Kulturportal
Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Dziembowski, Sigismund von

Politiker und Landeshauptmann

* 1849, 05.05.
Bobelwitz

† 1915, 22.10.
Bobelwitz

Sigismund v. Dziembowski stammte aus dem reformiert-kalvi­nistischen Zweig der polnischen Adelsfamilie Dziembowski h. Pomian. Zu der Wappenfamilie Pomian, die einen von einem Schwert durchstoßenen schwarzen Büffelkopf als Wappentier auf goldenem Grund hat, gehören viele Adelsfamilien. Sie lebten vor allem in den Wojewodschaften Großpolen (Posener Land) und Sandomir (Sandomierz). Es sollen etwa 450 Familien sein, zu denen neben den Dziembowski auch die Grabski, Kaczkowski und Sokołowski gehören. Der älteste Beleg dieser Adelsgroßfamilie stammt von einem Siegel aus dem Jahr 1306.

Nach der polnischen Adelstradition benannten sich die einzelnen Familien nach ihrem Hauptgutsbesitz. Im Fall der Familie Dziembowski war dies das Dorf Dziembowo im Posener Kreis Kolmar i.P. (Chodzież).

Im Zeitalter der Reformation teilte sich die Familie in zwei Zweige, einen, der dem calvinistischen Glaubensbekenntnis anhing, und einem auch später katholischen Zweig.

Dem evangelischen Familienzweig war ein Aufstieg in höhere Ämter im Königreich Polen verwehrt, da der katholische Glauben dessen Voraussetzung war. Auch die Auswahl an möglichen Ehepartnerinnen war stark eingeschränkt, daher heirateten die reformierten Dziembowski im höheren Maße in deutschstämmige Familien des Königreichs Polen ein.

Sigismunds Urgroßvater, Stefan Adam v. Dziembowski (1709-1782), begründete den Zweig auf Gut Bobelwitz (Bobowicko) im Posener Kreis Meseritz (Międzyrzecz). Er war der Sohn des Chrystian (III) Konrad und der Ewa Elżbieta Bojanowska, deren Familie ebenfalls protestantisch war und einen eher deutschsprachigen Zweig ausbildete.

Stefan Adam erwarb 1755 Bobelwitz als Familienbesitz. Er heiratete die evangelische Karoline v. Kalckreuth, deren Familie bereits seit anderthalb Jahrhunderten in Polen lebte und das Indigenat durch König Jan III. Sobieski erhalten hatte.

Sein Sohn Władysław Sigismund v. Dziembowski (1763-1830) beerbte den Vater und war seit 1801 mit der nichtadeligen Müllerstochter Johanna Dorothea Elisabeth Jüngel verheiratet.

Ihr Sohn Carl August v. Dziembowski (1807-1883) ehelichte 1845 erneut eine Kalckreuth und zwar ebenfalls eine Gutsnachbarstochter: Laura Emilia Valeska (= Wally) v. Kalckreuth.

Neben zwei Töchtern hatten sie einen Sohn, den sie Zygmunt Fryderyk Leonard nannten. Sigismund (Friedrich Leonhard) v. Dziembowski wurde am 5. Mai 1849 in Bobelwitz geboren.

Über seine schulische Ausbildung ist nichts bekannt. Vermutlich besuchte er das Gymnasium entweder in Meseritz oder in Posen. Er leistete seinen Militärdienst ab und blieb als Reservist beim Husaren-Regiment in Posen, wo er es bis zum königlich preußischen Oberleutnant brachte.

Vermutlich in Berlin studierte er Jura und promovierte zum Dr. iur., ehe er dann in den preußischen Staatsdienst eintrat. Im Jahr 1870 wurde er Gerichtsreferendar und setzte seine Laufbahn dann im oberschlesischen Beuthen (Bytom) fort, wo er 1876 nach bestandener Prüfung zum Gerichtsassessor ernannt wurde. Hiernach kehrte er in seine Heimatprovinz zurück und wurde 1877 Regierungsassessor in Bromberg (Bydgoszcz).

Die königliche Regierung in Bromberg setzte ihn noch im selben Jahr als kommissarischen Landrat des Kreises Wongrowitz (Wągrowiec) ein. Im folgenden Jahr (1878) berief man ihn dann zum Landrat des Kreises Samter (Szamotuły), wodurch er nun der Regierung in Posen unterstand und seiner Heimat näher war, denn er bewirtschaftete zur Sicherung eines standesgemäßen Lebens das väterliche Gut in Bobelwitz.

Im Jahr 1882 heiratete er Anna Auguste Ida v. Wedel (1864-1941, Berlin), mit der er zwei Söhne, Erhard (1883-1939) und Leonhard (1885-1946, Geesthacht), hatte.

Seine Amtszeit in Samter endete im Jahr 1886. 1887 wurde Dziembowski zum Regierungsrat in Posen ernannt und arbeitete nun direkt bei der dortigen Regierung. Bereits 1890 erfolgte die Ernennung zum Oberregierungsrat und 1891 bis 1893 war er Oberpräsidialrat der Provinz Posen.

Die mehr als Ehrentitel denn als machtvolles Amt anzusehende Ernennung zum Landeshauptmann der Provinz Posen erfolgte im Jahr 1893. Es folgte dann die Ernennung zum königlich preußischen Wirklichen Geheimen Oberregierungsrat. Seit 1895 wurde er als Sachverständiger zu Sitzungen des preußischen Staatsrats hinzugezogen.

Den Posener Provinzialverband führte Dziembowski als Landeshauptmann bis 1911 in der Nachfolge von Arthur Graf v. Posadowsky-Wehner (1845-1932), der 1893 als Staatssekretär nach Berlin ging und hier 1897 Vizekanzler wurde.

Der Provinzialverband war eine Körperschaft der kommunalen Selbstverwaltung in den preußischen Provinzen oberhalb der Kommunen und Land- und Stadtkreise. Er erledigte gesetzlich zugewiesene und teils freiwillig übernommene Aufgaben aus den Arbeitsbereichen Verkehrswesen, Wirtschaftspflege, Volks­­für­sorge und Kulturpflege.

Dziembowski galt als treuer Preuße und wegen seiner Herkunft gleichzeitig als Pole. Um ihn zu ehren, wurde er im Jahr 1901 lebenslanges Mitglied des Herrenhauses, der 1. Kammer in Preußen.

Auch sozial war er engagiert und seit 1888 Ehrenritter der Johanniter in der Provinz Posen. 1896 stieg er in den Rang eines Rechtsritters auf und 1906 wurde er – bis zu seinem Tod – deren Vorsitzender als Kommendator.

Sigismund v. Dziembowski starb am 22. Oktober 1915 auf seinem Gutsbesitz in Bobelwitz.

Lit.: Dies und Das, in: Aus dem Posener Lande, Lissa 1915, S. 46, mit Foto. – Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser, Teil B 1941, Seite 138, Gotha 1941. – Acta Borussica: Neue Folge. Die Protokolle des Preußischen Staatsministeriums (1817-1934/38), 12 Regestenbänden mit über 5.200 Sitzungsprotokolle. Berlin, bearbeitet 1994-2003. Band 8/I + 8/II (1890-1900), Band 9 (1900-1909), Band 10 (1909-1918). – Walther Hubatsch/Dieter Stüttgen, Grundriß zur deutschen Verwaltungsgeschichte 1815-1945, Reihe A: Preußen, Band 1 Provinz (Großherzogtum) Posen, Bd. 2, I: Provinz (Großherzogtum) Posen, Marburg 1975. – Walther Threde/ Thora von Bonin, Johanniter im Spannungsfeld an Weichsel und Warthe: die wechselvolle Geschichte der Posen-Westpreußischen Genossenschaft des Johanniterordens, Neuried 1998.

Bild: Wappen der Familie v. Dziembowski, Wappenbuch der Saechschischen Staaten.

Martin Sprungala, 2017

Wünschen Sie Änderungen oder Ergänzungen? Dann schreiben Sie uns dies bitte mit Angabe der betreffenden Person.