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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Alder, Kurt

Chemiker, Nobelpreisträger

* 1902, 10.07.
Königshütte/Oberschlesien

† 1958, 20.6.
Köln

Kurt Alder wurde am 10. Juli 1902 in Königshütte im damals preußischen Teil von Oberschlesien geboren. Seine Jugend wurde vor allem durch das industrielle Umfeld seiner Heimat geprägt.

1922 legte Alder noch das Abitur in Oberschlesien ab. Danach verließ wegen der politischen Umstände die ganze Familie ihre Heimat und zog nach Kiel. Dort setzte Alder sein Chemiestudium fort, nachdem er zuvor ein Semester in Berlin studiert hatte. 1924 legte er dort das Verbandsexamen (Vorläufer der heutigen Diplomprüfung) ab und erhielt vom damaligen Chef des Chemischen Instituts der Universität Kiel, Otto Diels, das Thema seiner Dissertation Über die Ursache und den Verlauf der Azoesterreaktionen. Seine Promotion zum Dr. rer. nat. erfolgte am 24. Juli 1926.

Die Anlagerung des Azodicarbonsäurediethylester, wie die von Kurt Alder untersuchte Verbindung heute genannt wird, an ungesättigte Kohlenwasserstoffe unter Ausbildung von Sechsringen war ein Beispiel für einen Reaktionstyp, dessen Universalität zu erkennen das große Verdienst von Diels und Alder war und deren Namen die Reaktion heute trägt. Sie spielt u. a. in der Analyse und bei der Bildung komplexer organischer Verbindungen eine bedeutende Rolle. Mit Hilfe von Diels-Alder-Reaktionen wurden z. B. eine Vielzahl von Naturstoffen synthetisch zugänglich.

Die folgenden Forscherjahre waren überschattet von der schwierigen Finanzlage der 1930er Jahre. Es war nicht nur die mangelnde finanzielle Unterstützung der Universitätsforschung, die wir heute auch kennen, auch privat musste sich ein junger Dozent im Hochschuldienst bis zum äußersten einschränken.

Kurt Alder habilitierte sich 1930 für das Fach Chemie, 1934 erfolgte die Ernennung zum nichtbeamteten außerordentlichen Professor, ein Titel der keine weiteren Mittel mit sich brachte. Alder verließ nach Spannungen mit Otto Diels, die wegen der beengten Verhältnisse nicht zu vermeiden waren, 1936 Kiel, um eine Stelle als Abteilungsleiter im I.G.-Farben-Werk Leverkusen anzunehmen. Hier arbeitete er an der Entwicklung des synthetischen Kautschuks (Buna).

Als akademischer Lehrer wirkte er weiter an der Kölner Universität und wurde 1940 nach der Emeritierung von Professor Darapsky, dem ersten Kölner Ordinarius für Chemie nach der Wiedererrichtung der Universität, dessen Nachfolger. Während des Krieges war die Kölner Chemie nach Marburg ausgelagert. Nach der Rückkehr 1945 mussten zunächst die Bombenschäden am Augusten-Hospital am Kölner Südbahnhof, wo die Chemie bis 1975 untergebracht war, notdürftig repariert und unter freiwilligem Einsatz der damaligen Chemie- und Medizinstudenten eine neue Gasleitung gelegt werden, bevor der Lehr- und Forschungsbetrieb wieder aufgenommen werden konnte.

1950 kam dann die Nachricht aus Stockholm, dass das wissenschaftliche Lebenswerk von Diels und Alder die höchste wissenschaftliche Anerkennung, die Verleihung des Nobelpreises für Chemie, erfahren hatte. Äußerlichen Ehrungen ging Kurt Alder nach Möglichkeit aus dem Weg – sie störten ihn nur in seiner Arbeit. Gleichwohl hatte Alder in Anerkennung seiner Arbeit bereits 1938 die Emil-Fischer-Medailledes Verbands Deutscher Chemiker erhalten. Im gleichen Jahr war er Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina in Halle geworden. Die medizinische Fakultät der Universität Köln verlieh ihm 1950 den Ehrendoktor, und 1954 empfing er die Ehrendoktorwürde der Universität von Salamanca. 1955 wurde er korrespondierendes Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften.

Ebenso wenig wie an Ehrungen lag ihm an akademischen Ämtern, die damals noch eher Würde als – wie heute – Bürde waren. So lehnte er 1948 die Wahl zum Dekan der Fakultät ab, trat das Amt aber 1949/50 doch an; die Wahl zum rector magnificus 1955 nahm er indes nicht mehr an – er wusste wohl schon, wie die vielen Jahre ständiger Überforderung an seiner Gesundheit gezehrt hatten.

Kurt Alder veröffentlichte seine Untersuchungen in ungefähr 150 Abhandlungen, die hauptsächlich in Justus Liebigs Annalen der Chemie, in Berichte der Deutschen Chemischen Gesellschaft und in Angewandte Chemie veröffentlicht wurden.

Am 21. März 1958 schloss er die Ehe mit seiner langjährigen Gefährtin, Gertrud Bilzer, aber schon am 20. Juni 1958 verstarb er nach einem kurzen Krankenhausaufenthalt.

Alder und sein Werk blieben unvergessen: Die Stadt Köln hat nach ihm eine Straße benannt, die Universität den größten Hörsaal der Chemischen Institute. Ein Mondkrater erhielt 1979 zu seiner Ehre den Namen Alder-Krater. Zwei Insektizide, die über eine Diels-Alder-Reaktion hergestellt werden, tragen seinen und Diels Namen (Aldrin und Dieldrin). 1991 stiftete Kurt Alders Witwe testamentarisch den Kurt-Alder-Preis, der alljährlich an Studierende der Universität zu Köln für Arbeiten aus dem Bereich der Organischen Chemie verliehen wird.

Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Kurt_Alder

Bild: Kulturstiftung

Michael Ferber

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