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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Born, Ignaz Edler von

Naturwissenschaftler

* 1742, 26.12.
Kapnik/Siebenbürgen

† 1791, 28.12.
Wien

Ignaz von Born gelang es zwar nicht, Kaiser Joseph II. dazu zu bewegen, einer Freimaurerloge beizutreten, doch war es ihm erlaubt worden, in der Loge „Zur Eintracht“ tätig zu bleiben, was sonst Staatsangestellten untersagt war. Mozarts Sarastro soll der Gestalt Borns nachempfunden sein, was ein weiterer Hinweis darauf ist,daß der recht junge Gelehrte am Wiener Hof eine Sonderstellung einnahm.

In Siebenbürgen geboren, besuchte Born zunächst Schulen in Hermannstadt und Wien, trat dann in den Jesuitenorden ein (1759), wo er es 16 Monate lang aushielt. 1760 betrieb er in Prag Rechtsstudien, war danach bestrebt, durch ausgedehnte Reisen Einblick in die Bergwerke Europas zu erhalten, um seine Mineralogie- und Geologiekenntnisse zu vertiefen. Deutschland, Holland, Frankreich und Spanien waren seine ersten Reiseziele. Eine „metallurgische“ Reise im Jahre 1770, die von Born in einer sehr präzisen Beschreibung festhielt (Briefe über mineralogische Gegenstände auf seiner Reise durch den Temesvárer Banat, Siebenbürgen, Ober-und Niederungarn an Johann Jakob Ferber geschrieben,Frankfurt u. Leipzig, 1774; 1777 auch englisch, 1780 französisch, 1778 italienisch), trug wesentlich dazu bei, den Autor bekannt zu machen. In Prag, wo der gebürtige Siebenbürger seit 1770 Beisitzer im Bergamt war und Vorlesungen hielt, bildete sich um ihn ein Kreis junger Wissenschaftler. Dieser war im Gegensatz zu den Seibtianern, denen die schöngeistige Literatur am Herzen lag (Klopstock, Gellert, Hagedorn wurden durch Karl Heinrich Seibt in Prag bekannt gemacht) und zu den Sonnenfelsianern und deren aufgeklärten Radikalismus vor allem bemüht, gesellschaftlich-aufklärerische Ziele zu erreichen und die Wissenschaften zu fördern. Die Bornianer gründeten eine wissenschaftliche Vereinigung, die bis 1784 „Privatgesellschaft in Böhmen“, seit 1785 aber „Königliche Gesellschaft der Wissenschaften“ hieß. Born selbst arbeitete an den Actis literaris Bohemiae et Moraviae mit, war Initiator der Abbildungen böhmischer und mährischer Gelehrter und Künstler“ (1773-1777). Außer der Herausgabe wissenschaftlicher Abhandlungen von Zeitgenossen (Ferber, 1773; Kern, 1776) hat Born in seiner Prager Zeit auch über geologische Fragen seiner böhmischen Umgebung gearbeitet (so etwa 1773 über den erloschenen Vulkan bei Eger). Sein Renommee war der Grund dafür, daß ihn Maria Theresia 1776 mit der Leitung des Wiener Naturalienkabinetts betraute. 1778 und 1780 erschienen die ersten Bände der Beschreibung der Sammlungen des Kabinetts; eine Fortführung der Katalogisierung war nicht möglich, da Joseph II. Ignaz von Born für wichtige Neuerungen im Bergbauwesen in Anspruch nahm. Borns Verfahren, Erze anzuquicken, wurde zunächst in Schemnitz erprobt, dann im gesamten Kaiserreich eingeführt. Außerdem gelang es Born, auf chemischem Wege Wachs zu bleichen und beim Salzsieden große Mengen Brennholzes einzusparen. Seine Erfolge sind in öffentlichen Ehrungen anerkannt worden (1779 wurde Born wirklich Hofrath; seine Erfindungen wurden großzügig honoriert). Die Gesundheit des Gelehrten war vor allem seit seiner Reise im Jahre 1770 beeinträchtigt, als Born im Bergwerk von Felsö-Bánya (heute: Baia Sprie) bei einem Unfall fast ums Leben gekommen war. Trotzdem war er rastlos tätig, gab Physikalische Arbeiten der Freimaurerloge heraus, eine Bergbaukunde, war auch schriftstellernd wirksam (seine Satire Die Staatsperücke unterstützte die josefinischen Reformbestrebungen). Eine Geschichte der Regierung Leopolds II. und eine Gesamtdarstellung der Mineralogie konnte Ignaz von Born nicht mehr fertigstellen. Er starb am 28. August 1791 in Wien.

Wissenschaftliche Gesellschaften von London bis Siena, von Padua bis Berlin wählten Born zum Mitglied, Ehrungen aus seiner Geburtsheimat Ungarn waren nicht gerade alltäglich, so daß es nicht erstaunlich ist, wenn in seinem Nekrolog zu lesen ist: „An Geisteskraft und angeborenem Talente wohl der Größte unter den Todten dieses Jahres; an Wirkungen, die sein thätiger Geist auf die Wissenschaften und auf seine Mitmenschen hatte, unbeschreiblich merkwürdig für sein Zeitalter!“ Engagement für die politischen und gesellschaftlichen Anliegen seiner Zeit, unermüdliches Forschen und Bemühen, die Ergebnisse der Forschung in Technologien und praktische Wirksamkeit umzusetzen, Interesse an Kunst und Literatur, Sammlerinstinkt und Ordnungsvermögen: das alles zeichnete den mit nicht ganz 50 Jahren Dahingegangenen aus, dessen Werke heute meist nur noch von historischem Wert sind.

Werke: Die Staatsperücke, eine Erzählung, Wien 1772. – Index rerum naturalium Musei Caesarei Vindobonensis, Wien 1778 u. 1780. – Ueber das Anquicken (Amalgamiren) der gold- und silberhaltigen Erze, Rohsteine, Schwarzkupfer und Hütten-Speise, Wien 1786. – Catalogue methodique et raisonne de la Collection des Fossiles de Mdlle Eleon, de Raab, Wien 1790. – Bergbaukunde (mit von Tebra), 2 Bde., Leipzig, 1789.

Lit.: Siebenbürgische Quartalschrift, 1792, Bd. II, S. 227-229. – Joseph Trausch: Schriftsteller-Lexikon, Kronstadt, 1868, Neudruck 1983 (Hg. von Hermann A. Hienz), Köln Wien, I, S. 162-168. – Hans Schebesch: Der Siebenbürger Ignaz von Born – Urbild für den Sarastro in Mozarts „Zauberflöte“, in: Südostdeutsche Vierteljahresblätter, 33 (1984), H. 2, S. 136-137. – Robert Podratzky: Ignaz, Edler von Born berichtet über den Banater Bergbau 1770, in: Beiträge zur deutschen Kultur 4 (1987), H. 2, S. 45-50.

Bild: Von Kempelen: Mechanismus der menschlichen Sprache, Wien, 1791 (Foto Bayerische Staatsbibliothek München).

Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Ignaz_von_Born

Horst Fassel

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