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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Dücker, Eugen

Maler

* 1841, 29.01.
Arensburg auf Oesel/Estland

† 1916, 06.12.
Düsseldorf

Vor 150 Jahren wurde in Arensburg auf der estländischen Insel Oesel der Maler Eugen Dücker geboren. „Der hochbegabte Künstler und seine ebenso berühmten Landsleute von Gebhardt und Bochmann bilden in Düsseldorf ein baltisches Künstlergestirn, das leuchtend und befruchtend auf die deutsche Kunst wirkt.“ Nachzulesen in dem Werk „Baltische Maler und Bildhauer des XIX. Jahrhunderts“ des Kunsthistorikers Wilhelm Neumann (1908).

Der Trieb zu malen, oder wichtiger damals, wie Eugen Dücker bekannte, zu kopieren, saß wohl von Kind auf in ihm und fand seine erste Anregung und Nahrung in den Arbeiten seines Vaters, des Tischlers und Baumaterialienhändlers im estländischen Pernau, Eduard Dücker. Sein nächster Mentor war der Zeichner und Lithograph Friedrich Sigismund Stern (1812-1889), der seit 1841 als Schreib- und Zeichenlehrer an der Adligen Kreisschule, seit 1861 am Progymnasium in Arensburg tätig war und durch gute landschaftliche Vorlagen Dückers Liebe zur Kunst wesentlich gefördert hat. Als Dücker mit seinen Eltern nach Pernau übersiedelte, trat an die Stelle Sterns der aus Genf gebürtige Lehrer der französischen Sprache Saget, der Mappen voll interessanter Stiche und Farbendrucke aller Art besaß. Dücker wurde nicht müde, sie zu kopieren. Als seine Eltern über die Berufswahl ihres Sohnes zu entscheiden hatten, entsprachen sie seinem Wunsch, Künstler zu werden. So begab er sich im Jahre 1858 nach St. Petersburg, um an der dortigen Akademie der Künste zu studieren. Ein Onkel, bei dem er wohnte, brachte ihn in Verbindung mit verschiedenen Künstlern, die ihn bestimmten, Bildhauer zu werden. So arbeitete er zunächst unter der Leitung von Professor Jenssen in dessen Privat-Atelier, wandte sich jedoch alsbald der Malerei zu und arbeitete bei Professor Worobjew, dem damaligen Vertreter der Landschaftsmalerei, an der Akademie. Daß er hier das seinen Neigungen entsprechende Gebiet gefunden hatte, bewies die Tatsache, daß ihm in rascher Folge Medaillen zuerkannt wurden: die Kleine goldene für zwei Landschaften aus Livland (1861), die Große goldene für eine Waldlandschaft aus der Umgebung von Reval (1862). Darüber hinaus wurde er als Stipendiat der Akademie für die Dauer von sechs Jahren zu weiterer Ausbildung ins Ausland geschickt.

Dücker ging zunächst nach Karlsruhe, anschließend nach München, weilte auch in Berlin und Stuttgart und zog im Jahre 1864 nach Düsseldorf, wohin bereits 1860 der 1838 in St. Johannis/Estland geborene Eduard von Gebhardt gegangen war und 1868 der im Jahre 1850 in Nehat/Estland geborene Gregor von Bochmann folgen sollte. In Düsseldorf wurde Dücker 1872 als Nachfolger Oswald Achenbachs an die Akademie berufen. Seit Herbst 1874 lehrte er dort als Akademieprofessor. Im Jahre 1873 hatte ihn auch die Akademie der Künste zu St. Petersburg, deren Ausstellungen er wiederholt beschickte, zum Professor ernannt. Dücker war Landschaftsmaler und galt damals als Vertreter eines gesunden Realismus, als Bahnbrecher der modernen Richtung der Landschaftsmalerei. Die Motive zu seinen Bildern stammten teilweise aus seiner estländischen Heimat, aus der Umgebung von Reval, von der Insel Margen, bevorzugt aber auch von der Insel Rügen, deren landschaftlicher Charakter nach seiner Aussage so viel Ähnlichkeit mit seiner baltischen Heimat hatte. Seine Bilder, so hieß es, seien auf Ausstellungen nur selten zu sehen gewesen, da die Mehrzahl seiner Arbeiten aus seinem Atelier direkt in Öffentlichen oder privaten Besitz übergegangen seien. Werke des Künstlers finden sich heute in zahlreichen Museen und Galerien von Hannover und Bremen, über Münster, Düren und Mainz bis Stuttgart, in Düsseldorf und Wiesbaden, in der Ostdeutschen Galerie Regensburg, den Staatlichen Museen in Berlin (Ost) und in Weimar, in Riga und Reval, auch in St. Petersburg. Andere befanden sich früher auch in Königsberg, Breslau und Dresden. Kollektivausstellungen des Künstlers wurden 1910 und 1917 in Düsseldorf gezeigt, ebenso im Jahre 1918 eine Nachlaßausstellung mit 454 Exponaten und eine Gedächtnisausstellung im Jahre 1941. Eugen Dücker starb in Düsseldorf am 6. Dezember 1916.

Eine jüngere Schwester des Künstlers, Marie Dücker, am 25. Juli 1847 in Arensburg geboren, wurde als Schülerin ihres Bruders ebenfalls Malerin. Sie schuf Blumenstücke von leuchtendem Kolorit, Stillleben und Landschaften, überwiegend in Öl, und war als freischaffende Künstlerin und private Mallehrerin in Pernau tätig.

Lit.: Deutschbaltisches biographisches Lexikon 1710-1960. Köln/Wien 1970. – Wilhelm Neumann: Baltische Maler und Bildhauer des XIX. Jahrhunderts. Riga 1902. – Wilhelm Neumann (Hrsg.): Lexikon baltischer Künstler. Riga 1908. – Kuno Hagen: Lexikon deutschbaltischer bildender Künstler, 20. Jahrhundert. Köln 1983.

Bild: Bildarchiv E. Thomson, Lüneburg.

Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Eugen_D%C3%BCcker

Erich Thomson

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