Kulturportal
Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Bornmann, Christian

Dichter, Bibliothekar, Schulrektor

* 1639, 01.06.
Brehna bei Halle/Saale

† 1714, 20.05.
Mitau

Wie bei vielen der in die baltischen Lande gezogenen Gelehrten ist auch bei Christian Bornmann bisher nicht bekannt, durch welche Umstände und wann genau er nach Mitau gelangte. Geboren im sächsischen Brehna, wo sein Vater Christmann B. (1610-1688) seit 1638 Diakon war, wuchs Christian ab 1640 im etwa 10 km entfernten Delitzsch auf. Hier wurde die wachsende Familie sesshaft; der Vater war in Delitzsch zunächst Diakon, dann ab 1656 Archidiakon. Schon 1643 starb die Mutter Martha Zeising. Die noch im selben Jahr geheiratete Stiefmutter Maria Hoffmann wurde dann 1667 bestattet. Der Vater heiratete daraufhin die verwitwete Maria Röder (1616-1705). Christian war das älteste von insgesamt 14 Kindern, von denen jedoch vier bereits als Kleinkind starben.

Nach dem Besuch der Schule in Delitzsch, wo Konrad Caseus zu seinen Lehrern gehörte, lernte Christian auf der Schule zu Wittenberg beim Rektor Johann Peisker. Ob er auch die Universität in der Lutherstadt besucht hat, ist nicht sicher; auf der Leipziger Akademie ist er jedoch zunächst 1649 und dann 1660 eingeschrieben worden. Im Oktober 1650 bezog er die Schule in Pforta, die er jedoch später ohne Erlaubnis verließ. Bornmann unternahm ausgedehnte Reisen, auf denen er in Bisanz (frz. Besançon) von Kaiser Leopold I. persönlich zum Dichter gekrönt wurde, wie seinen späteren Gedichten zu entnehmen ist. Die näheren Umstände sind bisher unbekannt; allerdings führte er den Titel des „Poeta laureatus coronatus“ mindestens seit Juni 1679.

In diesem Jahr trat der Dichter erstmals im kurländischen Mi­tau mit einer gedruckten Gelegenheitsschrift auf. Noch ohne eine Amtsbezeichnung, eben lediglich als gekrönter Dichter, veröffentlichte Bornmann hier eine französisch-deutsche Trauerschrift auf den Erbherrn Christian von Schröder, der in Bauske bestattet wurde. Da Ende 1679 das neue Gebäude der Mi­tauer Schule eingeweiht und das Lehrpersonal komplettiert wurde, könnte Bornmann hier auf eine Anstellung gehofft haben. Doch erst 1682 wurde er von Herzog Friedrich Kasimir als herzoglicher Bibliothekar angestellt. Ob ihm in der Zwischenzeit eine Hofmeisterstelle den Unterhalt sicherte, kann lediglich vermutet werden. Bornmann blieb jetzt jedenfalls in Mitau und veröffentlichte hier einige Gelegenheitsgedichte.

Mit der Anstellung am Hof nahm der Dichter sich intensiv der Dichtung auf die herzogliche Familie und das höfische Umfeld an. Der Herzog wurde sein Gönner und verschaffte ihm offensichtlich auch die Stelle des Rektors an der Stadtschule. Bornmann trat dieses Amt 1685 an, blieb aber zugleich Bibliothekar. Am 24. September dieses Jahres vermählte er sich mit der Witwe des Konrektors Johann Ludwig Schenck, Sophia Gertrud Wach (†1698), mit der er sechs Kinder bekam: vier Töchter, die jedoch bereits als Kinder starben, sowie die beiden Söhne Friedricus Amelius (*1687) und Christmannus Adeo­datus (*1692). Glaubt man seinen Gedichten, dann liebte Born­mann Scherz und Geselligkeit, rauchte gerne und wusste einen guten Tropfen zu schätzen. Allerdings gab es auch Neider, nicht zuletzt wohl aufgrund seines guten Verhältnisses zu Herzog Friedrich Kasimir, der ihm u.a. zum Dank für ein aus dem Stegreif entstandenes Gedicht einen großen vergoldeten Pokal mit reichen Verzierungen schenkte.

Die Mitauer Schule florierte unter Bornmanns Rektorat jedoch nicht. Das Schulamt lag dem Dichter wohl nicht, wie auch manche Klage in seinen Gedichten nahe legt. So gab es Auseinandersetzungen zwischen dem Kollegium und der Stadt wegen schlechter Schulverhältnisse und einer abnehmenden Schülerzahl. Im Reskript des Herzogs vom 1. Dezember 1692 ist die Rede davon, dass fast gar keine oder nur wenige Kinder die Schule besuchten. Deshalb wurde nun dem Rat die Jurisdiktion über die Lehrer überlassen. Bornmann bemühte sich anscheinend. Aus dem Jahre 1696 gibt es zwei gedruckte lateinische Schülerreden, die unter seinem Vorsitz gehalten wurden, aber nach dem Tod des Herzogs zwei Jahre darauf nahm Bornmann den Abschied, vielleicht um einer drohenden Entlassung zuvor zu kommen. Das Amt des herzoglichen Bibliothekars behielt er jedoch offenbar, bis die Schweden 1701 die Bibliothek beschlagnahmten. Trotzdem bemühte er sich zwischenzeitlich – ohne Erfolg – um eine andere Anstellung. Die lateinischen Dichtungen auf den polnischen König August II. und den Feldherrn Jakob Heinrich von Flemming in den Jahren 1699/1700 zeigen, dass seine Hoffnung anscheinend ganz auf den polnischen Hof gerichtet war.

Auf Fürsprache einflussreicher Gönner kehrte er dann zu Michaelis 1700 in das Rektorat der Mitauer Schule zurück. Dass die Stelle bis dahin nur vertretungsweise besetzt war, deutet auf Probleme in der Schule, die immerhin Bornmann nicht angelastet werden können. Doch schon 1702 musste sich der Rektor aufgrund seiner schweren Gichterkrankung von einem Prorektor vertreten lassen. Die letzten Lebensjahre brachte er im Bett zu und lebte von einer kleinen Pension, die ihm von der Stadt zugestanden worden war. Auch die Honorare für seine Gelegenheitsgedichte waren für seinen Lebensunterhalt von Bedeutung. Da er jedoch durch die Gicht nicht mehr schreiben konnte, musste er seinen Kindern die Texte diktierten. Er starb schließlich in Armut und verschuldet; die Beisetzung geschah auf öffentliche Kosten.

Obwohl Bornmann zu seiner Zeit im höfisch geprägten Mitau ein sehr beliebter Gelegenheitsdichter war, der seine Dichtungen häufig in selbstständigen Drucken präsentierte, ist sein Werk heute weitgehend vergessen. Noch im späten 18. Jahrhundert zählte Johann Bernhard von Fischer die deutschen Gedichte „mit zu den besten seines Zeitalters“. Doch dann setzte die Abwertung des spätbarocken überladenen Stils ein, infolgedessen der Poesie lediglich noch kulturgeschichtlicher Wert zugemessen wurde. Hervorgehoben wird deshalb immer das große Städtelobgedicht mit dem schlichten Titel Mitau, in dem der Gattung gemäß Stadt, Land und Leute detailreich gepriesen werden. Zu seinem dichterischen Ruhm trug aber auch sein Passionsgedicht Der Leidende Jesus mit weit über 1000 Versen bei, das in seiner Kombination aus Gestaltung des biblischen Textes und eingeschobener erbaulicher Betrachtung zwei Auflagen erfuhr. Als Meister der kleinen Formen zeigte Bornmann sich in einer Sammlung von lateinischen Epigrammen (1691), die in erweiterter Fassung 1705 insgesamt 982 Gedichte enthielt und Martial und Owen nachahmte. Ebenso pflegte er das deutsche Anagrammgedicht, vor allem in den Namensspielen (1694), aber auch in den Gelegenheitsdichtungen.

Werke: Xenia, Leipzig 1662. – Mitau, Mitau 1686; [2. Aufl., hrsg. von Collatius], Mitau [1714]; Mitau. Ein historisches Gedicht aus dem siebzehnten Jahrhundert. Neue, mit Anmerkungen versehene Ausgabe, hrsg. v. J.F.v. Recke, Mitau 1802. – Der Leidende Jesus, Mitau 1690; 2. Aufl. unter dem Titel: Leidender Jesus/ auf frommer Herzen Begehren zum andern mahl gedrückt, Mitau 1713. – Epigrammatum Libri III. Ad […] Curlandiae Cancellarium, Dn. Friedricum à Brakel, Mecoenatem, Riga 1691; neue, erweiterte Ausgabe: Epigrammatum Pars prior [Pars posterior], Mitau 1705. – Alles mit GOtt! Fürnehmer Nahmens-Spiele Erstes Zwanzig/Durch reinen Buchstaben-Wechsel/Zu sonderbahren Ehren außgearbeitet, Mitau 1694. – Sermo Augustalis, ad Augustum Secundum Augustissimum, Regem Poloniae, Magnum Ducem Lithvaniae Electorem Saxoniae, etc., Mitau 1699. – Flemmingus In Arena Et Lauris, Mitau 1700. – ca. 75 Gelegenheitsschriften und weitere Gelegenheitsgedichte in Sammelschriften in lat., dt. und franz. Sprache.

Lit.: F.K. Gadebusch, Livländische Bibliothek, Riga 1777, Bd. I, S. 86-94. – Nordische Miscellaneen 4 (1782) S. 166-167. – Mitauische Monatsschrift (1784), Juli, S. 62-92 [K.A. Kütner]. – Jöcher/Adelung I (1784) Sp. 2081-2082. – Recke/Napiersky, Schriftsteller- und Gelehrtenlexikon I (1827) S. 226-227. – Napiersky/Beise, Schriftsteller- und Gelehrtenlexikon, Nachträge und Fortsetzungen I (1859) S. 72. – J. Döring, [über ein Bildnis des Jahres 1735 und die Familie des Dichters], in: Sitzungsberichte Mitau 1872 (1872) S. 32-34, Anm. – A. Seraphim, Notizen betreffend die Familie Bornmann, in: Sitzungsberichte Mitau 1891 (1892) S. 61-66 [mit Stammtafel]. – G. Otto, Die öffentlichen Schulen Kurlands zu herzoglicher Zeit 1567-1806, in: Sitzungsberichte Mitau 1903 (1904), Beilage, S. I-CXIX, hier S. XIVf., XXXIII, LXXVf. (auch separat 1904). – N. v. Denffer, Christian Bornmann. Schicksal und Werk eines vergessenen baltischen Dichters, in: Sitzungsberichte Mitau 1935/36 (1937), S. 11-34. – Deutschbaltisches Biogr. Lexikon (1970, 21998) S. 92. – M. Redlich, Lexikon deutschbaltischer Literatur, Köln 1989, S. 54-55. – Handbuch des personalen Gelegenheitsschrifttums. Hrsg. v. K. Garber, Bd. 8: Dorpat, Bd. 12-15: Riga, Hildesheim u.a. 2003-2004. – J.L. Flood, Poets Laureate in the Holy Roman Empire, Berlin u.a. 2006, Bd. I, S. 221-222. – K. Garber, Schatzhäuser des Geistes, Köln u.a. 2007, S. 320ff., 373, 416ff. – Gottzmann/Hörner, Lexikon der deutschsprachigen Literatur des Baltikums und St. Petersburgs, Berlin u.a. 2007, Bd. I, S. 266-268. – Killy Literaturlexikon. 2. Aufl. II (2008) S. 98. – I. Klekere, P.L.C. Kristiana Bornmana poēma „Jelgava“, in: Senā Jelgava, Riga 2010, S. 306-311.

Bild: Titelblatt der Nahmensspiele, 1694.

Martin Klöker

Wünschen Sie Änderungen oder Ergänzungen? Dann schreiben Sie uns dies bitte mit Angabe der betreffenden Person.