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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Elisabeth von Pommern

römisch-deutsche Kaiserin

* 1347
Pommern

† 1393, 15.02.
Königgrätz

Elisabeth von Pommern ist die einzige pommersche Frau, die Kaiserin des Heiligen Römischen Reiches geworden ist. Sie war vermutlich 1347 als Tochter Herzog Bogislaws V. von Pommern-Wolgast und seiner Gemahlin Elisabeth, einer Tochter König Kasimirs III. von Polen, geboren worden. Nach dem Tode seiner Frau im Jahre 1361 schickte Bogislaw V. die etwa vierzehnjährige Elisabeth und ihren älteren Bruder Kasimir zur weiteren Erziehung an den Hof seines Schwiegervaters.

Herzog Bogislaw V., dessen Herrschaftsbereich nicht nur in Vorpommern zu suchen ist, sondern auch weite Teile Hinterpommerns umfaßte, war zusammen mit seinen Brüdern und den Stettiner Verwandten 1348 von König Karl IV. zum Reichsfürsten erhoben worden. Elisabeths polnischer Großvater, König Kasimir III., gebot infolge seiner langen vorausschauenden und klugen Politik über ein mächtiges Reich und nahm eine gewichtige Position in der europäischen Politik des zweiten Drittels des 14. Jahrhunderts ein.

Nachdem Kaiser Karl IV. zum dritten Male verwitwet war, fiel die Wahl seiner vierten Gemahlin auf die pommersche Herzogstochter am polnischen Königshof. Die Vermählung mit Elisabeth von Pommern, deren größtenteils vom königlichen Großvater herrührende Mitgift die Riesensumme von 100000 ungarischen Gulden betrug, fand im Frühjahr 1363 in Krakau statt. Ebenso wie die bisherigen Eheschließungen gehörte auch diese zum politischen Kalkül Kaiser Karls IV. Er brach mit dieser Verbindung den polnischen König aus der Reihe seiner Gegner heraus und förderte die Beziehungen zum pommerschen Herzogshaus, die sich gegen die Wittelsbacher in der Mark Brandenburg richteten. Sogleich nach ihrer Ankunft in Prag wurde Elisabeth am 16. Juni 1363 als Königin von Böhmen gekrönt. Ein Höhepunkt im Leben Elisabeths war die Reise nach Rom vom 2. April 1368 bis zum 20. August 1369, größtenteils an der Seite ihres Gemahls, der 1355 in der Ewigen Stadt die Kaiserkrone erlangt hatte. Am 1. November 1368 salbte und krönte Papst Urban V. Elisabeth als Kaiserin, anschließend ritt sie mit Krone und Mitra unter dem Jubel der Römer durch die Stadt, schlug etliche zum Ritter und beendete die Zeremonien mit der Teilnahme an dem Krönungsmahl auf dem Lateran. Vermutlich wurde zu Elisabeths Krönung als Kaiserin die „böhmische” oder „pfälzische” Frauenkrone, die als besonders herausragendes Werk europäischer Juwelierkunst betrachtet wird und sich heute in München befindet, angefertigt und verwendet. Nach den zeitgenössischen bildlichen und schriftlichen Darstellungen war die Kaiserin eine hübsche Frau. Aufgrund der anthropologischen Untersuchungen, die man nach der Sarkophagöffnung im Jahre 1928 vornahm, wissen wir, daß Elisabeth mit ungefähr 169 cm recht groß war. Sie war mit ungewöhnlichen Körperkräften, der Erbschaft eines litauisch-russischen Urgroßelternpaares, ausgestattet: Mit bloßen Händen zerbrach sie Hufeisen, verbog Schwerter und zerriß Panzerhemden. Dies machte die beliebte Kaiserin volkstümlich, und sie blieb bei den Pommern und in Böhmen bis auf den heutigenTag bekannt.

Kaiserin Elisabeth schenkte sechs Kindern das Leben, als ältestem am 11. Juli 1366 der Tochter Anna, die sechzehnjährig die Gemahlin König Richards II. von England wurde. Am 14. Februar 1368 wurde Sigismund, der spätere deutsche König und römische Kaiser, geboren; über seine Tochter sind die Habsburger Nachfahren Elisabeths, und zwar ihre einzige lebende Nachkommenschaft. Im Juni 1370 gebar die Kaiserin Johann, den nachmaligen Herzog von Görlitz, im September 1373 Margarete, die schon im darauffolgenden Jahr mit ihrem späteren Gemahl, einem Hohenzollern, verlobt wurde. Die beiden jüngsten Söhne Elisabeths, Karl und Heinrich, starben im frühen Kindesalter.

Nach dem Tod ihres Gatten am 29. November 1378 lebte Elisabeth auf ihrem Witwensitz Königgrätz. Dort starb sie nach mehr als 14 Jahren im Witwenstand. Sie wurde neben ihrem Gemahl im Prager Dom beigesetzt. Seit mehr als sechs Jahrzehnten befinden sich ihre sterblichen Überreste dort in einem neuen, für alle vier Gemahlinnen Karls IV. gemeinsamen Sarg.

Lit.: Adolf Hofmeister: Genealogische Untersuchungen zur Geschichte des pommerschen Herzogshauses (= Greifswalder Abhandlungen zur Geschichte des Mittelalters 11), Greifswald 1938, S. 149-152. – Gisela Wübertz: Eine Kaiserin aus Pommern: Elisabeth, Gemahlin Karls IV., in: Pommern, Kunst – Geschichte – Volkstum, 21. Jg. (1983), H. 4, S. 15 -18. – Hellmut Hannes: Auf den Spuren des Greifengeschlechtes jenseits der pommerschen Grenzen, in: Baltische Studien NF 72 (1986), S. 36-82. – Ursula Lother: Bedeutende pommersche Frauengestalten, Glückstadt 1988, S. 6f.

Bild: Reliefbüste von Peter Parler um 1374 auf der Triforiumsgalerie im Prager Veitsdom.

Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Elisabeth_von_Pommern

Dietmar Lucht

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