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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Bartsch, Karl

Germanist, Romanist

* 1832, 25.02.
Sprottau/Schlesien

† 1888, 19.02.
Heidelberg

Als Sohn eines preußischen Offiziers und Steuereinnehmers in Niederschlesien geboren, studierte Bartsch in Breslau, Berlin und Halle, wo er 1853 zum Dr. phil. promovierte. Die Laufbahn des großen Philologen begann 1855 mit der Stelle des Kustos am Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg, ihr folgte 1858 die Professur in Rostock, wo er noch im selben Jahr das erste germanistische Seminar an einer deutschen Universität begründete und zugleich seinen Ruf als kritischer Herausgeber altdeutscher und altfranzösischer Dichtungen. 1871 ging Bartsch als Professor nach Heidelberg, auf den Lehrstuhl, den er bis zu seinem Tode 1888 innehatte. Zu seinen bedeutenden editorischen und textkritischen Leistungen gehören u. a. die bahnbrechenden Untersuchungen über das Nibelungenlied (1865), Wolframs Parzival und Titurel (1870); Das Nibelungenlied, 3 Bde. (1870-1880); Walther von der Vogelweide (1875); Romantiker und germanistische Studien in Heidelberg 1804-1808 (1881); Gesammelte Vorträge und Aufsätze (1883); Beiträge zur Quellenkunde der altdeutschen Literatur (1886). Erwähnt werden muß ferner die von ihm 1869-1877 geleitete und zu hoher Blüte geführte germanistische Zeitschrift „Germania“. Er übersetzte das Nibelungenlied, bearbeitete die Literaturgeschichten von Koberstein und Gervinus und begründete die Sammlung „Deutsche Dichtungen des Mittelalters“. Unter seinen romanistischen Schriften sind besonders hervorzuheben: Altfranzösische Romanzen und Pastourellen (1870) und sein Grundriß zur Geschichte der provenzalischen Literatur (1872).

Lit.: R. Bechstein, F. Neumann u. K.J. Schröer in: Germania, Bd. 33 (1888), dort auch Bibliogr. v. G. Ehrismann; Fr. Meyer v. Waldeck in: Münchener Allg. Ztg. 1888, Beilage 71-83; Allgemeine Deutsche Biographie Bd. 47 (1903), S. 749 ff.; Neue Deutsche Biographie, Bd. l, S. 613.

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