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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Eckardt, Julius von

Publizist

* 1836, 20.07.
Wolmar/Livland

† 1908, 20.01.
Weimar

Der baltische Publizist und Diplomat Julius von Eckardt, Sohn eines Syndicus und Hofgerichtsadvokaten gleichen Namens wurde am 20. Juli 1836, in der livländischen Kreisstadt Wolmar geboren. Er besuchte verschiedene Schulen in seiner Heimat, zuletzt das Gouvernements-Gymnasium in Riga, und bezog im Jahre 1855 die Universität St. Petersburg, um Jura zu studieren. Er setzte sein Studium von 1856-1859 in Dorpat fort und schloß es mit dem Grad eines cand. jur. ab. Er war von 1860-1867 Sekretär des Livländischen Evangelisch-Lutherischen Konsistoriums Riga und zugleich von 1861-1867 Redakteur der Rigaschen Zeitung. Im Jahre 1867 verließ er seine baltische Heimat und ging nach Leipzig, wo er (bis 1870) mit Gustav Freytag Redakteur des „Grenzboten“ war und 1868 zum Dr. phil. promovierte. Im Jahre 1870 ließ er sich in Hamburg nieder. Dort war er bis zum Jahre 1874 Chefredakteur des „Hamburger Korrespondenten“ und der „Hamburger Börsenhalle“, wobei er sich durch seine Kenntnis  wirtschaftlicher und handelspolitischer Fragen auszeichnete, und von 1874—1882 Sekretär des Hamburgischen Senats und präsidierendes Mitglied der Schulbehörde. Im Jahre 1882 folgte er einem Ruf nach Berlin und trat als Geheimer Regierungsrat in den Preußischen Staatsdienst; 1884 berief ihn Bismarck, der seine Arbeitskraft schätzte, als Hilfsarbeiter in das Auswärtige Amt. Er ging im Sommer 1885 als deutscher Konsul nach Tunis, 1889 nach Marseille und wurde 1892 zum deutschen Generalkonsul in Stockholm ernannt. Danach war er von 1897-1900 Konsul des Deutschen Reiches in Basel und von 1903-1907 in Zürich. Nachdem er im Winter 1907 seinen Abschied genommen hatte, starb er kurz nach seinem Eintritt in den Ruhestand, am 20. Januar 1908, in Weimar.

Juliusvon Eckardt hat sich als Publizist und Schriftsteller einen hervorragenden Namen gemacht. Bereits die Rigasche Zeitung und die Baltische Monatsschrift gewannen in ihm eine publizistische Kraft allerersten Ranges. Doch er war nicht nur Journalist, der im Deutschen Reich unermüdlich gegen die Russifizierungsbestrebungen in seiner baltischen Heimat und für die Erhaltung der deutschen Kultur in den damaligen baltischen Ostseeprovinzen Rußlands gekämpft hat und zum einflußreichen Berater der Regierungspresse in Deutschland wurde.

Eine lange Reihe größerer und kleinerer Werke politischen, geschichtlichen und kulturgeschichtlichen Inhalts hat ihn zu einem vielgelesenen Schriftsteller werden lassen. Zu seinen Werken gehören u.a.: „Die baltischen Provinzen Rußlands“ (1868), „Baltische und russische Kulturstudien aus zwei Jahrhunderten“ (1869), „Bürgerthum und Bureaukratie“ (1870), „Russische und baltische Charakterbilder aus Geschichte und Literatur“ (1876), „Livland im Achtzehnten Jahrhundert“ (1876), „Erzählungen meines Großvaters“ (1883), „Bilder aus der Petersburger Gesellschaft“, „Jungrussisch und Altlivländisch. Rußlands ländliche Zustände seit der Aufhebung der Leibeigenschaft“. Seine Lebenserinnerungen, die zu einer lesenswerten Kulturgeschichte seiner Zeit wurden, erschienen 1910 in zwei Bänden.

Die vielseitigen geistigen Interessen Julius von Eckardts umfaßten neben der europäischen Geschichte philosophische, theologische und literarische Fragen. In klarer Voraussicht der in seiner baltischen Heimat im Zusammenhang mit deren Klassifizierung bevorstehenden Ereignisse hatte er sich schweren Herzens vom heimatlichen Boden gelöst, um in Deutschland und anderen Ländern für gefährdete baltische Deutschtum Retter zu gewinnen. Er war und blieb sein Leben lang Balte; auch in Deutschland blieb seine Liebe und Sorge und Arbeit der Heimat zugewandt, für die er warb und schrieb. „Ich war zu sehr Livländer“, hat er einmal gesagt, „um mich darüber zu täuschen, daß Deutschland mir allenfalls zum politischen Vaterlande, aber niemals zur Heimat werden würde.“

Julius von Eckardt, der seine letzte Ruhestätte in Travemünde fand, war mit Isabella David, einer Tochter des berühmten Geigenvirtuosen Ferdinand David (1810-1873) verheiratet und hatte neun Kinder. Ein Sohn, Felix von Eckardt, war 30 Jahre lang Chefredakteur des „Hamburger Fremdenblattes“ und dessen gleichnamiger Sohn Chefredakteur des „Weser-Kurier“ in Bremen, danach Bundespressechef unter Konrad Adenauer, Staatssekretär, MdB und Botschafter der Bundesrepublik Deutschland bei den Vereinten Nationen in New York.

Lit.: Deutsch-Baltisches Biographisches Lexikon 1710-1960. Köln/Wien 1970; Felix von Eckardt: Ein unordentliches Leben. Lebenserinnerungen. Düsseldorf/Wien 1967.

Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Julius_von_Eckardt

Erik Thomson

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