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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Bonin, Anna Adelheid von (Ps. Hans Werder)

Schriftstellerin

* 1856, 08.09.
Groß-Wunneschin, Kr. Lauenburg/Pommern

† 1933, 18.06.
Schönwerder, Kr. Pyritz/Pommern

Als Tochter des Rittergutsbesitzers Hans Eugen von Zanthier wurde Anna Adelheid in Groß-Wunneschin in Pommern geboren. Ihre Mutter stammte aus dem Hause von Puttkamer-Versin. Anna wuchs dann auf dem Gut Brotzen, Kr. Rummelsburg, auf und erhielt einen offensichtlich hervorragenden Privatunterricht; ihre umfassende Allgemeinbildung wird uns aus ihrem späteren literatrischen Schaffen überzeugend deutlich. Zu frühem eigenem Interesse an ihrer Umwelt, Vergangenheit und Gegenwart dürften nachbarlicher Verkehr im Elternhaus und verwandtschaftliche Bindungen erheblich beigetragen haben, was sich nach der Eheschließung fortsetzen konnte. Sie heiratete 1876 den Rittergutsbesitzer Konrad von Bonin, gleichfalls aus altem pommerschem Geschlecht, das seit dem 13. Jahrhundert nachweisbar ist und sich in mehrere Linien teilte. Aus der Karziner Linie, Kr. Schlawe, deren Stammvater Georg (1613-1670) mehrfach in diplomatischer Mission in Schweden und Polen war, entstammt auch Annas Ehemann Konrad (1847-1925). Seit ihrer Heirat lebte sie nun auf dem Gut ihres Mannes in Schönwerder bei Dölitz im Pyritzer Weizackerkreis, der zu den fruchtbarsten Gegenden Deutschlands zählte. Der Ehe entsproß 1878 eine Tochter Ellinor (ein Vorname aus der Puttkamerschen Familie), die im landwirtschaftlichen Adressbuch für Pommern von 1939 auch als Besitzerin eingetragen ist.

Schon als Kind mit der Natur vertraut, lebte die kleine Anna bei viel eigener Phantasie in schönen Träumen, die sie in ihrer ländlichen Umgebung gern den vertrauten Dorfkindern als kleine Geschichten vortrug und damit begeisterte Zuhörer fand. Daß ihr Mann aber seiner jungen Frau solche Veranlagung und Neigung gern nachsah und nicht mit gutsherrlichen Pflichten einengte, erscheint erstaunlich wie großzügig. Anna begann zu schreiben; sie machte große Reisen mit neuen Eindrücken und Anregungen, wurde auch Mitglied eines Schriftstellerverbandes sowie des Richard-Wagner-Vereins. Unter dem Pseudonym Hans Werder hat sie – 1889 beginnend – eine Anzahl patriotischer, historischer Romane und Novellen veröffentlicht, die zum Teil in mehreren Auflagen erschienen. Im Ersten Weltkrieg ließ sie die Feder ruhen (1915-1922) und beendete danach mit einigen Erzählungen ihr schriftstellerisches Wirken, das mehr als 20 Titel umfaßt. Mit ihrer Haltung und ihrem Wissen hat sie dieser, im eigenen Land vielleicht weniger geachteten Roman-Gattung Ansehen zurückgegeben, wo gerade Ibsen wie Tolstoi, Zola und Maupassant große Beachtung fanden. Ihre Gesinnung konnte aber auch aus eigenem Erleben schöpfen, waren doch ihre Mutter und die Fürstin Johanna von Bismarck rechte Cousinen mit regem Verkehr, auch wenn der Reichskanzler später im pommerschen Varzin weilte; die „Tante Johanna“ liebte sie innig, und ihre Empfindungen für ihn, den Reichsgründer, beschreibt sie selbst als die stärksten ihres Lebens. Auch Hindenburg und Mussolini ist sie begegnet – ihr letzter Roman „Heilige Heimat“ zeugt davon. Hervorzuheben aus ihrem Schaffen ist schon des historischen Bewahrens wegen „Der Pommernherzog“ Swatopluk (1220-1266), der als Herzog von (Ost-)Pommern sein Land – später Pomerellen genannt – von Danzig aus regierte, und sich zwischen Polen, dem Deutschen Orden und Pommern behaupten konnte. In „Schwertklingen“ erleben wir den Zusammenbruch und die Neubesinnung Preußens 1806 bis 1810 mit den bewegenden Persönlichkeiten jener Epoche. Mit „Tiefer als der Tag gedacht“ hat die Autorin in eine spannende Handlung zwischen Ägypten und einem alten Herrensitz in Norddeutschland viel tiefes, charaktervolles Feingefühl hineingelegt, ihr Innerstes gezeigt.

Als Gutsherrin von Schönwerder ist die damals so erfolgreiche Schriftstellerin 1933 gestorben.

Werke:
Romane: Junker Jürgen. – Circe. – Der wilde Reutlingen (aus der Zeit des großen Königs). – Roland. – Die Sonntagskinder. – Waidmannsheil. – Schwertklingen. – Christophorus. – Fee. – Der Pommernherzog. – Im Burgfrieden. – Tiefer als der Tag gedacht. – Licht in der Ferne. – Die Meistergeige. – An rauschenden Wassern. – Fels in der Brandung.
Erzählungen: Im Inselmeer. – Prinzessin Halszka. – Frühlingsstürme u. a.

Lit.: Kürschners Deutscher Literaturkalender, Nekrolog 1901-1935, 1936. – Pyritzer Kreiskalender 1927. – Waldemar Oehlke, Deutsche Literatur der Gegenwart, 1942. – Neue Deutsche Biographie, Bd. 2.

Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Anna_von_Bonin

Friedrich Birkholz

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