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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Butschky und Rutinsfeld, Samuel von

Dichter

* 1612
Namslau

† 1678, 13.03.
Illnisch

Obwohl Samuel von Butschky und Rutinsfeld am Ende seines Lebens zahlreiche Werke veröffentlicht hatte und den Titel „kaiserlicher Rat“ trug, findet sich sein Name nicht in den zeitgenössischen Darstellungen zur Literatur des 17. Jahrhunderts. Es sind erst die Autoren des 19. Jahrhunderts, wie Hoffmann von Fallersleben, die Butschkys Werke lobend erwähnen. 1612 im niederschlesischen Namslau als Sohn eines protestantischen Predigers geboren, wird Butschky früh durch ein geistiges Umfeld geprägt. Als sein Vater, Samuel Butschky der Ältere 1618 nach Breslau zieht, um dort als Prediger an St. Christophori tätig zu sein, beginnt der gesellschaftliche Aufstieg der Familie. Wie aus Leichenpredigten hervorgeht, stand der Vater in Kontakt mit gelehrten Kreisen. Von ihm ist neben Gelegenheitsschrifttum ein Hunger- vnd Kummer-Jahres Ge-denckmahl anlässlich einer Hungersnot im Jahr 1630 überliefert. Jedoch erst der Sohn kann eine umfangreichere schriftstellerische Tätigkeit nachweisen.

Nach dem Besuch des Maria-Magdalenen-Gymnasiums in Breslau studiert er von 1632 bis 1637 in Wittenberg Jura und Philosophie – die meisten seiner Familie studierten dort zuvor Theologie. Während seines Studiums besucht er auch die Universitäten Leipzig und Frankfurt an der Oder. Anschließend lässt er sich als Notar und Buchhändler in Breslau nieder. Obwohl seine „Perfertische“ Buchhandlung weitere Filialen in Leipzig und Schweidnitz hatte, blieb Samuel Butschky der Jüngere, der sich seit 1647 notarius publicus caesareus nannte, genügend Zeit, sich schriftstellerisch zu betätigen. Er verfasste zahlreiche Briefbücher, Übersetzungen und unternahm auch Versuche zur Sprachpflege, die er später sogar durch eine Grammatik ergänzte. Jedoch warfen Zeitgenossen Butschky vor, dass die meisten seiner Forderungen zu Sprachpflege Plagiat seien.

Seine Werke veröffentlichte Butschky neben kleinen Gebetbüchern in seinem eigenen Verlag. Die Einrichtung einer eigenen Druckerei wurde ihm vom Kaiser jedoch nicht genehmigt. Trotz seiner literarischen Arbeit und seiner Tätigkeit als Verleger scheint er keine größere Vernetzung mit anderen schlesischen Autoren seiner Zeit gehabt zu haben – zumindest finden solche Begegnungen in seinen Werken keinen Niederschlag. Jedoch tragen seine Bücher auch nur wenige autobiographische Züge.

1654 konvertiert Butschky zum Katholizismus. Ein Schritt, den er wahrscheinlich aus Karrieregründen vollzogen hat, da er im Zusammenhang mit der Übernahme kaiserlicher Ämter steht. Dem Religionswechsel folgt wenig später die Erhebung in den Adelsstand. Obwohl Butschky in seinen Werken religiöse Par­teinahme vermeidet, ist es gut möglich, dass er aufgrund seines Glaubenswechsels von den protestantischen Geschichtschreibern des 17. Jahrhunderts, wie beispielsweise Morhof oder Lucae, keine Erwähnung findet – es handelte sich immerhin um den Glaubenswechsel des Sohnes eines protestantischen Pre­digers. Butschky wurde bereits am 19. Februar 1654 durch Ferdinand III. geadelt. Die öffentliche Bekanntmachung der Standeserhebung in Schlesien erfolgte jedoch erst am 8. Mai 1660 – nach der Krönung Leopolds I. Butschky nannte sich seit 1654 Butschky und Rutinfeld auf Illnisch und Nieder Romolkwitz – die beiden Güter in Neumarkter Kreis hatte er im selben Jahr erworben. 1654 heiratet er die Breslauer Bürgerstochter Maria Katharina Neumeisterin. Dieser Ehe entstammen sein Sohn Karl Samuel und eine Tochter namens Maria Katharina.

Butschky übt nach seinem Glaubenswechsel verschiedene kai­serliche Ehrenämter aus: 1665 ist er kaiserlich-königlicher Ober­­­amtssekretär am Oberamt Breslau, 1673 königlicher Mann­­­gerichts- und Landesältester des Fürstentums Breslau. Vier Jahre später, im Jahr 1677, scheint eine Anklage, die bis vor den Kaiser getragen wurde, den Aufstieg des Breslauer Predigersohnes zu stoppen: Butschky wird vorgeworfen sich an einem ihm anvertrauten Testament bereichert zu haben. Leider ist nichts über den Ausgang dieses Falls überliefert – das Ansehen Butschkys jedoch konnten die Vorwürfe der Veruntreuung nicht schmälern. Vor seinem Tode, am 13. März 1678, erlangt Samuel von Butschky noch den Titel kaiserlicher Rat.

Werke: Hochdeutsche Venus-Kanzeley … Schweidnitz 1644 (mehrere Auflagen mit verschiedenen Titeln). – Perfertischer Muusen Schlüssel, zur Schreibrichtigkeit der Hooch-deutschen Haupt-Sprache. Leipzig 1645. – Der hochdeutsche Schlüssel zur Schreib-Richtigkeit oder Recht-Schreibung, Leipzig. 1648. – Hoch deutsche Kanzeley Briflein … o. O. o. J.; (mehrere Auflagen mit verschiedenen Titeln). – Euthy­mia. Von einem stillen und ruhigen Gemüthe aus dem Seneca, Breslau 1656. – A-Z! … Erweitere Hochdeutsche Kanzelley … Breslau 1660. – A-Z! Senecae Flores. Des Seneca Weisheit-Lehr- und Tugend-Blu­men, Breslau 1661. – Erweiterte und verbässerte Hoch-deutsche Kan­zel­ley … 4 Bde., Breslau 1666. Im Anhang: Fünf Hundert Sinnen- Geist- und Lehr-Reiche Reden … Breslau 1666. – Pathmos; enthaltend: Sonderbare Reden und Betrachtungen allerhand Curioser … Sachen. Leipzig 1676. – Wohl-Bebauter Rosen-Thal. … Nürnberg 1679.

Lit.: August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, Parabeln und Apho­­rismen von Samuel von Butschky, in: Monatschrift von und für Schlesien (1829), S. 321-336. – Ders., Samuel von Butschky, in: ebd., S. 369-393. Auch in: Ders., Spenden zur deutschen Litteratur­ge­schichte, Band 2, Leipzig 1844. Hermann Palm, Butschky, Samuel von, in: Allgemeine Deutsche Biographie, Band 3, Leipzig 1876, S. 653-654. – Karl Günter Seiler, Samuel von Butschky und die höfische Geisteshaltung. Ein Beitrag zur höfischen Kultur der Barockzeit in Schlesien, Breslau 1937. – Oskar Pusch, Die Breslauer Rats- und Stadtgeschlechter in der Zeit von 1241 bis 1741, Band 1, Dortmund 1986, S. 220. – Marian Szyrocki, Butschky und Rutinfeld, in: Walter Killy (Hrsg.), Literatur Lexikon. Autoren und Werke deutscher Sprache, Band 2, Gütersloh 1989, S. 339-340.

Bild: Wikipedia.

Kirsten Endres

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