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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Brandenburg, Ernst

Ingenieur

* 1883, 04.06.
Sophienfeld bei Bromberg/Posen

† 1952, 01.07.
Bonn

Ernst Brandenburg diente als aktiver Offizier im 6. Westpreußischen Infanterie-Regiment 149 und wurde bereits 1911 zur Lehr- und Versuchsanstalt für das Militärflugwesen kommandiert. Nach Ausbruch des 1. Weltkrieges wurde er als Infanterist schon 1914 schwer verwundet und ging nach seiner Genesung nun endgültig zur Fliegerei. Am 5. März 1917 wurde er als Hauptmann Kommandeur des Bombengeschwaders 3, das in der Nähe von Gent in großer Stille zusammengestellt wurde. Ein wochenlanges Einfliegen unter Brandenburgs Leitung war nötig, bevor am 13. Juni 1917 etwa 20 zweimotorige Großflugzeuge mit drei Mann Besatzung, 200 kg Bomben und drei Maschinengewehren zum ersten Angriff auf London starten konnten. Nach viereinhalb Stunden war der erste erfolgreiche Angriff eines geschlossenen Flugzeuggeschwaders auf London beendet. Auf dem Rückflug vom Vortrag im Großen Hauptquartier beim Kaiser und bei Hindenburg in der Nähe von Bad Kreuznach am 16. Juni stürzte das Flugzeug ab. Der Flugzeugführer findet den Tod, Brandenburg wird schwer verletzt. Nach seiner Gesundung – noch auf Krücken – übernimmt er wieder die Leitung seines Geschwaders, das ab März 1918 zur Unterstützung des deutschen Angriffs an der Westfront eingesetzt wurde. Am 19./20. Mai 1918 unternahm er seinen 2. Flug auf London, wegen der verstärkten Abwehr nunmehr einen Nachtangriff. Insgesamt hatte das Bombengeschwader 3 acht Tag- und 14 Nachtangriffe auf England ausgeführt. Brandenburg wirkte als Kommandeur durch seine starke Persönlichkeit und große Menschlichkeit. Für seine Verdienste wurde er zum Ritter des Ordens Pour-le-mérite ernannt.

Nach Kriegsende wurde Brandenburg als Ministeialdirektor 1924 Leiter der neu geschaffenen Luftfahrtabteilung im Reichsverkehrsministerium, das die Nachfolge des ehemaligen Reichsluftamtes antrat. Hier setzte er vor allem für den Aufbau der deutschen Handelsluftfahrt ein. Im Versailler Vertrag waren Deutschland schwere Beschränkungen auch für die Zivilluftfahrt auferlegt worden (außer denen für die Kriegs- und Sportfliegerei). Es war Brandenburgs Aufgabe, hier auf politischen Weg vernünftige Regelungen zu erreichen. Als Folge des Vertrages von Locarno vom Oktober 1925 wurden am 22. Mai 1926 die Pariser Vereinbarungen getroffen, die den Weg für eine zivile Luftfahrt in Deutschland frei machten. Eine weitere Aufgabe war die Vereinigung der verschiedenen Firmen und Institutionen, die in der deutschen Handelsluftfahrt tätig waren und sich z. T. erhebliche Konkurrenz machten. So kam es am 6. Januar 1926 zur Gründung der Deutsche Lufthansa, in der führende deutsche Luftverkehrsgesellschaften vereinigt wurden, so auch die beiden größten: die Deutsche Aero-Lloyd und die Junkers Luftverkehrs A. G.

Brandenburg setzte sich ebenfalls für den deutschen Flugsport ein, der durch den Versailler Vertrag strengste Auflagen hatte und eigentlich durch staatliche Mittel gar nicht unterstützt werden durfte.

Im Jahre 1933 übernahm Brandenburg die Aufgaben eines Leiters der Abteilung für Kraftfahr- und Landstraßenwesen. Von seiner Bedeutung als Fachmann und seiner Wertschätzung als Mensch zeugen einige Auszeichnungen, er war z. B.: Ritter des Ordens Pour-le-mérite, Ehrendoktor der Technischen Hochschule Berlin, Mitglied des Aufsichtsrats der Deutschen Lufthansa und Ehrenführer der deutschen Luftfahrt.

Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Brandenburg_%28Ministerialbeamter%29

Hans-Jürgen Kämpfert

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