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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Aust, Paul

Apotheker, Dichter, Maler, Grafiker

* 1866, 22.08.
Bad Reinerz/Grafschaft Glatz

† 1934, 04.09.
Hermsdorf/Kynast

Ein „stilles Leben / Mit Sonne und Seele und Schönheit umgeben“ lautete das Lebensmotto des Künstlers Paul Aust. Über 20 Jahre lang widmete er sich im dörflichen Hermsdorf unterm Kynast/Riesengebirge der künstlerischen Erfassung der schlesischen Gebirgswelt mit ihren speziellen Landschaftsstimmungen und ihrer dörflichen Architektur. Begleitend entstanden daneben einfühlsame Heimatgedichte, kleine Erzählungen und Lieder zur Laute. Austs Œuvre ist damit ein exemplarisches Beispiel für die Zeit des heimatverbundenen Kunstschaffens in den europäischen Künstlerkolonien.

Paul Aust war schon seit frühen Kindheitstagen mit der Bergwelt Schlesiens vertraut. Er wurde am 22. August 1866 in der Schlosserstraße in Bad Reinerz geboren und wuchs im Glatzer Bergland auf. Bereits als Student soll er gezeichnet haben, wenn auch vorerst nur zum Vergnügen. Beruflich wandte er sich zunächst den Naturwissenschaften zu und studierte an den Universitäten München und Erlangen Chemie, Physik, Mineralogie und Botanik. 1896 promovierte er in Erlangen mit einer Arbeit zum Thema Beiträge zur Kennt­nis der metamorphen Kalke des Fichtelgebirges.

Mit seiner Frau Maria, geb. Kappelt (6.11.1867-1945), die er 1895 im schlesischen Heidersdorf (Kreis Nimptsch) geheiratet hatte, und den am 8. Juli 1900 geborenen Zwillingen Irmingard und Brigitte ließ er sich 1901 in Ostritz (Oberlausitz) als Apotheker nieder. Die von Aust am 1. Oktober 1901 erworbene Stadt-Apotheke wechselte jedoch bereits am 2. Juli 1907 wieder den Besitzer, da Aust sich entschlossen hatte, fortan sein Leben der Kunst zu widmen.

Studien führten den Spätberufenen in den Jahren 1907 bis 1910 an die Kunstakademien in Dresden (Gustav Adolf Thamm, Max Pietschmann) und München. Darüber hinaus unternahm er Studienreisen durch Bayern und Tirol. 1910 erwarb Aust eine Villa in Hermsdorf unterm Kynast (heute: Sobieszów), Warmbrunner Straße 14, als dauerhaften Wohnsitz. Hier entwickelte er seine intensive künstlerische Tätigkeit, die nur durch das Erlebnis des Ersten Weltkriegs und den allgemeinen Mangel an Arbeitsmaterialien beeinträchtigt wurde.

Im Jahre 1921 trat Aust als Mitglied der Münchener Künstler-Genossenschaft mit acht großformatigen Radierungen auf der Großen Kunstausstellung im Münchner Glaspalast an die Öffentlichkeit. Später waren seine Werke vor allem auf Ausstellungen in Breslau, Hirschberg, Warmbrunn und Schreiberhau zu sehen. Austs Name blieb über die Jahre hinweg besonders eng mit der 1922 von ihm mitbegründeten „Vereinigung bildender Künstler St. Lukas“ in Ober-Schreiberhau verbunden, für deren Fortbestehen er sich auch in schwierigen Zeiten immer wieder einsetzte. Daneben engagierte er sich als Vorstandsmitglied seit dem 4. Februar 1925 für die von Cirillo dell’ Antonio geleitete Holzschnitzschule in Warmbrunn.

Einem breiteren Publikum wurden seine zahlreichen Bilder vom Riesen- und Isergebirge durch Kunstpostkarten bekannt, die der Kunstverlag Max Leipelt (Warmbrunn) und der Verlag Fritz Springer (Hirschberg-Cunnersdorf) nach seinen Zeichnungen und Druckgraphiken herausgaben. Darüber hinaus dienten seine Bilder als Illustrationen für Schulbücher sowie als Abbildungen in Zeitschriften wie Der Wanderer im Riesengebirge und Die Bergstadt.

Zum 60. Geburtstag 1926 richtete die Schreiberhauer Künstlervereinigung für Paul Aust eine Graphik-Ausstellung aus. 1931, vermutlich zum 65. Geburtstag, widmete ihm der Künstlerkollege Cirillo dell’ Antonio eine Bronze-Plakette mit Porträt. Nach Austs frühem Tod im Herbst 1934 veranstaltete die „Vereinigung bildenden Künstler St. Lukas“ im Februar 1935 in Schreiberhau eine Gedächtnisausstellung.

Austs Nachlass wurde von seiner ebenfalls künstlerisch begabten, in Warmbrunn, Breslau und Dresden ausgebildeten Tochter Irmingard († 14.9.1992) verwaltet, die bis 1946 künstlerische ebenfalls in Hermsdorf tätig war und seit 1952 mit ihrer Schwester Brigitte († November 1982) in Worms lebte. Werke von Paul Aust befinden sich heute in öffentlichen und privaten Sammlung in Deutschland, Polen und Tschechien, unter anderem im Breslauer Nationalmuseum, im Riesengebirgsmuseum in Hirschberg, im Museum für das Riesengebirge in Hohenelbe, im Schlesischen Museum zu Görlitz sowie in der Stiftung Kulturwerk Schlesien (Würzburg).

Lit. (Auswahl): Ausstellungkatalog „Münchener Kunstausstellung 1921 im Glaspalast, 15. Juni bis 30. Sept.“, München, 1921, Katalog-Nr. 23-30. – Martin Wilm, Paul Aust als Maler und Radierer, in: Der Wanderer im Riesengebirge, 45. Jg., 1925, Nr. 3, S. 41-45. – Bruno Kraemer, Paul Aust ein Lyriker der Graphik, in: Der Wanderer im Riesengebirge, 47. Jg., 1927, Nr. 6, S. 81f. – Schlesisches Lesebuch, 2. Band, Mein Schlesierland, Drittes und viertes Schuljahr, herausgegeben vom katholischen Lehrerverband des Deutschen Reiches und der Verein katholischer Deutscher Lehrerinnen, Heimatbilder von Dr. Paul Aust, Dortmund o. J. – W. D., Paul Aust †, in: Der Wanderer im Riesengebirge, 54. Jg., 1934, Nr. 10, S. 169. – Paul Aust zum Gedächtnis, in: Der Wanderer im Riesengebirge, 55. Jg., 1935, Nr. 3, S. 47f. – Rainer Sachs, Lexikon der bildenden Künstler und Kunsthandwerker Schlesiens bis 1945, Bd. 1 A-B, Breslau 2001, S. 142-144. – Tilo Böhmer, Vom Ostritzer Apotheker zum Maler des Riesengebirges, in: Oberlausitzer Hausbuch 2006, Bautzen 2005. – Schlesische Gebirgslandschaften in Radierungen. Kulturwerk Schlesien zeigt Gedächtnisausstellung zum 75. Geburtstag von Paul Aust (1866-1934), in: Schlesischer Kulturspiegel, 44. Jg., 2009, Nr. 4, S. 78. – Katarzyna Kułakowska, Aust, Paul, https://jbc.jelenia-gora.pl/Content/ 6202/aust_paul.html (Zugriff vom 4.5.2017). – Gisela Mehnert-Geß /Ullrich Junker (Hrsg.), Dr. Paul Aust 1866-1934, Bodnegg 2010, https://jbc.jelenia-gora.pl/Content/5155/Aust_Buch.pdf (Zugriff vom 4.5.2017).

Bild: Paul Aust: Selbstbildnis, undatiert, aquarellierte Bleistiftzeichnung, unsigniert, Schlesisches Museum zu Görlitz.

Johanna Brade, 2017

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