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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Bader, Werner

Journalist, Buchautor

* 1922, 02.03.
Haidemühl/ Niederlausitz


Als jüngster von drei Brüdern wurde Werner Bader in Haide­mühl bei Spremberg in der Niederlausitz geboren, wo sein Vater als Wiegemeister in der Brickettfabrik arbeitete. Er war wiederum der Sohn eines Bauern aus Christophswalde bei Landsberg an der Warthe (dem Geburtsort 1929 der DDR-Schriftstellerin Christa Wolf), das in jenem Drittel Brandenburgs lag, das heute zu Polen gehört. In der Kleinstadt Drossen bei Frankfurt an der Oder besuchte er, mit einem Stipendium versehen, die Staatliche Oberschule und legte dort 1941 das Abitur ab. Sofort danach, es war im zweiten Kriegsjahr, wurde er zur Luftwaffe eingezogen und flog vier Jahre als Pilot Einsätze in einem Sturzkampfgeschwader (Ju 88).

Nach Kriegsende und kurzer amerikanischer Gefangenschaft nahm er im Jahr 1946 ein Studium der Geschichte, Zeitungswissenschaft und Slawistik an der Friedrich-Wilhelms-Univer­sität in Berlin auf, die von den Kommunisten 1946 in Humboldt-Universität umbenannt wurde, 1948 wechselte er zur neugegründeten Freien Universität in Berlin-Dahlem. Aber als leidenschaftlicher Journalist, der in die Praxis drängte, war er schon als Student nebenberuflich tätig, so arbeitete er 1946/47 bei der Berliner Tageszeitung Kurier, einem Blatt, das von der französischen Besatzungsmacht lizenziert war und für das er als Beobachter und Berichterstatter am SED-Gründungs­par­teitag (21./22. April 1946) im Ostberliner Admiralspalast teilnahm. Zwei Jahre später (1948/49) leitete er das Berliner Büro des bis heute erscheinenden Nachrichtenmagazins Der Spiegel. Im Jahr der Gründung beider deutscher Nachkriegsstaaten 1949 in Bonn und in Ost-Berlin wurde er Redakteur der Berliner Ausgabe (1947/55) der von den Amerikanern gegründeten Neuen Zeitung, wo er vier Jahre blieb, um 1953, dem Jahr des Aufstands vom 17. Juni, zum Nordwestdeutschen Rundfunk (NWDR) zu wechseln, dem Vorläufer des Senders Freies Berlin (SFB), wo er bis 1957 arbeitete. Danach verließ er Berlin und wurde 1958 in Köln „Chef vom Dienst“ in der Nachrichtenredaktion der Deutschen Welle, zehn Jahre später wurde er zum Leiter des „Deutschen Programms“ berufen, das er selbst aufgebaut hatte und das den Titel trug Rund um die Welt und um die Uhr über fünf Kontinente und sieben Meere. In dieser Position blieb er bis zum Eintritt ins Rentenalter 1987.

Von dieser Kölner Position aus entfaltete Werner Bader, der immer neue Möglichkeiten entdeckte, kulturpolitisch tätig zu werden, eine Fülle von Aktivitäten. So wurde er 1973 Mitbegründer und Präsident der Internationalen Assoziation deutschsprachiger Medien (IADM) und schuf 1977 in Solingen die heute noch existierende Zentralstelle für den deutschen Chorgesang in der Welt. Auch in seiner Landsmannschaft Berlin- Mark Brandenburg wurde er aktiv, seitdem er 1985 Bundessprecher geworden war (mit der längsten Amtszeit von über 15 Jahren) und Vorsitzender des Stiftungsrats der Stiftung Brandenburg; leider musste er beide Posten, in denen er schier Unglaubliches geleistet hatte wie 1998 die Eröffnung des von ihm geschaffenen Hauses Brandenburg in Fürstenwalde/Spree, 1999 wegen Kontroversen innerhalb der Landsmannschaft aufgeben.

Aktivitäten entwickelte er aber auch in der Bonner Stiftung Ostdeutscher Kulturrat, deren Vorstand er von 1972 bis 2005 angehörte und die ihren Sitz bis 2012 in der Kaiserstraße 113 hatte. Hier war er verantwortlich, als zweiter Journalist im Vorstand neben dem Vorsitzenden Dr. Herbert Hupka (1915-2006), als verantwortlicher Juror zunächst für den Erzählerwettbewerb und dann für den Medienpreis.

Dass er auch Autor von elf Büchern ist, wird oft übersehen! Da-runter sind auch drei höchst beachtenswerte wie das über die „märkische Nationalhymne“ entstandene Buch Steige hoch, du roter Adler. Welthits aus märkischem Sand (1988), worin er die Entstehung des weithin beliebten Liedes beschrieb, das der Wan-dervogel Gustav Büchsenschütz (1902-1996) in der Jugendherberge Wolfslake bei Berlin 1923 gedichtet und komponiert hatte. Das Buch verzeichnete mehrere Auflagen, die nach der ersten mit einem Vorwort Manfred Stolpes, des ehem. Ministerpräsidenten des Bundeslandes Brandenburg 1990/2002, versehen wa-ren. Das nächste Buch Pionier Klinke. Tat und Legende (1992) war den aus der preußischen Niederlausitz stammenden Soldaten gewidmet, die am 18. April 1864 im deutsch-dänischen Krieg an der Erstürmung der Düppelner Schanzen beteiligt waren. Im dritten Buch Der Teufelsaktuar von Spremberg. Die Abenteuer und Liebe des legendären Räuberhauptmanns Lauermann (1997) behandelte er einen Stoff aus der näheren Heimat.

Seit 1997 lebt er im Bredow-Dorf Görne im Havelland, das mit dem Ortsteil Kleßen zusammen nur knapp 400 Einwohner hat. Hierher ist er aus der pulsierenden Großstadt Köln mit seiner Frau Karin, die auch Journalistin war, gezogen. Nach dem Tod seiner Frau 2002 hat er sich freilich nicht in seiner märkischen Einsamkeit vergraben, sondern ist trotz seines hohen Alters erstaunlich betriebsam geblieben. So hat er mit dem Landrat Burkhard Schröder des Landkreises Havelland erreicht, dass im Nachbardorf Ribbeck, das durch Theodor Fontanes Gedicht Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland (1889) bekannt geworden ist, von jedem der 16 Bundesländer ein Birnbaum gepflanzt wurde. Dieser „Deutsche Birnengarten“ im Rib­becker Schlosspark wird ihn überleben und von seiner schöpferischen Unrast in hohem Alter zeugen! In Görne hat er zudem ein Fontane-Denkmal errichten lassen, das einzige übrigens in einem märkischen Dorf!

Aber noch immer hat er sich nicht untätig aufs Altenteil zurückgezogen! Was ihn zurzeit umtreibt, ist die Märkische Dichterstraße. Mit diesem Unternehmen, wozu er eine Reihe von Städten und Dörfern in Brandenburg angeschrieben hat, möchte er auf die reiche Literaturlandschaft Brandenburgs aufmerksam machen, zu deren bedeutendsten Vertretern immerhin Heinrich von Kleist (1777-1811), Willibald Alexis (1798-1871) und Theodor Fontane (1819-1898) gehören. Inzwischen hat er 142 Autoren ermittelt und 741 Bände märkischer Literatur gesammelt, die man im „Grafenstall“ seines Anwesens in Görne besichtigen kann. Er lebt ja, was ihm offensichtlich Verpflichtung ist, auf dem einstigen Wirtschaftshof des Grafen Friedrich Ludwig Wilhelm von Bredow (1763-1820), der aus einem urpreußischen Geschlecht stammte und über welchen der schlesische Autor Willibald Alexis den „vaterländischen Roman“ mit dem Titel Die Hosen des Herrn von Bredow (1846) geschrieben hat.

Wenn man Werner Baders langes Leben überblickt, dann staunt man, was er alles durchgemacht und glücklich überstanden hat, zum Beispiel die Jahre als Sturzkampfbomberpilot mit zwei Abstürzen. Dazu gehören auch die Festnahme durch die Amerikaner 1945, als er fröhlich mit dem Fahrrad bei Sangerhausen auf der Autobahn fuhr, und die Mitteilung auf einem Blatt in seiner Stasi-Akte „Die Entführung des Werner Bader“. Er soll­te nämlich 1952 nach Ost-Berlin gelockt und am Walter-Ul­bricht-Stadion verhaftet werden. Nun wartet man ungeduldig auf seine Autobiografie, mit seinem noch unveröffentlichten Essay Angekommen (in Görne) hat er längst einen Anfang gemacht.

Dass sein öffentliches Wirken nicht unbemerkt blieb, verstand sich von selbst! So hat er in seinem langen Leben insgesamt 34 Orden und Auszeichnungen bekommen, darunter auch zwei polnische. Darunter sind nicht nur die Goldene Ehrennadel der Landsmannschaft Berlin-Mark Brandenburg (1973) und die Goldene Ehrennadel des Bundes der Vertriebenen (2008), sondern auch das Bundesverdienstkreuz am Bande (1982), das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse (1987), das Große Bundesverdienstkreuz (1993) und das Große Bundesverdienstkreuz mit Stern (2012).

Bild: Archiv der Kulturstiftung.

Jörg Bernhard Bilke

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