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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Dohm, Ernst

Autor, Publizist

* 1819, 24.05.
Breslau

† 1883, 05.02.
Berlin

Die Märzrevolution in Berlin, der Zusammentritt der ersten deutschen Nationalversammlung in der Paulskirche zu Frankfurt am Main, das „Kommunistische Manifest“, das Karl Marx zusammen mit Friedrich Engels veröffentlichte, auch die Gründung der konservativen „Neuen Preußischen Zeitung“, der „Kreuzzeitung“ durch Bismarck kennzeichnen als Ereignisse des Jahres 1848 die Situation, aus der heraus damals in Berlin die politisch-satirische Zeitschrift „Kladderadatsch“ entstand, die fast hundert Jahre hindurch existierte und erst 1944 eingestellt wurde. Von ihrem Anfang an 35 Jahre hindurch trug dieses Wochenblatt den Stempel jener Persönlichkeit, deren Name hinter dem des Blattes alsbald zurückzutreten begann, so daß beide gleichsam zu gleichlautenden Begriffen wurden.

Von der zweiten Nummer des im Frühjahr 1848 gegründeten Blattes an trat der Publizist Ernst Dohm als geistiger Motor und Ziehvater des zu jener Zeit noch recht gewagten Unternehmens hervor. Am 24. Mai 1819 in Breslau geboren, studierte er zunächst in Halle Theologie und Philosophie, opferte aber seinen geistlichen Beruf nach zwölf offenbar nicht gerade sehr überzeugend gelungenen Predigten, um sich ganz seinen schon damals vorhandenen literarischen Neigungen zu widmen. So geht er als Hauslehrer nach Berlin, wird dort Mitglied der zu jener Zeit berühmten literarischen Vereinigung „Das Rüetli“, in der er im Winter 1845/46 ein Podium auch für seine satirische Begabung fand, und veröffentlicht gleichzeitig seine ersten Essays über spanische und französische Literatur im „Magazin für die Literatur des Auslandes“, das 1832 gegründet worden war. Auch andere Organe, so etwa „Der Gesellschafter“, drucken seine Beiträge. Ernst Dohm, für den die Ereignisse des Jahres 1848 den Anstoß für seine Hinwendung zu Kritik und Satire im politischen Umfeld des damaligen Literatentums, fand im „Kladderadatsch“ als Verleger Albert Hofmann, den angehenden Schriftsteller David Kalisch, der ebenfalls aus Breslau stammte, und den jungen Zeichner Wilhelm Scholz vor, den er, ebenso wie Rudolf Löwenstein, schon im Kreise des „Rüetli“ kennen gelernt hatte. Aus Breslau kamen später noch weitere Mitarbeiter zum „Kladderadatsch“, so etwa der Amtsgerichtsrat Max Friedländer (1853-1915), der noch bis zu seinem Tode Redakteur des Blattes und bezeichnenderweise wie Rudolf Löwenstein (1819-1891) Angehöriger der „Alten Breslauer Burschenschaft der Raczeks“ war.

Am 7. Mai 1848 war der „Kladderadatsch“ zum ersten Mal in den Straßen Berlins als „Organ für und von Bummlern“ ausgerufen worden. In der Nummer vom 27. Mai 1848, der Nummer 2, zeichnete bereits Ernst Dohm als verantwortlicher Redakteur und er blieb es mit kurzer Unterbrechung bis wenige Monate vor seinem Tode. Was den Inhalt des Blattes, das „täglich mit Ausnahme der Wochentage“ erschien, und seine Haltung insgesamt ausmachte, so waren Kritik und Satire bei aller mutigen und gelegentlich rücksichtslosen Schärfe noch stets von jenem journalistischen Taktgefühl bestimmt, dem sogar politische Gegner Anerkennung zollten.  So konnte Dohm über den „Kladderadatsch“ durchaus fordernd und bestimmend auf die öffentliche Meinung einwirken. Er trat dabei ebenso für den nach 1849 verfolgten Wagner wie für Bismarcks preußisch-deutsche Politik nach 1866 ein. Das Urteil des „Kladderadatsch“ wurde mehr und mehr maßgebend für die Beurteilung von Zeitfragen in der allgemeinen Öffentlichkeit.

Natürlich konnte es nicht ausbleiben, daß Ernst Dohm, der verantwortliche Redakteur gelegentlich auf Anklagebänken Platz nehmen mußte. Mehrmals saß er in der alten Berliner Stadtvogtei am Molkenmarkt ein, die er als „enges Loch, neun Ellen im Geviert, kaum größer als die Großmacht von Reuß-Gera“ beschrieb. Gleichwohl sind vor allem seine Gedichte, die zumeist an der Spitze der einzelnen Nummern seines Blattes standen, Dokumente der Zeit, wie etwa sein Gedicht auf die „Schlacht von Metz“ (1870), die zur Kapitulation der in Sedan eingeschlossenen französischen Hauptarmee unter Marschall MacMahon und zur Gefangennahme Napoleons III. führte, der schließlich die Ausrufung der Republik in Frankreich folgte. Dokumente der Zeitgeschichte sind weiterhin etwa die satirischen Hefte aus dem Jahre 1849 „Der Aufwiegler in der Westentasche“ oder die satirische Posse aus dem Jahre 1864 „Der trojanische Krieg“ als Scherz auf den deutsch-österreichischen Konflikt des Jahres 1850.

Ernst Dohms literarische Tätigkeit erstreckte sich darüber hinaus auch auf die Abfassung von Übersetzungen. So gibt es von ihm eine deutsche Ausgabe der Fabeln Jean de La Fontaines und auch der deutsche Text zu Jacques Offfenbachs Operette „Die schöne Helena“ (1864) nach der Vorlage der Offenbach-Librettisten Meilhac und Halevy stammt von ihm. Als seine letzte bekannt gewordene Veröffentlichung gilt die 1879 erschienene „ungereimte Chronik“ unter dem Titel „Sekundenbilder“. Ernst Dohm starb am 5. Februar 1883 in Berlin.

Lit.: Allgemeine Deutsche Biographie, Band 47, 1903, S.737ff., und Band48, 1904, S. 219ff.

Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Dohm

Heinz Rudolf Fritsche

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