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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Dudith, Andreas

Humanist, Theologe

* 1533, 16.02.
Ofen/Ungarn

† 1589, 23.02.
Breslau

Andreas Dudith von Horchowicza war eine der bekanntesten und gelehrtesten Persönlichkeiten des an Begabung so reichen 16. Jahrhunderts in Europa. „Wenige Zeitgenossen übertrafen ihn an Vielseitigkeit, staatsmännischer Geschicklichkeit und Beredtsamkeit. Er war Diplomat, Dichter, Redner, Geschichtsschreiber und Übersetzer, außerdem ein Polyhistor in vollster Bedeutung des Wortes, gründlich bewandert in Theologie, Mathematik, Astronomie, Medizin und Philologie“ (C. Juhász). Dudith war aber nicht nur ein Universalgenie, sondern auch ein universaler Mensch, der mit der ganzen europäischen Geistes weit in Verbindung stand.

Geboren wurde er am 16. Februar 1533 in Ofen (Ungarn), wo sein Vater ein Hofrat des Königs Wladislaw II. (1490-1516) war. Dank der Großzügigkeit seines Onkels mütterlicherseits, des Bischofs von Waitzen, Agostino Sbardellati – diese Familie war aus Venedig nach Ungarn eingewandert – erhielt er eine glänzende Ausbildung, zuerst in Breslau (etwa von 1540-1550), dann in Verona und Padua (1550-1553). In Italien erlernte er neben der italienischen die polnische Sprache und befreundete sich mit polnischen Studenten, die später in der Kirchen- und Kulturgeschichte Polens eine große Rolle spielten. 1553-1554 studierte Dudith griechisch und orientalische Sprachen in und begleitete den päpstlichen Legaten, Reginald Kardinal Pole, nach Schottland und England.

Die Heimat wurde auf seine außerordentliche Begabung schnell aufmerksam. Kardinalprimas Miklós Oláh (1553-1568) ernannte ihn bald – nachdem er zum Priester geweiht wurde – zum Apostolischen Notar, zum Domkapitular von Gran, Titularpropst von Felhéviz und zum Graner Propst. Dudith hielt sich jedoch in Ungarn nur kurze Zeit auf. Das Jahr 1558 sah ihn in Paris, 1559 war er wieder in Padua und Wien.

Seine Ernennung zum Bischof von Knin (Tinnin) in Dalmatien war noch im Gange, als die ungarische Nationalsynode zu Tyrnau am 1. Januar 1561 ihn als Vertreter des ungarischen Episkopates zum Konzil nach Trient schickte. Aufgrund einer speziellen päpstlichen Ermächtigung durfte er, der noch nicht zum Bischof geweiht war, am Konzil teilnehmen. Bereits seine erste Konzilsrede am 6. April 1562 machte auf die Väter außerordentlichen Eindruck. Er stellte jedoch seine glänzende Beredsamkeit, profundes Wissen und sein eindrucksvolles Auftreten ganz in den Dienst der Kirchenpolitik des Kaisers Franz Ferdinand I.: er warb um eine kompromißfreundlichere Haltung des Konzils gegenüber den Protestanten, vor allem um die Gestattung der hl. Kommunion unter beiden Gestalten bzw. um die Zulassung der Priesterehen. Er wurde bald Mitglied wichtiger Konzilskommissionen und als Konzilslegat zum Kaiser nach Wien geschickt. Ferdinand I. schenkte ihm sein volles Vertrauen, und schickte ihn in diplomatischer Mission dreimal nach Polen und ernannte ihn im nachhinein zum Bischof von Csanád und Bischof von Fünfkirchen.

Dudith wandte sich jedoch mehr und mehr der Diplomatie und Wissenschaft zu als der Seelsorge seiner Diözese. Anfang 1565 ging er in kaiserlichem Auftrag nach Polen und lebte dort am königlichen Hofe, meist in Wilna. Zu dieser Zeit brach er mit der Kirche. Anfang 1567 heiratete er eine Hofdame und verzichtete auf sein Bistum. Die römische Konsistorialkongregation enthob ihn daraufhin aller Ämter und exkommunizierte ihn. Bis 1572 lebte Dudith in Krakau, nahm Verbindung mit der dortigen protestantischen Kirchengemeinde auf und trat in Korrespondenz mit allen führenden Persönlichkeiten der Reformation in Ost und West. Bei der Thronfolge 1572 und 1575 vertrat er in kaiserlichem Auftrag das Interesse des Hauses Habsburg in Polen. Er schreckte sogar vor einer Verschwörung gegen König Báthory (1575-1586) nicht zurück. Das hatte aber zur Folge, daß er des Landes verwiesen wurde. Da er nach dem Tode seiner ersten Frau eine reiche polnische Aristokratin geheiratet hatte und so materieller Sorgen enthoben war, ging er 1576 nach Schlesien. Seit 1579 lebte er in Breslau, wo er am 23. Februar 1589 starb und in der Elisabeth-Kirche begraben wurde. Dudith widmete seine letzten Lebensjahre der Wissenschaft, besonders der Theologie, in der er sich der extremradikalen Richtung der Reformation, dem Arianismus (oder Unitarismus) anschloß. Sein großer schriftlicher Nachlaß, besonders sein Briefwechsel mit den Fürsten, Staatsmännern, Gelehrten und sonstigen berühmten Persönlichkeiten ganz Europas, ist zum Teil heute noch nicht veröffentlicht.

Lit.: Costil, Pierre, Andre Dudith, humaniste hongrois 1533-1589. Sa vie, son oeuvre et ses manuscripts grecs. Paris 1935. Juhász, Coloman, Andreas Dudith. Ein Beitrag zur Geschichte und der Gegenreformation, in: Historisches Jahrbuch 55 (1935), S. 55-74.

Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Andreas_Dudith

Gabriel Adrianyi

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