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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Calovius, Abraham

Theologe

* 1612, 16.04.
Mohrungen/Ostpr.

† 1686, 25.02.
Wittenberg

Abraham Calovius, Sohn eines kurfürstlichen Rentmeisters, wurde 1612 in Mehrungen/Ostpreußen geboren. Die Grundschule besuchte er in seiner Vaterstadt. In Thorn und Königsberg absolvierte er die Gymnasiallaufbahn. In Königsberg studierte er zunächst das Fach Philosophie, das er 1632 mit dem Magistergrad abschloß. Zur gleichen Zeit unterzog er sich auch der theologischen Ausbildung an der Albertina. Zu seinen theologischen Lehrern zählten insbesondere Johannes Brehm und Coelestin Myslenta, die nach dem Übertritt Johann Sigismunds zum Reformiertentum (1613) alles daran setzten, das Luthertum im Preußenland –  in Sonderheit im Lehrbetrieb der Theologischen Fakultät der preußischen Landesuniversität – zu verteidigen. 1634 ging er nach Rostock, wo er den theologischen Doktorgrad erwarb. Nur drei Jahre später zog es Calovius nach Königsberg zurück; hier wurde er zum außerordentlichen Professor für Theologie ernannt (1640). An der Albertina feierte er außergewöhnliche Lehrerfolge, da in der Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg unzählige Studenten in das vom Krieg weitgehend verschonte Preußen kamen (u.a. Studenten aus Südosteuropa – hier vor allem aus Siebenbürgen –, Dänemark, Schweden, Kurland und Livland). 1643 nahm Calovius einen ehrenvollen Ruf an die Danziger Trinitatiskirche an. Auch an dieser Wirkungsstätte war er vor das innerprotestantische Konfessionsproblem – lutherisch-reformiert – gestellt. Er sah seine Aufgabe in Danzig in erster Linie darin, die Wiederbelebung des lutherischen Charakters der Stadt zu fördern, die sich im Reformationszeitalter früh zum Luthertum bekannt hatte.

Auf dem vom polnischen König Wladislaus IV. nach Thorn einberufenen Religionsgespräch (1645) stieß Abraham Calovius mit dem damals bekanntesten Vertreter des Synkretismus, dem Helmstedter Theologen Georg Calixt, zusammen. Das Religionsgespräch in Thorn verlief jedoch – was die angestrebte Einheit der Konfessionenanging – ohne Ergebnisse. Deshalb sah Calovius danach auch keinen Hinderungsgrund, sich weiter polemisch und kontrovers mit den Reformierten und Sektierern auseinanderzusetzen.

1650, als er vergeblich auf einen abermaligen Ruf an die Königsberger Universität wartete, nahm er eine Berufung auf die dritte theologische Professur nach Wittenberg an. Ein Hauptgrund, warum Calovius überhaupt für die Wahl vorgeschlagen wurde, war, daß ein „Doctor, der in Streitschriften und anderen theologischen Exercitiis wohl erfahren sei“ für diese Alma mater gesucht wurde. Wenig später wählte man Calovius zum Pfarrer und Generalsuperindenten (1652).

Sehr rasch erlangte die Universität Wittenberg durch ihn neues Ansehen, und zum letzten Male in ihrer Geschichte wurde diese Hochschule durch den ostpreußischen Theologen zu einem von Studenten bevorzugten Studienort. In seinen Vorlesungen sollen bisweilen über 500 Zuhörer gesessen haben.

Der synkretistische Streit wurde nun von Wittenberg aus fortgeführt, wobei es zwischen den beiden Kontrahenten Calovius und Calixt zu keiner erneuten persönlichen Kontaktaufnahme kam, da Calixt bereits 1656 starb.

Um die lutherische Lehre auf ein neues Fundament zu stellen, gab Calovius 1655 ein erneuertes lutherisches Bekenntnis „Consensus repetitum fidei Lutheranae“ heraus, das sich aber auf die Dauer nicht durchgesetzt hat. Die von 1655-1677 verfaßte dogmatische Hauptarbeit „Systema locorum theologicorum“ ist neben den „Loci“ des Johann Gerhard die „wohl bedeutendste und charakteristischste Dogmatik des orthodoxen Luthertums“ (F. Lau). Für die Philosophiegeschichte sind besonders die Frühwerke „Gnostologie“ (1633) und „Noologie“ (1650) wichtig, da sich hier gedankliche Vorwegnahmen, die später bei Kant auftauchen, finden.

Abraham Calovius war ein vielseitig gebildeter Theologe, für den, fern allen philosophischen und dogmatischen Streits um die rechte Lehre, das Zentrum der theologischen Wissenschaft die Biblische Theologie war. Nicht ohne Grund wird heute in der theologischen Forschung seine Bedeutung für die Auslegung der Heiligen Schrift im Jahrhundert nach der Reformation hervorgehoben. Calovius starb am 25. Februar 1686 in Wittenberg. Er ist der bislang am wenigsten erforschte Theologe der lutherischen Orthodoxie. Wenn auch heute einige Aspekte seines Wirkens und Werkes von der Forschung aufgearbeitet wurden, so steht eine Gesamtbiographie bislang noch aus.

Werke: Eine Ausgabe seiner Schriften wurde nie erstellt. Die wohl größte Sammlung der gedruckten Arbeiten Calovius’ befindet sich in der Biblioteka Gdańska PAN.

Lit.: G. Hoffmann, Lutherische Schriftauslegung im 17. Jahrhundert, dargestellt am Beispiel Abraham Calovs, in: Das Wort und die Wörter. FS Gerhard Friedrich, Stuttgart 1973,127-142; W. Hubatsch, Das Thorner Religionsgespräch von 1645 aus der Sicht des Geistlichen Ministeriums der Dreistadt Königsberg, in: Thorn, Königin der Weichsel 1231-1981. Hrsg. von B. Jähnig und P. Letkemann, Göttingen 1981, 239-258, J. Wallmann, Artikel Abraham Calov, in: TRE Bd. 7, Berlin 1981, 563-568 (dort weitere Lit.!).

Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Abraham_Calov

Ulrich Hutter-Wolandt

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