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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Dobbelstein, Wikbold

Bischof von Kulm

* 1312, 26.01.

† 1400, (vor) 21.07.
Köln (?)

Am 28. Juli 1379 weihte Wikbold Dobbelstein, der „aus seiner Diözese vertriebene Bischof von Kulm“, die Klosterkirche zu Altenberg ein, einen der größten Kirchenbauten in der Region um Köln, umgangssprachlich auch als „Altenberger Dom“ bezeichnet. 1133 hatten die Grafen von Berg ihre Stammburg den Zisterziensern übergeben. Der 1255 begonnene Bau einer neuen, am gotischen Kathedralstil orientierten Klosterkirche geriet im 14. Jahrhundert ins Stocken. Daß er dennoch vollendet wurde, wird vornehmlich Wikbold zugeschrieben, dessen Spenden sich auf 4070 Gulden summierten. Entsprechende Präsenz widerfuhr ihm in der Kirche: Wikbold wurde in einer prächtigen Tumba neben dem Hochaltar beigesetzt, eine seiner Schenkungsurkunden im „armarium“, der Sakristei, offen aufgehängt.

Die Familie Dobbelstein gehörte zum rheinischen Niederadel, sie stand in Verbindung zum Erzstift Köln und zum Herzogtum Limburg. Später stellte sie mehrere Stiftsherren des Aachener Marienstiftes. Wikbolds Jahrgedächtnisstiftung in seiner Kulmseer Domkirche überliefert die Namen seiner Eltern: „patris nostri Tithmari Dobilsteyn“ und „domine Margarethe, matris nostre“. Wikbolds Grabinschrift nennt das Geburtsdatum 26. Januar 1312.

Am 16. Januar 1352, in der ersten von dem neuen Hochmeister des Deutschen Ordens, Winrich von Kniprode, ausgestellten Urkunde, erscheint unter den Zeugen erstmals „her Wigbolt unser Kappelan“. Nach wenig späteren Nachrichten fungierte der Hochmeister-Kaplan als Beichtvater und Kanzleichef. Erstmals bei Wikbold erfolgte eine Neubesetzung dieser Vertrauensposition beim Wechsel des Hochmeisters. Mit Winrich gemeinsam hatte er die rheinländische Herkunft. 1356 war Wikbold Domherr von Pomesanien – dem Bistum, dem auch die Marienburg zugehörte. Das Domkapitel war dem Deutschen Orden inkorporiert. Die Zugehörigkeit zum Domkapitel wie auch das Amt des Hochmeister-Kaplans belegen indirekt, daß Wikbold Priesterbruder des Deutschen Ordens war.

Am 24. März 1363 providierte Papst Urban V. Wikbold zum Bischof von Kulm, nachdem er den an der Kurie weilenden Vorgänger nach Hildesheim transferiert hatte. Damit war erstmals die direkte Berufung eines Hochmeister-Kaplans auf einen Bischofsstuhl geglückt. Die dreißigjährige Amtszeit von Wikbolds Förderer Winrich von Kniprode als Hochmeister gilt als Blütezeit der Ordensherrschaft in Ost- und Westpreußen. Wikbolds Kulmer Tätigkeit verlief jedoch unglücklich. Mit der Stadt Kulmsee mußte er einen langen Rechtsstreit um seine Tafelgüter führen. Auseinandersetzungen mit zwei Rittern eskalierten zur Entführung des Bischofs und einiger Begleiter über die polnische Grenze. Erst nach mehrmonatiger Gefangenschaft und Zusicherung von Straffreiheit ließen die Entführer Wikbold frei.

Preußen war ihm danach offensichtlich verleidet. 1376 urkundete er in Koblenz. Aus der Folgezeit sind verschiedene Stiftungen im Rheinland überliefert, so (neben Altenberg) an den Kölner Stiften St. Kunibert und St. Andreas. Seinen ständigen Wohnsitz fand er im Altenberger Stadthaus in Köln, in dessen Umbau und Ausstattung er weitere 800 Gulden investierte. Herzog Wilhelm von Berg bezeichnete ihn als „singularis amicus noster“. 1385 resignierte Wikbold gegen jährliche Pensionszahlung auf sein Bischofsamt. Nachfolger wurde mit Reinhard von Sayn wiederum ein Rheinländer. Am 21. und 22. Juli 1400 verzeichneten Wikbolds Testamentsvollstrecker seinen Nachlaß, offenbar kurz nach seinem Tod. Carl Peter Woelky, der Editor dieser Urkunde, weist in einem umfangreichen Kommentar eine Altenberger Überlieferung zurück, Wikbolds Todesjahr sei 1398.

Wikbolds an herausragender Stelle aufgestellte Grabtumba ging nach der Aufhebung des Klosters 1803 verloren: 1821 wurden die gravierten Messingplatten mit Passionsszenen auf den Seitenwänden gestohlen, 1830 wurde die Deckplatte mit dem Bild Wikbolds an einen Solinger Kupferhändler verkauft und eingeschmolzen (erhalten hat sich ein Abdruck). Die Tumba wurde bald danach abgebrochen. Kurz danach stoppten staatliche Maßnahmen den weiteren Verfall des Kirchenbaus, dessen Vollendung im späten 14. Jahrhundert mit umfangreichen Geldleistungen aus Westpreußen verknüpft war.

Lit.: Urkundenbuch des Bisthums Culm 1234-1774, bearb. von Carl Peter Woclky. Danzig 1887. – Preußisches Urkundenbuch. Bd. 6 und 6.1, bearb. von Klaus Conrad, Marburg/Lahn 1969-86. – Friedrich Gerss: Zu Hermann Bischof von Samland und Wicbold Bischof von Culm, in: Altpreußische Monatsschrift 13 (1876), S. 466-483. – Friedrich C. Heimann: Verschwundene Ehrungen für Bischof Wikbold von Kulm im Altenberger Dom, in: Zeitschrift für christliche Kunst 34 (1921), S. 66-74, und 92-100. – Hans Mosler: Die Cistercienserabtei Altenberg (Germania Sacra. Das Erzbistum Köln 1). Berlin 1965. – Gerd Steinwascher: Wikbold Dobbelstein, Bischof von Kulm. Eine kurze Biographie, in: Brigitte Lymant (Hg.): Die mittelalterlichen Glasmalereien der ehemaligen Zisterzienserkirche Altenberg. Bergisch-Gladbach 1979, S. 10-25. – Martin Armgart: Die Handfesten des preußischen Oberlandes bis 1410 und ihre Aussteller. Köln, Weimar, Wien, 1995, S. 118-125 (zu Hochmeister-Kaplänen), und S. 157-160 (zu Wikbold). – Martin Armgart, Wikbold Dobbelstein. Hochmeisterkaplan, Bischof und Mäzen in der Zeit Winrichs von Kniprode, in: Preußische Landesgeschichte: Festschrift für Bernhart Jähnig zum 60. Geburtstag, 2001, S. 151-159.

Bild: Zeichnung der Tumba Wikbolds in der Abteikirche Altenberg, fotocollectie.huisdoorn.nl

Martin Armgart

 

 

 

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