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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Bayern, Friedrich

Naturforscher, Archäologe

* 1817, 20.10.
Kronstadt/Siebenbürgen

† 1886, 04.03.
Tiflis

Friedrich Bayern gehört zu den verdienstvollen siebenbürgischen Forscherpersönlichkeiten des 19. Jahrhunderts, die außerhalb Ihrer Heimat zu Ruhm und Anerkennung gelangten. Seine umfangreichen naturwissenschaftlichen Sammlungen er­möglichten die Gründung des kaukasischen Museums in Tiflis. Ab 1864 widmete er sich hier vorrangig archäologischen Untersuchungen und wurde durch seine erfolgreiche Tätigkeit auf diesem Gebiet zum Begründer der prähistorischen Forschung im Kaukasus und Araratgebiet.

Friedrich Bayern (Bayer) wurde als Sohn des Riemers Samuel Bayer in Kronstadt geboren. Hier besuchte er die Volks- und die Realschule. Als Realschüler wurde er von seinen Lehrern Hiemesch und Wolf in die Technik des Sammelns und Präparierens von Insekten, Pflanzen, Mineralen und Gesteinen eingeführt. 1834 begann er seine Ausbildung zum Kaufmann, die er 1838 in Kronstadt mit der Kaufmanns-Prüfung abschloss. Danach war er als solcher in Hermannstadt und ab 1839 in Bukarest tätig. Ab 1842 war er hier Privatlehrer. Seinem Forschungsdrang folgend, entschloss er sich im Januar 1845, eine Reise nach Russland anzutreten. In Odessa, wo er zur Sicherung seines Lebensunterhaltes als Sprachlehrer wirkte, begann er auch seine Sammlungs- und Forschungstätigkeit gemeinsam mit dem Anatomen Nordmann. Durch diesen lernte er den Grafen Mnischek kennen, der Bayern beauftragte auf einer von ihm finanzierten Expedition, Käfer im Kaukasus und Ararat­gebiet zu sammeln. Im April 1849 begann Bayern seine Sammelreise und kehrte im Herbst dieses Jahres mit reichen Sammlungen nach Odessa zurück. Von diesem Gebiet fasziniert, übersiedelte er 1850 nach Tiflis. Im Herbst 1851 kam der Naturforscher Hermann Abich nach Tiflis, der Bayern kennen lernte und als Forschungsreisenden einer Gesellschaft empfahl, die in Tiflis ein Museum einrichten wollte. Gemeinsam wurde vereinbart, dass Bayern auf Kosten der Gesellschaft eine Sammelreise durchführen und mit den mitgebrachten Sammlungen das neue Museum einrichten sollte. Im Sommer 1852 trat Bayern diese Reise an und kam im Herbst mit umfangreichen Sammlungen nach Tiflis zurück. Zwar konnte die Gesellschaft mit seinen Sammlungen das neue Museum einrichten, aber die Auszahlung des vereinbarten Honorars wurde ihm verweigert, was ihn tief enttäuschte. 1859 erhielt Bayern durch die Vermittlung von Abich eine Stelle als Konservator am Museum der Geographischen Gesellschaft Tiflis. Im Auftrag von dieser führte er eine Forschungsreise nach Armenien durch, während der er am Ararat wertvolle prähistorische Funde machte. Seine großen naturwissenschaftlichen Sammlungen (Insekten- und Gesteinssammlungen, Herbarien) hat er teils dem kaukasischen Museum in Tiflis geschenkt, größtenteils wurden ihm diese, während seinen Forschungsreisen in den Jahren 1863/64, vom Museum einfach weggenommen. Allein der Katalog seiner Käfer­sammlung in Tiflis wies damals 28.000 Käfer nach. Teile seiner Sammlungen befinden sich auch in Privatsammlungen und in Museen in Moskau, Petersburg und Wien.

Erst als er 1864 beschloss, sich fortan nur noch der Archäologie der Kaukasusländer zu widmen, wurde Bayern über die Grenzen Russlands hinaus bekannt. Schon zu jener Zeit war er der beste Kenner der ethnographischen und prähistorischen Verhältnisse des Kaukasus und des Araratgebietes. Der französische Archäologe Ernest Chantre schreibt diesbezüglich: „Kei­ner, der irgendwelche Forschungen in diesen Ländern vor­nehmen wollte, konnte seinen Rat entbehren, am allerwenigsten auf archäologischem Gebiet“. Auf seinen zahlreichen Forschungsreisen hat er viele Grabstätten entdeckt und an deren Ausgrabungen mitgewirkt. Aus einem von ihm in Tiflis gegründeten Freundeskreis ging die Gesellschaft der Altertumsforscher des Kaukasus hervor und somit wurde Bayern zum Begründer der prähistorischen Forschung im Kaukasus und Araratgebiet. Diese Gesellschaft gründete ein Museum, dessen Verwalter er wurde. Auf Kosten dieser Gesellschaft unternahm er Grabungen, deren Ergebnisse zahlreiche Forscher in den Kaukasus lockten, zu denen auch der Berliner Pathologe Rudolf Virchow gehörte. Bei gemeinsamen Ausgrabungen auf den Totenfeldern von Mzchet (Samthavro) und Marienfeld (Sar­taschli) lernte Virchow ihn persönlich kennen und schätzen. Dieser schreibt diesbezüglich: „Man kann ohne Übertreibung von ihm sagen, dass er, ein lebendes Inventar der kaukasischen Altertümer, alle nennenswerten Tatsachen in seiner Erinnerung bewahrte“. Ernest Chantre schreibt 1881 über Bayern: „Während der gemeinsamen Fahrten und Grabungen lernte ich sein umfangreiches Wissen und seinen lauteren Charakter kennen. Damals verwandelte sich meine Bewunderung für den gewissenhaften, ausdauernden, wahrhaft vielseitigen Gelehrten, in aufrichtigste Zuneigung für den selbstlosen Menschen“.

Bayern war korrespondierendes Mitglied der Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte und Mitglied mehrerer wissenschaftlicher Gesellschaften. Über seine Forschungsergebnisse sind 17 Veröffentlichungen im Druck erschienen. Für seine außergewöhnlichen Verdienste ist er wiederholt ausgezeichnet worden. 1862 erhielt er das Kaukasische Kreuz, in den Jahren 1864-1870 Medaillen der Ausstellungen in Moskau, Tiflis, Paris und Petersburg. Während der Weltausstellung 1873 in Wien wurde ihm von der österreichischen Regierung der Franz Josef-Orden verliehen. Zu den bedeutenden Persönlichkeiten mit denen Bayern in engerer Verbindung stand, gehörte auch die Schriftstellerin Bertha von Suttner.

Im Alter erkrankt, wurde er von seiner Schwester Luise, die ihm von Kronstadt nach Tiflis gefolgt war, betreut und gepflegt. Schon fast erblindet, starb Bayern in Tiflis am 4. März 1886.

Lit.: R. Virchow, Nachruf auf Friedrich Bayern, in: Ztschr. Ethnol. 18 (1886), S. 189-192. – A. Hermann, Friedrich Bayern, der Begründer der prähistorischen Kaukasusforschung, in: Schule und Leben 4 (1922/23), Kronstadt, S. 97-104. – H. Heltmann, Friedrich Bayern (1817-1886). Ein Kronstädter als Forscher im Kaukasus, in: Neue Kronst. Ztg. 5, Fge. 2 (1989), S. 5. – H. A. Hienz, Bayern (Bayer), Friedrich, SSL, V (1995), A-C, S. 88-93.

Heinz Heltmann

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