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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Brotze, Joachim Christoph

Pädagoge, Sammler

* 1742, 01.12.
Görlitz/Niederschlesien

† 1823, 04.08.
Riga

Neben Friedrich Konrad Gadebusch und Johann Christoph Schwartz ist Joachim Christoph Brotze der dritte, ins 19. Jahrhundert hinüber führende große Sammler und Geschichtsschreiber des alten Livland, dessen Kollektaneen zahllose bislang ungehobene Schätze zur baltischen Historiographie und Literaturgeschichte der Frühen Neuzeit bergen.

Nach dem Besuch des Görlitzer Gymnasiums ging Brotze 1763 zum Studium der Theologie und Philologie nach Leipzig, arbeitete unter anderem bei dem Sprachforscher Johann Christoph Adelung, wechselte nach Wittenberg und erwarb hier den Dr. phil. 1768 folgte er einem Ruf als Privatlehrer nach Riga, wurde 1769 Subrektor, 1783 Konrektor am Lyceum zu Riga und wirkte zwischen 1801 und 1804 zugleich als Rektor. Dem neuen Gouvernements-Gymnasium diente er bis 1815 und widmete sich danach ausschließlich seinen gelehrten Studien.

Brotzes wichtigstes Werk, seine zehnbändige Sammlung verschiedener Liefländischer Monumente, Prospecte, Müntzen, Wappen, ist wie so viele gelehrte Kollektaneen des 18. Jahrhunderts nur handschriftlich überliefert und wird zur Zeit in Riga unter der Leitung von T. Zeids vor allem unter Mitwirkung von Meta Taube für den Druck vorbereitet. Es stellt eine umfassende Landeskunde des Baltikums dar, die heute vor allem wegen ungezählter Zeichnungen nicht mehr erhaltener Monumente unschätzbaren Wert besitzt. Wie von Gadebusch und von Schwartz, so ist auch von Brotze ein immenser, vor allem in Riga in der Akademiebibliothek, der Nachfolge-Institution der alten, im Kriege weitgehend zerstörten Stadtbibliothek, erhaltener Nachlaß auf uns gekommen. Während seine Sammlung vermischter Schriften hauptsächlich gedrucktes Kleinschrifttum zur baltischen Kulturgeschichte zusammenführt, darunter Gelegenheitsgedichte, Flugschriften und akademisches Schrifttum, ist seine 36bändige Livonica-Sammlung vielfach durchsetzt mit handschriftlichen Exzerpten und Abschriften. Auch sie birgt reichhaltige Schätze zur Rigaer und baltischen Kulturgeschichte. Der Kulturgeschichtsschreibung in einem hoffentlich endlich wieder zusammenwachsenden Europa harren hier wie im gesamten Baltikum und dem alten deutschen Sprachraum des Ostens die reizvollsten Aufgaben.

Lit.: Gadebuschs Livländische Bibliothek, Band I (1777), S. 130. – Napiersky: Fortgesetzte Abhandlung von Livländischen Geschichtsschreibern, 1824, S. 37-42. – Recke-Napiersky: Allgemeines Schriftsteller- und Gelehrten-Lexikon der Provinzen Livland, Estland und Kurland, Band I (1827), S. 277-283, sowie Nachträge, Band I (1859), S. 94f. – Bernhard Hollander: Joachim Christoph Brotze als Pädagog und als Geschichtsforscher, in: Mitt. a.d. livl. Geschichte 23 (1924-1926), S. 268-295. – Deutschbaltisches Biographisches Lexikon 1710-1960, 1970, S. 108.

Weblinks: https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Christoph_Brotze; https://www.bbl-digital.de/eintrag/Brotze-Joachim-Christoph-1742-1823/

Klaus Garber

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