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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Bugenhagen, Johannes

Theologe, Reformator, Kirchenorganisator

* 1485, 24.06.
Wollin/Pommern

† 1558, 20.04.
Wittenberg

Am Johannistag des Jahres 1485 wurde Johannes Bugenhagen als Sohn des Ratsherren Gerhard Bugenhagen in der alten pommerschen Bischofsstadt Wollin geboren. Von 1502-1504 absolvierte er an der Greifswalder Artistenfakultät ein zweijähriges Studium. 1504 erhielt er den Ruf an die Lateinschule in Treptow a. Rega. Ob Bugenhagen bereits in seiner Studienzeit von den Erkenntnissen des Humanisten Erasmus von Rotterdam beeinflußt wurde, ist historisch nicht gesichert. Was aber schon zu dieser Zeit greifbar ist, ist seine Hochschätzung der klassischen Sprachen. Bugenhagen muß ein recht erfolgreicher Lehrer und Rektor gewesen sein, denn schon bald kamen Schüler von Livland bis Westfalen nach Treptow. Auf dem Unterrichtsprogramm jener Jahre stehen bei Bugenhagen auch biblische Stoffe (Psalmen und Paulusbriefe). 1517 wurde er von dem Belbrucker Abt Johann Boidewan mit der Übernahme des biblischen Lektorats im Kloster beauftragt.

Als Martin Luther 1517 mit der Veröffentlichung seiner 95 Thesen in das Rampenlicht der Öffentlichkeit tritt, sind seine Ansätze zu einer Reformation der Kirche in Pommern noch nicht bekannt. Bugenhagen erhielt in diesem Jahr von seinem Landesherrn, Herzog Bogislav X., den Auftrag, eine Geschichte Pommerns, die spätere „Pommerania“ zu verfassen. Um diese Arbeit zu bewältigen, mußte Bugenhagen zahlreiche Stadt- und Klosterarchive durchforschen. Das Ergebnis seiner Arbeit, das er Bogislav handschriftlich vorlegte (die „Pommerania“ wurde erst 1728 in Greifswald gedruckt), war die Grundlage für die weitere landesgeschichtliche Forschung Pommerns. Auf seinen Archivreisen durch die pommerschen Lande wurden ihm aber auch die verheerenden kirchlichen Zustände des „Landes am Meer“ deutlich. 1520 wird Bugenhagen in Treptow mit Gedanken Luthers durch die reformatorische Hauptschrift „Von der babylonischen Gefangenschaft der Kirche“ konfrontiert. Ein genaues Datum dieser Umbruchphase läßt sich aber nicht feststellen. Sein Sendbrief an die Treptower Schüler kann schon „als das erste Dokument der gewandelten Theologie Bugenhagens“ (Kahler) angesehen werden. Bugenhagen trieb in dieser Zeit die Frage nach einem „rechten christlichen Leben“ um. Deshalb entschloß er sich, an den Wittenberger Reformator Martin Luther zu schreiben, der ihm zusammen mit dem Freiheitstraktat von 1520 folgendes schrieb: „Du schreibst, ich solle Dir einen modus vivendi, eine Anweisung für ein rechtes Leben schreiben. Wer wirklich Christ ist, braucht keine sittlichen Vorschriften. Der Geist des Glaubens führt zu allem, was Gott will, und die brüderliche Liebe setzt es in die Tat um. Darum lies dies Buch, nicht alle glauben dem Evangelium. Der Glaube wird empfunden im Herzen“. Dieser Briefwechsel mit Luther war der Anfang einer lebenslangen Freundschaft und Verbundenheit beider Theologen. Bugenhagen entschloß sich 1521 zum Studium der Theologie in Wittenberg; unter dem 21. April finden wir in den Wittenberger Matrikeln seinen Namen. Zu einer Begegnung mit Luther kommt es zunächst freilich nicht, da er in Worms und später auf der Wartburg weilte. So ist Philipp Melanchthon, Luthers Weggefährte, zunächst sein Ansprechpartner. 1523 erhielt er die Stadtpfarre in Wittenberg; bereits nach wenigen Monaten entfaltet er hier seine großartige organisatorische Gabe auf dem Feld der Kirchenverwaltung und der Diakonie. Daneben hielt er an der Wittenberger Universität Vorlesungen auf exegetischem Gebiet. Das Ergebnis dieser Vorlesungen waren Kommentare, die ihn bald zu einem der wichtigen Vertreter der reformatorischen Schriftauslegung machten. Seit 1533 war er ordentliches Mitglied der Theologischen Fakultät in Wittenberg (1533 Promotion zum Dr. theol.). Nach 1528 unternahm er zahlreiche Visitationsreisen, auf denen er durch die Einführung von Kirchenordnungen zur Stabilisierung der neuen Lehre und Kirche beitrug (1528 Braunschweig, 1529 Hamburg, 1531 Lübeck, 1534 Pommern, 1537 Dänemark, 1542 Holstein, 1543 Braunschweig-Wolfenbüttel, 1544 Hildesheim). Ein weiteres Anliegen neben der Einführung von Kirchenordnungen war bei diesen Reisen die Errichtung von Dorf- und Lateinschulen sowie nach Möglichkeit die Gründung einer Landesuniversität (z.B. 1538 Kopenhagen).

Die pommersche Reformation fand in den Jahren 1534/35 ihre Vollendung, als Johannes Bugenhagen zum Landtag nach Treptow kam (13. Dezember) und hier das „Grundgesetz der pommerschen Kirche“, die „Kerken Ordeninge des gantzen Pommerlandes“, vorlegte. Bugenhagen setzte den Landtagsabschied durch, in dem es hieß, „es stehe einem Fürstentum oder einer Stadt wohl zu, eine gute christliche Ordnung vorzunehmen, bis daß eine allgemeine aufgestellt wird, der, wenn sie besser ist, die besondere gern weichen möge“. Die Kirchenordnung (sie hat drei Teile: I. Van dem Predigtamt unde wo it dermede schall geholden werden; II. Van den Gemeinen Kasten; III. Van Ceremonien) wurde 1535 in Wittenberg gedruckt. Im Anschluß an den Landtag führte Bugenhagen „die große, heilsame, erste Visitation“ durch, wodurch „er seinem Vaterlande zu ewigen Ehren gedienet hat“ (D. Gramer, Kirchenchronicon). Immer wieder arbeitet Bugen hagen zwischen den Visitationsreisen in seiner Wittenberger Gemeinde und zusammen mit Martin Luther an der Revision der Bibel. Als Luther am 22. Februar 1546 zu Grabe getragen wurde, hielt er „seinem herzlichen Vater“ die Grabrede. Bis zu seinem Tod behielt er das Pfarr- und Universitätsamt bei: „Ich komme nimmer aus dieser Stadt. Hie predige ich, lese Lectionen in der Schulen, schreibe, richte Kirchsachen aus, examinire, ordinire und sende viel Prediger aus, bete mit unser Kirchen und befehle alles dem himmlischen Vater im Namen unseres Herrn Jesu Christ“.

Es war ihm noch vergönnt, die reichsrechtliche Anerkennung der evangelischen Kirche auf dem Augsburger Reichstag von 1555 zu erleben. Am 20. April 1558 verstarb er in Wittenberg. Johannes Bugenhagen, der große Reformator Pommerns, Norddeutschlands und Nordeuropas hat seinen Gemeinden durch die Kirchenordnungen etwas von dem Geist des Glaubens und der Liebe gegeben, der in der Heiligen Schrift alten und neuen Bundes bezeugt wird.

Er war, wie es in den Annalen der Greifswalder Universität hieß, „die ausgezeichnete und ewige Zierde seines Vaterlandes in der gesamten Kirche Gottes“.

Lit.: Eine Werkausgabe ist bis heute ein Desiderat der Forschung. M. Gerhardt/W. Hubatsch, Deutschland und Skandinavien im Wandel der Jahrhunderte, Bonn 19772,122-127; H.H. Holfelder, Art. Bugenhagen, in: TRE Bd. 7,354-363 (umfangreiche Literaturhinweise); U. Hutter, Die Einführung der Reformation in Pommern, in: Zeitschrift Pommern, Jg XXI, 35f. H. G. Leder, Johannes Bugenhagen, in: Gestalten der Kirchengeschichte. Bd. 5. Reformationszeit I, Stuttgart 1981, 233-246; Reformatoren in Niedersachsen. Luthers Anhänger im 16. Jahrhundert, Wolfenbüttel 1983.

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