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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Diebitsch-Sabalkanskij, Johann Karl Friedrich Anton von

Feldmarschall

* 1785, 13.05.
Großleipe/Schlesien

† 1831, 10.06.
Pultusk/Warschau

Die Konvention von Tauroggen – vom 30.12.1812 – zwischen dem preußischen General von York und dem russischen General von Diebitsch war der Auftakt für die Befreiungskriege gegen die französische Vorherrschaft in Europa. Als die Große Armee Napoleons im Winter 1812 in wilder Flucht aus Rußland zurückflutete, sollte das preußische Hilfskorps des Generals York im Rahmen des noch intakten französischen Korps Macdonald ihren Rückzug decken. Der russische General Graf Wittgenstein forderte York auf, mit seinen Truppen zu ihm zu stoßen. York tat dies nicht, sondern schloß mit Diebitsch einen Neutralitätsvertrag. Yorks auf eigene Verantwortung gefaßter Entschluß machte ihn mit einem Tage berühmt. Diebitsch aber hatte an dem epochemachenden Ereignis einen nicht unerheblichen Anteil. Das Manöver, durch das sich zuvor Wittgensteins Truppen zwischen York und Macdonald schoben, geht ganz auf Diebitschs Rechnung. Er führte als russischer Bevollmächtigter mit großem Geschick die Verhandlungen mit York, nachdem er sich wiederholt mit ihm zwischen den Vorposten getroffen hatte. Hans von Diebitsch wurde am 3.5.1785 als jüngster Sohn des preußischen Offiziers Hans Eberhard von Diebitsch auf dem heimatlichen Gute Groß-Leipe, Kreis Trebnitz, geboren.1797-1801 besuchte er das Kadettenkorps in Berlin. Da der Vater, Hans Eberhard von Diebitsch, inzwischen russischer Offizier geworden war, ließ er seinen Sohn für den russischen Militärdienst freigeben. Hans von Diebitsch hat sich seinen Weg vom Fähnrich zum russischen Generalfeldmarschall selbst gebahnt. Binnen eines Jahres beherrschte er die russische Sprache. In der Schlacht bei Austerlitz 1805 empfing er die Feuertaufe. 1808-12 widmete er sich kriegsgeschichtlichen Studien und wurde als Oberstleutnant in den Generalstab des russischen Heeres eingereiht. Am 2. Mai 1813 traf er auf dem Schlachtfeld von Lützen mit York zusammen, der zu ihm gesagt haben soll: „Sie waren es, der mich zu einem Schritt bewegte, welcher mir bis jetzt keinen Lohn gebracht hat, und Napoleon triumphiert dennoch.“ Das läßt auf den Einfluß von Diebitsch auf den Abschluß der Konvention schließen.

Im Hinblick auf die dort bewiesene Geschicklichkeit sandte ihn Kaiser Alexander nach Reichenbach in Schlesien, wo es galt, das schwankendeÖsterreich zu den Verbündeten hinüberzuziehen. Im Anschluß an den Vertrag mit Österreich wurde bei der Zusammenkunft der Monarchen in Trachenberg im Juli 1813 der Operationsplan entworfen. Diebitsch wurde – erst achtundzwanzigj ährig – zum Generalleutnant befördert und zum Generalquartiermeister des 1. Armeekorps ernannt. An den weiteren Schlachten nahm er im Verband der Schwarzenbergischen Armee teil. Während Schwarzenberg nach einer Niederlage im März 1814 sich zum Rückzug entschloß, unterstützte Diebitsch Blüchers Plan, nach Paris zu marschieren. Am 31. März zog Diebitsch mit den siegreichen Verbündeten in Paris ein. Nach dem Friedensschluß vermählte er sich mit Jenny von Tornau. Wenig später war er als Flügeladjudant ständiger Begleiter Zar Alexander I. auf dessen Reisen.

1824 wurde er Chef des russischen Generalstabes. Nach dem Tode Alexander I. erwarb er sich rasch das Vertrauen seines Nachfolgers, Zar Nikolaus I., indem er eine Militärverschwörung aufdeckte und half, den Dekabristenaufstand niederzuwerfen. Im 1828 ausgebrochenen Türkischen Krieg trat er als Oberbefehlshaber an die Stelle Wittgensteins, erzwang den Übergang über den Balkan und besetzte Adrianopel. Nikolaus I. belohnte ihn durch die Verleihung des Beinamens Zabalkanskij (Übersteiger des Balkans) und die Ernennung zum Generalfeldmarschall. Als Oberbefehlshaber im Kampf gegen den 1830 ausgebrochenen polnischen Aufstand verließ Diebitsch das Kriegsglück. Als seine Absetzung auf Grund von Intrigen bevorstand, ereilte ihn am 9. Juli 1931 der Tod durch die Cholera.

Diebitsch war von kleiner Statur, doch verkündeten die strahlenden Augen einen feurigen energischen Geist. Als Taktiker wie als Diplomat verfuhr er mit ungewöhnlicher Geschicklichkeit und suchte – angetrieben von Ehrgeiz und Tatendrang – seinen Willen durchzusetzen. Er war einer unter vielen schlesischen Adligen, die seit der Europäisierung des Zarenreiches in russische Dienste getreten waren. Von russischer Seite ist seine Bedeutung als militärischer Ratgeber der Zaren anerkannt worden, gleichwohl gibt es keine erwähnenswerte russische Biographie des Feldmarschalls.

Lit.: Hans Guhr, Hans Graf von Diebitsch-Zabalkanskij, in: Schlesische Lebensbilder, Band IV, Breslau 19; Neue Deutsche Biographie, Band m, Berlin 1957.

Abb.: Gipsbüste von Christian Rauch, 1830

Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Karl_von_Diebitsch-Sabalkanski

Heinrich Trierenberg

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