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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Eisenstaedt, Alfred

Photojournalist

* 1898, 06.12.
Dirschau/Westpr.

† 1995, 24.08.
Martha’s Vineyard/USA

Schon 1906 zog die Familie nach Berlin, wo Eisenstaedt das Hohenzollern-Gymnasium bis zum Abitur besuchte. Ab 1916 war er Soldat bei der Feldartillerie, bis er im Dezember 1917 an der Westfront verwundet wurde. Nach dem Ersten Weltkrieg schlug er sich als Kurzwarenverkäufer und Amateurphotograph durch, bis es ihm auf den Rat eines Freundes hin gelang, 1927 seine erste Aufnahme an den Weltspiegel zu verkaufen. Zunächst wurde er freier Mitarbeiter des Ullstein-Verlags und verschiedener Zeitschriften, ehe er sich ganz dem Photojournalismus zuwandte. Von 1929 bis 1935 leitete er das Berliner Büro der „Pacific und Atlantic Picture Agency“, die 1931 von der Nachrichtenagentur „Associated Press“ übernommen wurde. Gleichzeitig arbeitete er für mehrere deutsche und ausländische Zeitungen und galt bald als einer der führenden deutschen Photojournalisten.

Im Jahr 1934 löste eine Bildreportage über den italienischen Diktator Mussolini in der Zeitschrift Die Dame einen Skandal aus, der mit dem Verbot des Blattes in Italien endete. Internationales Ansehen erwarb er sich in dieser Zeit durch zwei Bildreportagen: einmal von der Verleihung des Nobelpreises an Thomas Mann (1929) und durch Aufnahmen von den Kämpfen in Äthiopien nach dem Einmarsch der Italiener (1935). Bald nachdem er als Jude Deutschland Ende 1935 verlassen hatte, wurde er 1936 Mitarbeiter der Zeitschrift Time, für die er bis 1972 tätig war und in der er in dieser Zeit über 2000 Bildreportagen veröffentlichte.

In seinen Aufnahmen gelang es Eisenstaedt immer wieder meisterhaft, einmalige Situationen im Bild festzuhalten. Im Laufe der Jahrzehnte hat er auf allen Kontinenten Aufnahmen von vielen bedeutenden und interessanten Personen gemacht. Wollten sie einmal nicht abgelichtet werden, so wußte er sie durch liebenswürdige Plaudereien abzulenken und zu entspannen, bis er schließlich doch zu einer Momentaufnahme kam. Berühmt wurden unter anderem seine Aufnahmen von Dr. Joseph Goebbels beim Besuch des Völkerbundes in Genf (1933), vom ersten Treffen Hitlers mit Mussolini (1934), von Präsident John F. Kennedy und von der Filmschauspielerin Marilyn Monroe. Seine weltweit bekannteste Aufnahme ist die vom Tag des amerikanischen Siegs über Japan im August 1945, als auf dem Times Square in New York ein Marinesoldat aus Freude über das Kriegsende eine ihm wohl unbekannte Krankenschwester auf der Straße spontan umarmte und küßte.

Manchen Kritikern waren Eisenstaedts Aufnahmen zu wenig kritisch, der Photograph nicht neugierig, nicht zudringlich und enthüllend genug. Doch so verstand er seinen Beruf nicht. Auch der Vorwurf, er zeige zu sehr eine heile Welt, traf ihn nicht. Er wollte gutmütig staunen und staunen machen. Er suchte für jede Aufnahme den richtigen Blickwinkel und den richtigen Moment zu finden. Neu war auch seine Auffassung von der Arbeit des Pressephotographen. Bestand vor seiner Zeit dessen Aufgabe wesentlich im Dokumentieren, so entwickelte er seine Bildreihen von einem Ereignis zur Bildreportage (news report).

Schon vor seinem Tod galt Eisenstaedt als einer der weltbesten Photographen, dessen Aufnahmen nach 1945 in vielen Ausstellungen in den USA und in Deutschland – so 1980 im Rheinischen Landesmuseum in Bonn und 1981 im Stadtmuseum in München – gezeigt wurden und der wiederholt für seine Kunst ausgezeichnet wurde.

Hauptwerke: (sie enthalten viele seiner besten Aufnahmen): Witness to Our Time (1966). –Eisenstaedt’s Album: Fifty Years of Friends and Acquaintances (1976).– Eisenstaedt’s Album: Celebrity Portraits (1976 und 1984).– Eisenstaedt on Eisenstaedt. A Self-Portrait (1985).– Eisenstaedt: Remembrances (1990).– Eisenstaedt’s Guide to Photography (1978 und 1981).

Lit.: International Biographical Dictionary of Central European Emigrés 1933-1945, vol. 2, München, New York, London, Paris 1983, p. 250.– Encyclopaedia Judaica, vol. 6, Jerusalem 1971, col. 552 (Peter Pollack).–Who’s Who in America, 44th ed. 1986-1987, vol. 1, Wilmette Illinois 1986, p. 801. – Newsweek vom 4.9.1995, p. 44-47 (Peter Plagens, Photo p. 44). – Das Ostpreußenblatt, Jg. 46, Folge 37 vom 16.9.1995, S. 9 (man, d.i. Silke Osman).

Bild: Newsweek vom 4.9.1995, p. 44.

Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Alfred_Eisenstaedt

Klaus Bürger

 

 

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