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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Bednarz, Klaus

Journalist, Reporter

* 1942, 06.06.
Falkensee/Havelland

† 2015, 14.04.
Schwerin

Die Leser seiner Bücher und die Betrachter seine Filme haben Klaus Bednarz immer für einen echten Ostpreußen gehalten, so gut kannte er sich aus in dieser deutschen Provinz, die nach dem 1945 verlorenen Krieg zwischen Polen und Russland auf­geteilt worden war.

Geboren wurde er aber in der Stadt Falkensee im Havelland, wohin seinen Eltern vor seiner Geburt aus Ukta in Masuren umgezogen waren. Hier besuchte er auch Volksschule und Oberschule, bevor die Familie 1955 über Westberlin nach Hamburg floh, wo er 1961 das Abitur ablegte. In Hamburg, Wien und Moskau studierte er dann Theaterwissenschaft, Slawistik und Osteuropäische Geschichte und wurde 1969 in Wien mit einer Arbeit über den russischen Schriftsteller Anton Tschechow (1860-1904) promoviert.

Damals wollte er eigentlich noch Schauspieler werden, bewarb sich dann aber bei der ARD, wurde Auslandskorrespondent in Warschau (1971/77) und Leiter des ARD-Studios in Moskau (1977/1982). Im Jahr 1982/83 moderierte er vorübergehend die ARD-Tagesthemen und wurde im Dezember 1983 zum Redaktionsleiter und Moderator des WDR-Magazins MONITOR ernannt, eine Tätigkeit, die er 18 Jahre lang verantwortete und dabei 1.500 Beiträge produzierte. Von 2002 bis zur Pensionierung 2007 war Klaus Bednarz im WDR Sonderkorrespondent und Chefreporter. In seinen Reportagen und Buchveröffentlichungen beschäftigte er sich vornehmlich mit Osteuropa und Zentralasien und mit Ostmitteleuropa, darunter besonders mit Ostpreußen, der Heimat seiner Großeltern. Deshalb wurde er auch, wie die Hamburger Illustrierte STERN vom 8. Mai 2007 berichtete, vom Ostberliner Ministerium für Staatssicherheit obser­viert.

Er starb am Abend des 14. April 2015 in Schwerin, der Landeshauptstadt Mecklenburg-Vorpommerns, nach schwerer Krank­heit. Den vertriebenen Ostpreußen wird er wegen seiner beiden Filme Ermland und Masuren und Königsberg und Kurische Nehrung im Gedächtnis bleiben, die er später in seinem Buch Fernes, nahes Land (1995) verarbeitet hat.

Werke: Das alte Moskau 1880-1920, Luzern 1979. – Warum haben wir aufeinander geschossen? Heinrich Böll und Lew Kopelew im Gespräch mit Klaus Bednarz, Bornheim-Merten 1981. – Masuren, Hamburg 1984. – Mein Moskau. Notizen aus der Sowjetunion, Hamburg 1985. – Russland. Ein Volk sucht seine Zukunft, Hamburg 1992. – Fernes, nahes Land. Begegnungen in Ostpreußen, Hamburg 1995. – Die Ballade vom Baikalsee, München/Wien 1998. – Östlich der Sonne. Vom Baikalsee nach Alaska, Reinbek 2002. – Am Ende der Welt. Reise durch Feuerland und Patagonien, Reinbek 2004. – Mein Russland. Literarische Streifzüge durch ein weites Land, Reinbek 2006. – Das Kreuz des Nordens. Reise durch Karelien, Berlin 2007. – Ferne und Nähe. Aus meinem Journalistenleben. Reportagen, Reden, Kommentare und andere Texte aus vier Jahrzehnten, Reinbek 2009.

Bild: Cover „Fernes, nahes Land“, rowohlt digitalbuch.

Jörg Bernhard Bilke, 2017

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