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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Bieber-Böhm, Hanna Elmire Flora

Malerin, Vorkämpferin der Frauenbewegung

* 1851, 06.02.
Glaubitten, Kr. Rastenburg

† 1910, 15.04.
Berlin

Hanna Böhm wuchs als älteste Tochter des Rittergutsbesitzers Otto Böhm (1837-1897) auf und musste nach dem frühen Tod der Mutter († 1870) den väterlichen Haushalt führen. Erst nach der zweiten Heirat des Vaters konnte sie ihre häuslichen Pflichten abgeben und sich ab 1874 dem Studium der Malerei widmen. Sie studierte in Berlin und München und unternahm dann Studienreisen im Mittelmeerraum. Erstes Zeugnis ihrer Arbeit waren ein Band Märchenbilder (o.J.) und zwei Bändchen mit Silhouetten, die 1873 und 1881 unter dem Titel Dunkle Bilder erschienen. Bald konnte sie Porträts, Genre- und Landschaftsbilder in größeren Ausstellungen zeigen und auch in Deutschland und nach Italien und Nordamerika verkaufen. Auch war sie auf den Ausstellungen des Königsberger Kunstvereins in den Jahren 1883 und 1887 mit je drei Ölgemälden vertreten.

Nach ihrer Heirat (um 1885) mit dem Rechtsanwalt Dr. Richard Bieber (* 1858) in Berlin blieb sie zwar Mitglied des Vereins Berliner Künstlerinnen, doch trat ihre Malerei in den Hintergrund, da sie all ihre Kraft den Wohlfahrtsbestrebungen aller Art widmete, besonders der deutschen Frauenbewegung. Sie gründete 1889 den Verein „Jugendschutz“ in Berlin, der die Ziele der Sittlichkeitsbewegung in die Frauenbewegung einbrachte. Auch war sie 1894 Mitbegründerin und langjähriges Vorstandsmitglied des „Bundes deutscher Frauenvereine“ sowie Mitbegründerin des später von der Stadt übernommenen Realgymnasiums für Mädchen in Berlin-Charlottenburg. Durch ihre Tatkraft entstanden in Berlin auch zwei Heime für alleinstehende unbemittelte Mädchen, dazu ein Erholungsheim. Die Heime waren mit Haushaltungsschulen verbunden, um die Bewohnerinnen für ihr späteres Leben vorzubereiten, und in allen drei Einrichtungen war der Genuss von Alkohol verboten.

Vor Vereinen und auf Kongressen kämpfte Bieber-Böhm in Vorträgen für die Verbesserung der Lage von Frauen und Mädchen. Die Vorträge wurden oft als Flugschriften gedruckt, u.a. 26000 Schlafstellen! Ein Hilferuf … Gefahren der ersten Kinderjahre (1890), Die Sittlichkeitsfrage, eine Gesundheitsfrage (1896), Vorschläge zur Bekämpfung der Prostitution (1895) als Anlage zu einer Petition an den Reichstag, und Wollen die Frauen-Vereine das gemeingefährliche Gewerbe der Prostitution erlaubt oder verboten wissen? (1904).

Insgesamt wollte sie Frauen und Mädchen, die auf der Suche nach Arbeit in die Großstädte kamen und dort oft in Not gerieten, vor dem Abgleiten, möglicherweise in die Prostitution, bewahren. Obgleich Hanna Bieber-Böhm führendes Mitglied der deutschen Frauenbewegung um 1900 war, wurde sie nicht besonders bekannt, im Gegensatz zu ihrer Schwägerin Elisabet Böhm, der Gründerin der landwirtschaftlichen Hausfrauenvereine.

Lit.: Nachweise bei: Klaus Bürger, Bieber-Böhm, Hanna Elmire Flora, in: Altpreußische Biographie, Bd. IV, 2. Lieferung, Marburg/ Lahn 1989, S. 1181-1182. – dazu: Das geistige Leben in Deutschland am Ende des 19. Jhs., Bd. 1, 1898, benutzt in: Dt. Biogr. Archiv I, Fiche 99, Feld 119. – Rudolf Meyer-Bremen (Hrsg.), Die Ausstellungskataloge des Königsberger Kunstvereins im 19. Jh., Köln, Weimar, Wien 2005, S. 332 u. 341.

Bild: Die Gartenlaube – Illustrirtes Familienblatt, Berlin 1899,  S. 571.

Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Hanna_Bieber-B%C3%B6hm

Klaus Bürger

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