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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Fahrenheit, Daniel Gabriel

Physiker, Erfinder, Instrumentenbauer

* 1686, 24.05.
Danzig

† 1735, 16.09.
Den Haag

Daniel Gabriel Fahrenheit war nicht nur ein begabter Erfinder, sondern wohl mehr noch einer der bedeutendsten Physiker seiner Epoche, obwohl gerade diese letzte Eigenschaft bis heute noch zu wenig Anerkennung findet. Er war der oder zumindest einer der Begründer der wissenschaftlichen Thermometrie, indem er Fixpunkte (also Punkte auf der Thermometerskala, die stets gleich bleiben, wie etwa der Schmelzpunkt des Eises, die Körperwärme eines gesunden Menschen oder der Siedepunkt des Wassers) für die Eichung von Thermometern einführte. Damit gelang es ihm um 1714 zum ersten Mal, zwei Thermometer herzustellen, die bei gleicher Außentemperatur auch wirklich den gleichen Temperaturwert auf ihren Skalen anzeigten. Ab 1720 etwa benutzte er Quecksilber als Thermometer-Substanz, das wesentlich besser geeignet war als die bis dahin verwendeten Füllsubstanzen wie Luft, Wasser, Leinöloder gefärbter Alkohol.

Fahrenheit erfand eine Thermometer-Skala, die damals in Holland und in Deutschland, heute noch in England und in den USA Verwendung findet. Diese Fahrenheit-Skala reicht von 0° F (0 Grad Fahrenheit) bis 212° F, und es entsprechen 32° F dem heute üblichen 10° C und 212° F dem Punkt 100° C (100 Grad Celsius). Die Meßzahlen der Fahrenheit- und der Celsius-Skala verhalten sich wie 9:5, d.h.  9° F entsprechen jeweils 5° C.

Er entdeckte außerdem die Abhängigkeit des Siedepunktes einer Flüssigkeit vom jeweils herrschenden Luftdruck und die Tatsache, dass eine Flüssigkeit unter ihren Gefrierpunkt abgekühlt werden, ohne daß sie in den festen Zustand übergeht, in den Jahren 1724, da beide Entdeckungen in diesem Jahre im Druck erschienen. Mit Hilfe dieser physikalischen Kenntnisse konstruierte er Barometer zur Messung des Luftdrucks, erfand Aräometer zur Bestimmung des spezifischen Gewichts von Flüssigkeiten und ein Thermobarometer, das als Hypsobarometer auch zur Höhenbestimmung dienen konnte. In seinen letzten Lebensjahren in Amsterdam konstruierte er eine Wasserrohrmühle, eine „Zentrifugalmaschine“, zur Entwässerung überfluteter Landstriche, deren Konstruktionsprinzip bisher aber nicht aufgefunden werden konnte, obwohl er darauf in Holland ein Patent für 15 Jahre erhalten hat.

Die Vorfahren Fahrenheits waren aus Niedersachsen und Westfalen nach Königsberg in Preußen eingewandert, sein Großvater zog 1650 vom dortigen Kneiphof nach Danzig, wo Daniel Gabriel Fahrenheit als zweitältestes von 10 Kindern 1686 in der Hundestraße geboren wurde. Sein Vater war ein relativ wohlhabender Kaufmann in der damals Weltgeltung besitzenden Handels- und ehemaligen Hansestadt Danzig. Mit 15 Jahren verlor er am gleichen Tag beide Eltern und mußte als ältestes der überlebenden 5 Kinder eine Kaufmannslehre in Amsterdam antreten. Diese Lehre hat er offensichtlich nie gewollt, und sie kostete ihn auch mit großer Wahrscheinlichkeit seine spätere Karriere als Wissenschaftler. Unmittelbar nach Beendigung seiner Lehrzeit im Jahre 1706 hatte er seine ersten, noch mit Weingeist gefüllten Thermometer fertiggestellt. Er verschickte sie in nördliche Länder, um Temperaturmessungen zu erhalten. Selber reiste er nach Schweden und Dänemark, wo er mit dem bekannten Astronomen Öle Römer zusammenarbeitete. Im Jahre 1711 reiste er nach Königsberg und nach Mitau in Kurland, hielt sich aber auch für längere Zeit in seiner Vaterstadt Danzig auf und experimentierte hier mit dem Professor der Mathematik Paul Pater. Vor allem erfand er Kältemischungen aus Schnee, Wasser und Salzen, um einen geeigneten Nullpunkt für seine Thermometer-Skala festlegen zu können. Drei Jahre später reiste nach Berlin und Dresden, wo er in den Glashütten selber Rohre für seine Thermometer herstellte, und nach Halle, wo Professor Wolff erstmals über zwei stets gleiche Temperaturen anzeigende Thermometer berichtete, die er von Fahrenheit erhalten hatte. Da er eine passende Stellung in Deutschland offenbar nicht finden konnte, reiste er 1714 nach Amsterdam, wo er für den Rest des Lebens wirkte. Er hielt hier naturwissenschaftliche Vorlesungen wohl auf privater Basis, und festigte seinen Ruf als sehr geschickter Instrumentenbauer und nahezu genialer Experimentator, wie zeitgenössische Quellen berichten. Mit zahlreichen Gelehrten stand et in enger Verbindung, vor allem mit dem Chemiker Boerhave inLeyden, dem Physiker Musschenbroek in Utrecht und dem Mathematiker und Astronom s’Gravesande in Den Haag. Auch mit Leibniz hatte er noch von Deutschland aus Kontakte gehabt. Im Sommer 1736 reiste er nach Den Haag, um das Privileg für seine Wasserrohrmühle durchzusetzen. Hier erkrankte er jedoch und verstarb am 16. September in einem Gasthaus. Sein Testament und die Auflösung seiner Wohnung in Amsterdam zeigten, daß Fahrenheit verarmt gestorben ist: Sein väterliches Erbe war aufgebraucht, und seine Erfindungen hatten Nachahmer billiger verkauft als er selber.

Die wohl größte Ehrung für einen Naturwissenschaftler der damaligen Zeit ist auch die einzige, von der wir wissen: Im Jahre 1724 l wurde Fahrenheit zum Mitglied der berühmten Londoner Royal Society gewählt, in ihren „Philosophical Transactions“ vom gleichen Jahre hat er fünf Beiträge veröffentlicht, die sein Schaffen kennzeichnen.

Lit.: A. Momber: D. G. Fahrenheit. Sein Leben und Wirken, in: Schriften der Naturforschenden Gesellsch. in Danzig, N.F. Bd. VII, 1890; F.A. Meyer: Finale eines Frühvergessenen. Westpreußen-Jahrb. 1966; H.-J. Kämpfert: 300 Jahre Fahrenheit, in: Westpreußen-Jahrbuch 1986, Bd. 36, Münster, 1985.

Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Daniel_Gabriel_Fahrenheit

Hans-Jürgen Kämpfert

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