Kulturportal
Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Falkenberg, Bernhard

Pfarrer, Redakteur, Verleger, Chefredakteur

* 1843, 18.08.
Zippnow, Kr. Deutsch Krone/Westpreußen

† 1903, 01.02.
Schrotz, Kr. Deutsch Krone/Westpreußen,

Bernhard Falkenberg wurde am 18.08.1843 in Zippnow im Kreis Deutsch Krone in Westpreußen als Sohn von Stephan Falkenberg (1812-1903) und seiner Ehefrau Elisabeth geb. Uttecht und verw. Lüdke (um 1804-nach 1850) geboren. Sein Vater war von Beruf Schumacher. Er hatte sich heraufgearbeitet und war Verwalter. Seine Mutter war in erster Ehe mit Bartholomäus Lüdke (1802-1836) verheiratet. Aus dieser ersten Ehe wurde u. a. der Sohn Gustav Lüdke (1831-1890) geboren, der von 1865 bis 1890 Propst der katholischen Kirche in Schönlanke im Kreis Czarnikau (Westpreußen) war. Nach dem Schulbesuch in Zippnow besuchte Bernhard Falkenberg das königliche katholische Gymnasium, wo er am 03.08.1864 sein Zeugnis der Reife (Abitur) erlangte.

Eine Anfrage an das Priesterseminar in Posen wegen eines Theologiestudiums dort, wurde positiv beantwortet, wenn er die polnische Sprache erlerne. So studierte Falkenberg seit 1864 am Priesterseminar in Posen. Die letzten 14 Tage verbrachten die katholischen Theologiestudenten im „Praktischen Priesterseminar“ in Gnesen. Dort in der Kathedrale des heiligen Adalbert wurde Falkenberg am 16.08.1868 vom Erzbischof von Gnesen und Posen, Miecislaus Halka Graf von Ledóchowski aus Posen, zum Priester geweiht. Am 01.10.1868 trat er seine erste Stelle als Vikar in Alt Laube im Kreis Fraustadt an und war nach dem Ableben des dortigen Pfarrers als Pfarrverwalter tätig.

Auf Vorschlag der Königlichen Regierung in Posen wurde Falkenberg im November 1869 zum selbständigen Kaplan der staatlichen Correctionsanstalt in Kosten ernannt. Es war einen Straf- und Besserungsanstalt sowie gleichzeitig ein Landarbeitshaus. Damit war Falkenberg auch königlicher Beamter. Gleichzeitig war er auch als Schulinspektor für die Kontrolle der Schulen in Kosten zuständig. 1872 begann Reichskanzler Fürst Otto von Bismarck seinen so genannten preußischen „Kulturkampf“ gegen die katholische Kirche. Darunter hatte auch der Erzbischof von Gnesen und Posen, Graf von Ledóchowski, zu leiden. Durch den Kulturkampf kam es immer wieder zu Prozessen gegen den Erzbischof und in dessen Palais in Posen wurde nach verlorenen Prozessen gepfändet. Als nichts mehr zu pfänden war, wurde der Erzbischof am 03.02.1874 verhaftet und in das Gefängnis nach Ostrowo gebracht. Als dann vom Staat ein Vertreter für die Verwaltung der Doppeldiözese eingesetzt werden sollte, schrieben die einzelnen Dekanate Ergebenheitsadressen an ihren Erzbischof. So unterzeichnete auch Bernhard Falkenberg am 03.07.1874 eine Ergebenheitsadresse zusammen mit seinen Kollegen aus dem Dekanat Kosten.

Der königliche Beamte Falkenberg konnte als einziger Geistlicher aus der Diözese Gnesen-Posen wegen Unterzeichnung der Adresse belangt werden. Es wurde ein Disziplinarverfahren gegen ihn eingeleitet. Am 15.11.1874 fand die Verhandlung vor der Königlichen Regierung in Posen statt. Obwohl Falkenberg sich in längerer Rede selbst verteidigte, lautete das Urteil Entfernung vom Amte wegen „staatfeindlichen“ Verhaltens. Falkenberg legte Einspruch gegen das Urteil ein, doch bestätigte Revisionsverhandlung vor der Staatsregierung in Berlin am 29.06.1875 das erste Urteil. Falkenberg wurde aus Westpreußen ausgewiesen und lebte in Bratkówka in Galizien, welches damals zu Österreichisch-Ungarn gehörte. Noch im Gefängnis in Ostrowo war dem Erzbischof von Gnesen und Posen Graf von Ledóchowski die Kardinalswürde verliehen worden. Als dieser Anfang 1876 aus dem Gefängnis entlassen wurde, kam es zwischen dem Kardinal und Falkenberg sowie sieben weiteren ausgewiesenen Priestern zu einer Begegnung am 17.06.1876 in Krakau. Im Jahre 1871 wurde in der Reichshauptstadt Berlin die katholische Centrumszeitung „Germania – Zeitung für das deutsche Volk“ gegründet. Falkenberg wurde in Bratkówka Korrespondent der „Germania“. Im Jahre 1877 holte der Chefredakteur der „Germania“, der aus Schlesien stammende Kaplan Paul Majunke (1842-1899), Kaplan Falkenberg als Redakteur nach Berlin.

Schon im Jahre 1878 war Bernhard Falkenberg leitender Redakteur der „Germania“. Er wurde 1878 auch Mitglied des „Augustinus-Vereins“ zur Pflege der katholischen Presse bei der Gründung in Düsseldorf. Durch die scharfen Bestimmungen beim preußischen „Kulturkampf“ kam Bernhard Falkenberg als leitender Redakteur der „Germania“ immer wieder Konflikt mit der Justiz. So wurde er wegen Annahme eines Inserats der Lotterie zum Ausbau der Liebfrauenkirche in Nürnberg vom Stadtgericht in Berlin zu einer Geldstrafe von 10 Mark verurteilt. Als am 07.02.1880 im Abgeordnetenhaus in Berlin ein königliches Patent verlesen wurde, glaubte der Abgeordnete und Direktor der Staatsarchive Prof. Heinrich von Sybel, bei den Abgeordneten des Centrums ein schallendes Gelächter gehört zu haben. Dies ließen sich die Centrumsabgeordneten nicht gefallen und erhoben heftigen Protest. In diesen Protest stimmte auch Falkenberg in der „Germania“ ein, worauf von Sybel ihn anzeigte. So kam es am 15.06.1880 vor dem Landgericht in Berlin zu einem Prozeß gegen ihn. Das Urteil: eine Gefängnisstrafe von sechs Wochen. Falkenberg legte Revision ein, doch wurde diese am 02.11.1880 die Revision verworfen. Die Strafe trat Falkenberg Anfang 1881 im Gefängnis in Berlin-Plötzensee an. Danach war er weiterhin als Redakteur der „Germania“ tätig, doch durfte er die Leitung der Redaktion nur noch in Vertretung ausüben. Auch später wurde Falkenberg wegen Beleidigung mittels der Presse zu Geldstrafen verurteilt.

Ende September 1878 war Paul Majunke von der Chefredaktion der „Germania“ zurückgetreten und gab fortan die „Centrums-Parlaments-Correspondenz“ (CPC) heraus. Diese Correspondenz sollte der besseren Verbindung zwischen den Centrumsfraktionen im deutschen Reichstag und im preußischen Abgeordnetenhaus in Berlin und den katholischen Centrumszeitungen in ganz Deutschlands dienen. Sie war nicht für die Öffentlichkeit, sondern als Halbfertigprodukt für die einzelnen Redaktionen bestimmt. Im Oktober 1883 übernahm Falkenberg von seinem Freund Majunke die Herausgeberschaft dieser Correspondenz, die er unter Titel „Correspondenz Falkenberg“ weiterführte. Am 01.04.1889 wurde Bernhard Falkenberg zum Chefredakteur der „Germania“ in Berlin ernannt. Er war nun schon 12 Jahre als Redakteur und Herausgeber in Berlin tätig. Es war dies die Zeit des Niedergangs von Fürst Otto von Bismarck als Reichskanzler. Am 28.04.1889 kam in der „Germania“ der Leitartikel „Es gelingt nichts mehr“ heraus, was Fürst Bismarck dem Chefredakteur Bernhard Falkenberg sehr übel nahm. Er versuchte ihn mit allen Mittel aus Berlin zu verdrängen. So wurde im Marienwallfahrtsort Schrotz im Kreis Deutsch Krone (Westpreußen) veranlasst, dass die Stelle des „Staatspfarrers“ Johannes Lizak für ihn freigemacht werde. Lizak war seit 1877 Propst von Schrotz, doch hatten sich die Schrotzer seit dieser Zeit geweigert, ihre altehrwürdige Wallfahrtskirche zu betreten. Die Staatsregierung bewog den Erzbischof von Gnesen und Posen, Dr. Julius Dinder, Kaplan Falkenberg die Stelle als Propst von Schrotz anzubieten. Am 28.06.1889 erhielt dieser in Posen die canonische Institution für die Pfarrstelle in Schrotz. Schon im Juli 1889 zog er aus der aufstrebenden Reichshauptstadt Berlin in das kleine Dorf. Von Zippnow holte er sich seinen Vater Stephan Falkenberg und seine Schwester Ottilie Falkenberg, die ihm den Pfarrhaushalt führte, zu sich. Es war nicht einfach für Falkenberg in Schrotz, nachdem dort seit 12 Jahren jegliche priesterliche Seelsorge fehlte. Von dort aus wurden auch die beiden Filialen Rosenfelde und Wittkow sowie Seegenfelde und Wissulke betreut.

Am 20.10.1889 wurde Bernhard Falkenberg in der Wallfahrtskirche „Mariä Himmelfahrt“ als Propst von Schrotz eingeführt. Dazu überreichten ihm vor dem Altar Landrat Dr. Franz Rotzoll aus Deutsch Krone und Prälat, Offizial und Propst Martin Friske aus Zippnow, als Vertreter von Erzbischof Dr. Julius Dinder aus Posen, die Ernennungsurkunden. Zu der Feier waren Freunde von Falkenberg nach Schrotz gekommen, so der Abgeordnete und Gründer der „Germania“ Friedrich von Kehler, der erste Chefredakteur der „Germania“ Majunke aus Schlesien, der die herrliche Festpredigt hielt, der Domherr Karl Kraus aus Gnesen und der Propst Dr. Lic. Joseph Tasch aus Lissa. Auch der Dekanatsklerus war bei dieser Feier zahlreich vertreten.

In Schrotz gründete Propst Falkenberg den „Lebendigen Rosenkranz“ und den „Verein der christlichen Mütter“. In der Filiale Rosenfelde wurde eine neue Kirche erbaut, die Propst Falkenberg am 27.12.1897 einsegnete. Im Jahre 1899 gründete er dann in Schrotz den Raiffeisenverein mit Filialen in Freudenfier und Stranz. Er gründete den Verein, da die Bauern in den Dörfern sehr verschuldet und von den meist jüdischen Händlern abhängig waren. Durch den gemeinsamen Bezug von Saatgut, Futter- und Düngemittel hatten die Bauern viele Vorteile. Auch der Zahlungsverkehr wurde von diesem Verein abgewickelt. Propst Falkenberg war bis zu seinem Tod selbst Vorsteher des Raiffeisenvereins.

Anfang 1901 kehrte er für zwei Monate nochmals nach Berlin zurück, um sich wegen einer Krankheit behandeln zu lassen. Öfter fuhr er auch zu Kuren nach Salzbrunn (Schlesien) und Marienbad. Doch dann verstarb Propst Falkenberg am 01.03.1903 im Pfarrhaus in Schrotz, ein halbes Jahr vor seinem 60. Geburtstag. Der Caritasdirektor Franz Westpfahl schrieb in seinem Buch „Die Apostolische Administratur Schneidemühl“ in seinem Beitrag „Aus dem Kulturkampf in Schrotz“ über den Kulturkampfrecken Bernhard Falkenberg: „Kein geringer als Reichskanzler Bismarck selbst hat ihm die Stelle angeboten, um den scharfen und ihm unbequemen Schriftleiter der „Germania“ auf anständige Weise los zu werden. Ob Berlin heute noch weiß, dass einer seiner besten Führer ein Sohn der (Deutsch) Kroner Landes war?“

Lit.: „Germania – Zeitung für das deutsche Volk“, Berlin 1874-1903; – Franz Westpfahl: „Die Apostolische Administratur Schneidemühl“, Schneidemühl 1928; – Arno Giese: „Królowa Narodu“ (deutsch: „Königin der Nation“, über den Wallfahrtsort Schrotz/Skrzatusz), Peplin (Polen) 2002; – Manfred Falkenberg: „Propst Bernhard Falkenberg und der preußische Kulturkampf“, Eigenverlag  Ammerbuch 2003; – KS.Tadeusz Ceynowa: „Ziemia Pogranicza – Dekanat wałecki w latach 1821-1920) (deutsch: „Das Dekanat Deutsch Krone 1821-1920“), Radom (Polen) 2004.

Manfred Falkenberg

Wünschen Sie Änderungen oder Ergänzungen? Dann schreiben Sie uns dies bitte mit Angabe der betreffenden Person.