erlernte er als Privatschüler in einem Temeswarer Gymnasium das Lateinische. Zwischen 1858 und 1860 in der Buchhandlung des Josef Schwaiger in Preßburg, ab 1860 in der Buchhandlung Ferdinand Pfeifer in Budapest, 1863 in Leipzig und ab November desselben Jahres bis zum 16. 3.1865 bei dem Kölner Buchhändler Wilhelm Greven, anschließend bei Julius Weise in Stuttgart, kehrte Ludwig Aigner im Frühjahr 1868 nach Budapest zurück, wo er zunächst in den Buchhandlungen Rath und Osterlamm beschäftigt wurde und am 1.7.1868 gemeinsam mit Rautmann (ab April 1869 selbständig) eine Buchhandlung eröffnete. Es ist anzunehmen, daß sein oft zitierter väterlicher Freund, der Volksliedersammler Frigyes Pesty, in ihm das Interesse für die Dichtkunst des Volkes erweckt hatte. Für sein 1865 erschienenes Werk „Die Geschichte und die Theorie der Ballade und Romanze“ (A ballada es románcz története és elmélete) erntete er ein besonderes Lob der Kisfaludy-Gesellschaft.

Sein erster Artikel „Preßburger Brief über die Kazinczy-Feier 1859“ erschien auf dem Umschlagblatt der Zeitschrift „Divatcsarnok“ (= Modehalle, Nr. 2/1860).

Zwischen 1860-1863 schrieb er Beiträge und Kritiken über das Buchwesen in den Publikationen „Schöngeistiger (d.h. Belletristiacher) Beobachter“ und „Kranz“ der Arany-János-Gesellschaft, außerdem in den „Wissenschaftlichen Abhandlungen“, in der „Sonntags-Zeitung“, in den „Kritischen Blättern“ und in der Wiener „Buchhändler-Correspondenz“.

Archäologische Beiträge veröffentlichte er in den Raaber „Historischen und Archäologischen Heften“, ferner eine Abhandlung über madjarische Mythologie, die er auch in den in Pest erscheinenden deutschsprachigen Blättern „Fata Morgana“ brachte.

Seine journalistische und wissenschaftliche Tätigkeit erstreckte sich auf folgende Periodika: „Der Beobachter (Figyelö: 1876-1890), „Corvina“: (1878-1894); „Entomologische Blätter“ »Rovartani Lapok: 1895-1899) u.a. Im Jahre 1884 gründete er die historische Zeitschrift „Unsere Heimat“ (= Hazánk) und trug durch seine rege Tätigkeit zur Erhaltung wesentlicher Stoffe aus dem kulturellen und literarischen Leben bei.

Ab 1890 beschäftigte sich Ludwig Aigner hauptsächlich mit Entomologie und veröffentlichte 1898 in Budapest „Die Geschichte der Entomologie in Ungarn“ (A lepkészet története Magyarországon), ein bedeutendes Werk, ist es doch bis heute die einzige in Ungarn erschienene zusammenfassende Arbeit dieser Art geblieben. Sein umfangreiches Schaffen führte ihn in die verschiedensten Bereiche. Von besonderer Bedeutung ist die ins Deutsche übertragene und von Ludwig Aigner veröffentlichte Arbeit „Petöfis poetische Werke“ (1880-1883, Budapest). Sein Verlag edierte auch zahlreiche Banater Autoren, die er nach Möglichkeit unterstützte und förderte.

Ludwig Aigner lebte für die Wissenschaft und für die Literatur. Nachdem er 1896 sein Geschäft – seinen Verlag – aufgegeben und 1901 eine Stelle als Laborant an der naturwissenschaftlichen Abteilung des Ungarischen Nationalmuseums angenommen hatte, opferte er sein gesamtes Vermögen für die Herausgabe seiner Arbeiten. Diese späte Würdigung soll ein Zeichen dafür sein, daß seine Verdienste der Nachwelt wohl bewußt geworden sind und entsprechend anerkannt werden.

Werke: Veröffentlichungen unter seinem Familiennamen Ludwig Aigner oder unter Pseudonymen wie Jécsai Lajos, Jecsai A. Lajos, Ajgö Lajos, Apor Lajos in folgenden Blättern und Zeitschriften: „Hefte für Schulwesen“ (1868), „Vaterland“ (Nr. 66/1868), Szanas „Beobachter“ (1871-1876) und „Kranz“ (1879-1881), „Ungarn und die Große Welt“ (1875), im Blatt der Petöfi-Gesellschaft (1876), „Hauptstädtische Blätter“ (1877), „Jahrhunderte“ (1878), „Literarische Berichte aus Ungarn (= deutschsprachige Zeitschrift), „Deák Album“, „Historisches Magazin“ (1880-84), „Ungarischer Salon“ (1878-88), „Ungarischer Sprachwart“, „Erinnerung“, „Kaschauer Blätter“ u.a.m.

Erwähnenswert sind vor allem folgende Veröffentlichungen: „Über ungarische Volkspoesie“ (Aus: Archiv für Literaturgeschichte); „Über die Elegie“. Budapest 1869 (preisgekröntes Werk). „Über das ungarische Volkslied“. Budapest 1873; 2. Ausgabe ebda 1879. (= deutschsprachig). „Mikes Kelemen“. Ebda. 1878 (Ztschr. Magyar Könvesház = Ungarisches Bucharchiv, 48,50). „Franz Kazinczy als Freimaurer“, ebda. (ohne Orts- und Zeitangabe) „Petöfis poetische Werke“. 2 Bde, Budapest 1880-3 (= deutschsprachig, mit mehreren Mitarbeitern). „Zur Geschichte der Ungarischen Legion in Italien (ohne Orts- u. Zeitangabe). Er verfaßte und gab heraus: „Ungarische Bücherkunde (1869-70); das Projekt „Ungarisches Buchmuseum“ 1875 begonnen. In diesem mehrbändigen Werk versah er die Beiträge mit biographischen und anderen Bemerkungen. Von diesem Unternehmen sind 140 Hefte erschienen. 1878 die Sammlung „Nationale Bibliothek“ (erschienen: 42 Bände) begonnen. Ab 1876 Schriftleiter beim „Beobachter“, von dem 27 Bde (132 Hefte) erschienen sind. 1884 „Unsere Heimat“, eine historische Zeitschrift, begründet, von dem 11 Bde (55 Monatshefte) erschienen. 1878 Schriftleiter bei CORVINA (offizielles Vereinsorgan des Ungarischen Landesvereins der Buchhändler).

Lit.: Szinnyei, József: Magyar irók élete és munkái (Leben und Werke ungarischer Schriftsteller), Bd. l, Budapest 1891, S. 10-12; Gyula: Magyar néprajzi lexikon (Ungarisches volkskundliches Lexikon), Bd. l, Budapest 1977, Litera A. Absatz 3; Kenyeres, Agnes: Magyar életrajzi lexikon (Ungarisches biographisches Lexikon), Bd. l, Budapest 1967, S. 1-2; Vende, Ernst (Ernö): Schrifttum, Wissenschaft und Kunst. In: Das Komitat Torontal, (Reihe: Ungarns Komitate und Städte. Hrsg. von Borovszky Samuel/Samu) Budapest 1912, S. 266; Kleines NBZ-Lexikon. Banatdeutsche Persönlichkeiten. In: Neue Banaler Zeitung. (Seite: NBZ-Kulturbote), Temeswar, 28. 2.1980; Anton Peter Petri: Biographisches Lexikon des Banater Deutschtums, Marquartstein, 1992.

Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_Aigner.

Hans Dama

 

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