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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Brust, Herbert

Komponist

* 1900, 17.04.
Königsberg i.Pr.

† 1968, 26.06.
Bremerhaven

„Der Heimat Rauch ist leuchtender als fremdes Feuer“. Dieses schöne und vielsagende Wort konnte man über dem Eingang des Hauses „Romowe“ von Herbert Brust in Neukuhren an der Samlandküste lesen. Hier wohnte das Ehepaar Herbert und Edith Brust viele Jahre. Die Schriftstellerin Margarete Kudnig schrieb einmal über Brust im Zusammenhang mit diesem Haus: „Ob er geahnt hat, daß er dies Haus mit der reichen Sammlung von alten Instrumenten, … und vor allem mit einem Schatz kostbarer Manuskripte, ob er es geahnt hat, daß er dies alles nie wiedersehen sollte?“

Das Geburtshaus Herbert Brusts, der später vor allem als Komponist des Ostpreußenliedes Land der dunklen Wälder bekannt geworden ist, stand am Königsberger Schloßteich, just an der Stelle, wo später die Stadthalle erbaut wurde, in deren Konzertsälen auch Werke von ihm zur Aufführung kamen. 1901 zogen die Eltern, ein Kaufmannsehepaar, in ein schönes Patrizierhaus in der Magisterstraße, ganz nahe am Pregel.

Das musikalische Talent des Jungen machte sich früh bemerkbar. Vierzehn Jahre war er erst alt, als seine instrumentale Liebe sich der Orgel zuwandte, die er bis zuletzt als sein liebstes Instrument bezeichnete. In Walter Eschenbach, Kirchenmusikdirektor und Domorganist, fand er einen verständnisvollen Lehrer und großzügigen Förderer, ferner im Dirigenten des Haberberger Oratorien-Vereins, dem Orgelvirtuosen Reinhold Lichey. So spielte er bereits als 16jähriger die Orgel der Löbenichtschen Kirche.

Von 1919 bis 1922 studierte Brust an der Berliner Hochschule für Musik unter den Professoren Fischer und Koch. In diesen drei fruchtbaren Jahren erwarb sich Brust eine gründliche Kenntnis der Kompositionslehre und der von ihm virtuos beherrschten Instrumentierungskunst. Auch mit den Stilelementen der modernen Musik setzte er sich auseinander. Sie sollten später gerade in seinen religiös und weltanschaulich unterbauten Werken zum Tragen kommen, wie in dem Großen Totenspiel (Text von Ernst Wiechert), in den Göttersprüchen oder den Gesängen ums Brot.

Nach Abschluß der Meisterklasse für Komposition und Ablegung des Examens ging Brust nach Königsberg zurück, und zwar als freischaffender Künstler und Mitarbeiter des Ostmarken-Rundfunks. Hier entstanden bald darauf seine Bläser- und Kammermusiken, die Funkhaus-Weihe-Kantate, die Oratorien Das große Totenspiel und Ostpreußenland mit dem SchlußchorLand der dunklen Wälder. Durch Anregung der Königsberger Hartungschen Zeitung hatte er den jungen Dichter Erich Hannighofer gefunden (seit 1945 in Rußland verschollen), dessen eindrucksvolle Wortwahl den Zauber dieses Stückes bis heute ausmacht.

Anfang 1933 wurde das Oratorium Ostpreußenland im Königsberger Rundfunk uraufgeführt und fand einen tiefen Widerhall. Viele Zuschriften voller Begeisterung erreichten den Sender. Einige Werkstudenten waren von der Schlußhymne Land der dunklen Wälder… ergriffen und sangen sie zur Laute auf den Straßen Königsbergs und auch im Rundfunk. Die Jugend brachte sie in ihre Singkreise, und bald war das Ostpreußenlied landauf, landab bekannt. Eine Berufung als Professor nach Frankfurt a.M. lehnte Brust 1939 ab.

Viele der Werke Brusts gelangten über die Grenzen Ostpreußens hinaus in die Konzert- und Musikprogramme, sie fanden über den Rundfunk den Weg zu ungezählten Menschen, die das Land Ostpreußen, das er musikalisch darstellte, nur vom Hörensagen kannten. Das Schaffen des Komponisten fand im In- und Ausland hohe Anerkennung. So vertonte er weitere Texte von Erich Hannighofer (Memelruf) sowie von Charlotte Wüstendörfer (Memelfahrt), Walter Scheffler (Wandern und Lieben) und Agnes Miegel (Memelland). Seine Bernsteinkantate nach Texten von Margarete Kudnig gehört zu den repräsentativsten Arbeiten aus der Feder Herbert Brusts. Im Werkverzeichnis sind 96 Kompositionen zu finden.

Im Frühjahr 1941 wurde Herbert Brust zur Wehrmacht eingezogen. Wie so viele Künstler seiner Generation wurde er durch den Zweiten Weltkrieg und die Vertreibung aus seiner Heimat mitten aus fruchtbarem Schaffen gerissen. Herbert Brust brauchte lange, bis er die Trennung von dem Land seiner Väter innerlich verarbeitet hatte und neue Kompositionen vorlegte.

In Schiffdorf bei Bremerhaven gründete sich das Ehepaar Brust schließlich eine neue Existenz. An der Schiffdorfer Kirche konnte er bald darauf die Stelle des Organisten übernehmen und später am Wilhelm-Raabe-Gymnasium, dann am Humboldt-Gymnasium Musikunterricht erteilen sowie die dortigen Schulorchester und Schulchöre leiten. Auch die Rundfunksender übertrugen wieder Werke von Brust. Es gab etliche Konzertaufführungen.

Von den Werken Herbert Brusts ist das Ostpreußenlied zum Inbegriff der fernen Heimat geworden, es „wurde geboren aus einer großen glühenden Liebe zur Heimat“.

Weitere Werke: Ostpreußenouvertüre, für großes Orchester (op. 14), Fünf Nehrungsgesänge, für eine Singstimme und Klavier (op. 33), Musik zum Hörspiel ‚Im Hause Simon Dachs‘ (op. 50), Drei Gesänge auf Texte von Agnes Miegel (op. 96).

Lit.: Altpreußische Biographie, Bd. III (1975), S. 877 (Werner Schwarz). – H. Brust: Aus meinem Leben. Mit Werkverzeichnis. In: Ostpr. Musik I (1937). – E. Brust: Land der dunklen Wälder und kristall’nen Seen: Das Ostpreußenlied, seine Entstehung und sein Komponist Herbert Brust, Bremerhaven s. a. – E. Kroll: Musikstadt Königsberg, Freiburg i. Br. 1966.

Bild: Das Ostpreußenblatt, Folge 16 (1970).

Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Herbert_Brust

Wolfgang Freyberg

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