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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Bardt, Carl

Pädagoge, klassischer Philologe

* 1843, 30.11.
Lubosch

† 1915, 17.07.
Berlin

Die Familie soll aus Wolgast in Vorpommern stammen. In alten Urkunden wird der Name wurde auch Bahrd oder Barth geschrieben. Die Familie führte ein Wappen, das eine Hand zeigte, die einen Fisch hält. Damit ähnelt das Familienwappen auffallend dem der vorpommerschen Stadt Barth, die als Herkunft vermutet wurde. Genauso ist es aber auch denkbar, dass man bei der Annahme des Familienwappens wegen der Namensähnlichkeit auf das Stadtwappen zurückgriff.

Seit der 2. Teilung Polens (1795), als das Posener Land, die damalige Wojewodschaft Wielkopolska, zu Preußen kam, waren Mitglieder der Familie Bardt als Kaufleute und Handwerker in Posen vertreten.

Einer von ihnen war Georg Carl Daniel Bardt (1790-1868) aus Potsdam. Carl Bardt hatte eine Ausbildung zum Kaufmann absolviert und arbeitete als Holzhändler bei der Firma Beyme in Hamburg. Die damals geknüpften Kontakte überdauerten die Generationen und Provinzen, denn Vertreter der ursprünglich aus Stade stammenden, später geadelten Familie Beyme wurden ebenfalls in der Provinz Posen ansässig. Der Sohn des Direktors des Königlich Preußischen Holzkontors in Hamburg Friedrich Beyme (1754-1832), Franz Friedrich Beyme (1793-1876), erwarb eine größere Anzahl von Gütern im Kreis Neutomischel (Nowy Tomyśl) und seinem Nachbarkreis Grätz (Grodzisk Wlkp.). Noch sein Sohn Franz Beyme (1828-1901) war mit der Familie Bardt befreundet und half ihr beim frühen Tod des Gutsherrn als Verwalter.

Carl Bardt erwarb 1828 von der Preußischen Witwen- und Wai­senkasse das Posener Gut Lubosch (Lubosz, Kr. Birnbaum) mit den Vorwerken Augustowo und dem später nach ihm benannten Carlshof. Seit 1833 lebte er mit seiner Frau Caroline Dorothea Auguste Lubenau und den Kindern hier und gab den Holzhandel auf. Später kaufte er noch das Gut Niemierschewo (Niemierzewo, Kr. Birnbaum) mit Josefowo dazu. Aufgrund seiner Ausbildung spezialisierte er die Ausrichtung des etwa 3.000 Hektar großen Gutes auf der Holzproduktion.

Das Dorf Lubosch wird erstmals im 16. Jahrhundert erwähnt. Hier befand sich nicht nur ein Gut, sondern auch eine katholische Kirche, und der Grundherr war zugleich Kirchenpatron. Obwohl die Familie Bardt evangelisch war, waren sie hier als Patron zuständig.

Das Gut gehörte bis kurz vor dem Erwerb des Landes durch Carl Bardt polnischen Adeligen. Seit dem 16. Jahrhundert wer­den hier die Familien v. Ostroróg, v. Świniarski, v. Kalinkows­ki und v. Bniński als Eigentümer erwähnt. Von 1828 bis 1945 war das Gut dann im Besitz der Familie Bardt. Die Nationalsozialisten benannten den slawisch klingenden Ortsnamen nach dem damaligen Gutsbesitzer Hans-Jürgen Bardt (1901-1980) in Bardtensee um.

Carl Bardt Senior hatte 1826 die elf Jahre jüngere Dorothea Lubenau in der evangelischen Kreuz-Kirche in Posen geheiratet. Sein ältester Sohn war Hugo Bardt (1829-1873), der die väterlichen Güter erbte und die Posener Linie weiterführte. Seine Frau, Anna Bardt (1842-1918), war eine Verwandte. Ihr Vater, August Bardt (* ca. 1798), war Rittergutsbesitzer in Chrzas­­towo (Chrzastowo, Kr. Schrimm).

Der jüngste Sohn Andreas Georg Wilhelm Carl Bardt von seiner zweiten Frau, Ida Neumann, wurde am 30. November 1843 in Lubosch geboren. Carl junior wuchs auf dem elterlichen Rittergut auf und erhielt vermutlich Privatunterricht, wie es damals bei Gutsbesitzern üblich war. Mit elf Jahren schickte ihn der Vater zum Maria-Magdalena-Gymnasium nach Breslau (Wrocław), wo er eine fundierte humanistische Ausbildung er­hielt und seine Liebe für das klassische Altertum entwickelte. Zu seinen Schulkameraden gehörte der spätere Pathologe Carl Weigert (1845-1904), mit dem er 1862 das Abitur ablegte.

Anschließend begann Carl Bardt das Studium der klassischen Philologie, das ihn für das höhere Lehramt befähigte. Er studierte u.a. bei den noch heute berühmten Historikern Theodor Mommsen (1817-1903) und Johann Gustav Droysen (1808-1884). Seine Dissertation Quaestiones Tullianae widmete er Mommsen. Am 4. Juni 1866 promovierte er zum Dr. phil. an der Berliner Universität.

Bardts Lehrerpersonalakte vermerkt nur lapidar, dass er „nicht gedient“ hat, d.h. er wurde nicht Soldat, obwohl es für angehende Akademiker ohnehin eine verkürzte Militärdienstpflicht gar, das sogenannte Einjährige, verbunden mit dem Privileg, Offizier werden zu können.

Carl Bardt absolvierte am 6. August 1867 in Berlin die sogenannte Oberlehrerprüfung, das Examen pro facultate docendi, für Latein, Griechisch, Geographie und Deutsch, und trat in den Staatsdienst ein. Zu Michaelis 1868 wurde er am Berliner Wilhelms-Gymnasium vereidigt.

Sein Seminarjahr und Probejahr absolvierte er seit Michaelis 1867 am Wilhelm-Gymnasium, wo er bereits zum 1. Oktober 1868 nach seiner Vereidigung als ordentlicher Lehrer angestellt wurde und damit die Stufe des wissenschaftlichen Hilfslehrers übersprang. Am 1. April 1874 erfolgte seine Ernennung zum Oberlehrer.

In dieser Zeit heiratete Carl Bardt Luise Aldenhoven († 1900). Angaben über Kinder des Ehepaars sind nicht zu finden.

Carl Bardt schrieb zahlreiche historische und lateinische Beiträge zur alten Geschichte in Schulprogrammen und profilierte sich für höhere Ämter. Am 23. August 1877 wurde er zum Gymnasialdirektor ernannt und Direktor des Gymnasiums in Neuwied in der preußischen Provinz Rheinland. Zu Pfingsten 1881 wechselte er in gleicher Position nach Elberfeld (später Ortsteil von Wuppertal).

Am 1. April 1887 ging Bardt als Direktor an das Joachimsthalscher Gymnasium in Berlin. Er genoss auch hier den Ruf eines guten Pädagogen und war ein erfolgreicher Schulleiter. Zweiundzwanzig Jahre leitete er die angesehene Berliner Traditionsschule. Nebenher war er noch als klassischer Philologe wissenschaftlich tätig, aber er konnte nur einen Teil seiner Arbeiten veröffentlichen.

Die Verleihung des Titels eines Gymnasialprofessors, der oft mit der Ernennung zum Rat IV. Klasse verbunden war, hat er in seiner rasanten Karriere übersprungen. Am 10. Juni 1907 wurde ihm der Titel eines Geheimen Regierungsrats verliehen.

Im gleichen Sommer 1897 wurde ihm die Denkmünze auf Kaiser Wilhelm I. verliehen. Zwei Jahre später, am 15. Januar 1899, erhielt er den Roten Adler-Orden IV. Klasse und am 21. Januar 1906 den Hohenzollerschen Hausorden. Im Jahr 1909 wurde Bardt pensioniert.

Lit.: Dies und Das, in: Aus dem Posener Lande, Lissa 1915, S. 34. – Personalbögen der höheren Lehrerschaft in Preußen, digitalisiert auf der Internetseite https://www.bbf.dipf.de/hans.html. – Jonas Flöter, Eliten-Bildung in Sachsen und Preußen. Die Fürsten- und Landesschulen Grimma, Meißen, Joachimsthal und Pforta (1868-1933), Köln 2009, 596 S. – Klaus Günther Loeben, Bardt, Karl, in: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 1, Berlin 1953, S. 586 f. – Hans Freiherr v. Rosen, Saat und Ernte. Lebensbilder Posener deutscher Landwirte. Hameln 1978.

Bild: Die Sermonen des Q. Horatius Flaccus. Deutsch von Carl Bardt, Dritte vermehrte Auflage,Weidmannsche Buchhandlung 1907.

Martin Sprungala, 2017

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