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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Behl, Carl Friedrich Wilhelm

Landesgerichtspräsident, Schriftsteller

* 1889, 03.03.
Berlin

† 1968, 26.02.
München

Nach dem Besuch des Askanischen Gymnasiums (1895-1907) studierte er Rechtswissenschaften, daneben aber auch Literatur- und Kunstgeschichte. Seit 1910 war er als Jurist im Staatsdienst tätig; unter Stresemann arbeitete er im Auswärtigen Amt. Er war der deutsche Vertreter im deutsch-englischen Schiedsgerichtshof in London, später Leiter der Schund- und Schmutz-Prüfstelle in Berlin und der Theater- und Kulturabteilung des Berliner Polizeipräsidiums. 1933 wurde er aus allen seinen Ämtern entlassen. Nach dem Zweiten Weltkrieg war er als Landgerichtspräsident in Schweinfurt tätig. Nach seiner Pensionierung zog er nach München.

1913 lernte Behl Gerhart Hauptmann kennen. Aus dieser Begegnung entwickelte sich eine Beziehung, die bis zum Tode des großen schlesischen Dichters andauerte. Als aus Anlaß des 80. Geburtstages von G. Hauptmann eine Werkausgabe „letzter Hand” geplant wurde, beauftragte Peter Suhrkamp, der damalige Leiter des S. Fischer Verlags, Behl mit der Gesamtredaktion. Am 7. November 1942, dem 80. Geburtstag, überreichten P. Suhrkamp und Behl dem Dichter die ersten Exemplare der Ausgabe, zu der Hauptmann sagte: „Dies ist die zentrale Geburtstagsfeier, mein eigentliches Geburtstagsgeschenk.” In der Zeit der Arbeit an der Ausgabe lebte Behl bei G. Hauptmann. Er führte über diese Zeit ein Tagebuch, in dem er über den Dichter und seine Arbeit berichtet. Diese Aufzeichnungen sind nicht zuletzt wegen der vielen Äußerungen von Hauptmann über sein Schaffen, sein Leben und seine Begegnungen mit Persönlichkeiten eine wichtige Quelle geworden. Man kann sie – mutatis mutandis – mit Eckermanns „Gespräche mit Goethe” vergleichen. Als im Frühjahr 1945 die Rote Armee sich Schlesien näherte, verbrachte Behl zusammen mit Erich Ebermayer das Hauptmann-Archiv in die Oberpfalz und bewahrte es so vor einer möglichen Gefährdung durch die Kriegswirren.

Behl schrieb neben weiteren zahlreichen Veröffentlichungen über G. Hauptmann auch Gedichte und Dramen. Seine umfangreiche, in jahrzehntelanger Arbeit aufgebaute Gerhart-Hauptmann-Sammlung wurde vom Deutschen Literaturarchiv in Marbach a. N. erworben.

Werke (Auswahl): (Herausgeber:) Gerhart Hauptmann: Das Gesammelte Werk. Ausgabe letzter Hand zum 80. Geburtstag des Dichters am 15. November 1942. Erste Abteilung. Band 1-17. Berlin 1942; Wege zu Gerhart Hauptmann. Goslar (1948); Zwiesprache mit Gerhart Hauptmann. Tagebuchblätter. München (1949); Chronik von Gerhart Hauptmanns Leben und Schaffen. München 1957 (mit Felix A. Voigt); Aufsätze, Briefe, Tagebuchnotizen. Autobiographisches und Biographisches zu Gerhart Hauptmann. Herausgegeben von Klaus Hildebrandt. (München 1981).

Lit.: Gerhart Hauptmann. Leben und Werk (Ausstellungskatalog). Marbach a. N. 1962; Külz, H. R.: Schicksale eines Dichternachlasses. In: Jahrbuch Preußischer Kulturbesitz. (Köln, Berlin). VI (1969), S. 41-55; Schodrok, K.: C.F.W. Behl zum Gedenken. In: Schlesien. (1968), Heft II, S. 117-120.

Harro Kieser

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