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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Feilitzsch, Artur von

Forstmann, Landswirtschafts- und Forstminister Ungarns

* 1859, 18.02.
Türkischkanischa/Banat

† 1925, 15.06.
Großarn/Siebenbürgen

Nach der sogenannten „Türkenzeit“ (1552-1716) und dem Frieden von Passarowitz (1718) wurde das heutige Banat (Osmanisch Sandschak genannt) der österreichischen Militärverwaltung unterstellt. Unter seinem ersten Gouverneur C.F. Graf Mercy (1666-1734; siehe OGT 1984) begannen die bekannten „Schwabenzüge“: Der Karolinische (1723-1726) unter Kaiser Karl VI., der Theresianische (1744-1772) unter Maria Theresia, sowie der Josephinische (1782-1787) unter Kaiser Joseph II. Die 1742 eingerichtete „Banater Militärgrenze“ (1872 aufgehoben) gehörte seit 1779 (ausgenommen 1849-1860) zu Ungarn. Unter diesen neuen Gegebenheiten wurde im aufgeklärten Absolutismus aus einer wirtschaftlich rückständigen Peripherie ein multikulturelles Zentrum, dessen Prosperität immer wieder zahlreiche Neuansiedler anlockte. Zu diesen zählte auch die Adelsfamilie von Feilitzsch, die einem fränkischen Geschlecht entstammte, das 1847 in Bayern in den Freiherrenstand erhoben wurde. Maximilian von Feilitzsch (1834-1913) z.B. war 1881 bis 1907 bayerischer Staatsminister des Inneren.

Artur Baron von Feilitzsch wurde am 18. Februar 1859 in Türkischkanischa (ungarisch Törökkanizsa) im damals österreichischen Banat geboren (heute Novi Kneževac in der Vojwodina/ Serbien), als Nachkomme des 1847 ausgewanderten Zweiges dieser Adelsfamilie. Nach Ablegen des Abiturs studierte er Forstwissenschaften an der ältesten akademischen Forstlehranstalt des einst großen Königreiches Ungarn (zugleich auch des Kaiserreiches Österreich), gegründet von dem aus Deutschland berufenen Heinrich D. Wilckens (1763-1832) – damals noch mit deutscher Unterrichtssprache – in Schemnitz (ung. Selemeczbánya, slow. Banská Stiavnica) damals Nordungarn, heute Slowakei.

Der Lebenslauf des jungen v. Feilitzsch entwickelte sich nun in eine Richtung, die für einen Teil der deutschen Jugend Ungarns des 19. Jahrhunderts charakteristisch war. Bekanntlich waren bis zum Ende des Jahrhunderts die Ungarn in ihrem Königreich in der Minderheit. Durch die Assimilierung von in Ungarn lebenden Nationalitäten (Magyarisierung), besonders nach 1848, vergrößerte sich der Anteil der Magyaren erheblich. Erfolg kann man diesen Assimilierungstendenzen – in erster Linie bei Deutschen und Juden – nicht absprechen. In Schemnitz wurde von Feilitzsch Führer der magyarischen Studentenschaft und brachte als sogenannter „Magyarone“ die Bestrebungen der deutsch eingestellten Burschenschaft zum Scheitern. So wurde ihm der Weg zu politischen und beruflichen Erfolgen schon in der Studienzeit sicher gestellt. Bekanntlich konnte damals ein Nichtmagyare nur dann Karriere machen, wenn er sich zum Magyarentum bekannte. Auch auf wirtschaftlichem Gebiet kam man leichter voran, wenn man der Staatsnation angehörte. Seine Studien vervollständigte er nachträglich in Budapest und Klausenburg (Wirtschafts- und Staatswissenschaften) bis 1890 und wurde darauf 1891 zum Forstinspektor ernannt.

1892 wird von Feilitzsch Direktor der Fiskuswaldungen, bzw. Direktor der Forstdirektion Klausenburg (ung. Kolosvár, rum. Cluj), welche die ungarischen Aerarialforste (Staatswaldungen) verwaltete. Dank seiner Kompetenz und engagierten wirtschaftspolitischen Tätigkeit, wurde er 1899 vom Klausenburger Wahlkreis zum Reichstagabgeordneten in Budapest gewählt. Während der Regierungszeit des Ministerpräsidenten Graf István Tisza (1861-1918) wurde A. v. Feilitzsch zum Vizepräsidenten des Abgeordnetenhauses ernannt (1903-1905). Im Kabinett Fejérváry bekleidete er das höchste erreichbare Amt für einen Forstmann – er wurde zum Landwirtschafts- und Forstminister ernannt (1905 bis 1906). Wäre er seinerzeit nicht in die Reihen der „Magyaronen“ getreten, hätte er als Deutscher wahrscheinlich einen Posten irgendwo als Forstamtsleiter zugewiesen bekommen.

Zum Geheimrat ernannt (1906), wurde ihm der Orden der Eisernen Krone I. Kl. für hervorragende Dienste um die Landwirtschaft und das Waldwesen des Königreiches Ungarn verliehen; später sollte er auch den preußischen Roten-Adler-Orden erhalten. In seiner Klausenburger Zeit machte er sich besonders verdient um die waldbauliche und forstwirtschaftliche Überwachung und Förderung nicht nur der Staatswaldungen, sondern auch der Kompossessorat- (Waldeigentümergemeinschaften ehemaliger Freibauern) und Gemeindewälder, sowie die der öffentlichen Anstalten. Ein besonderes Augenmerk zollte er dem Naturschutz und dem allmählich aufkommenden Hochtourismus. Nach Gründung des Siebenbürgischen (Deutschen) Karpatenvereins (SKV) im Jahr 1880 in Hermannstadt, wurde 1891 auch der Ungarische Siebenbürgische Karpatenverein aus der Taufe gehoben, dessen gründendes Mitglied und Vorsitzender von Feilitzsch lange Zeit war.

Nach dem (auch von Ungarn) verlorenen Ersten Weltkrieg und dem Friedensschluss von Trianon/ Versailles (1920, Siebenbürgen und das Banat wurden dem Königreich Rumänien zugesprochen) – obwohl als „Magyarone“ apostrophiert – entschloss sich von Feilitzsch nicht für den Erhalt der ungarischen Staatsbürgerschaft und die Umsiedlung in das ungarische Mutterland als so genannter „Optande“ (diesen wurde nämlich der Landbesitz enteignet und „romänisiert“); er verblieb in Siebenbürgen, obwohl die rumänische Agrarreform auch ihn stark benachteiligte.

Nach einem arbeits- und erfolgreichen Berufsleben, verstarb der Geheime Rat Arthur Baron von Feilitzsch im Alter von 66 Jahren am 15. Juli 1925 auf dem Schloss des Barons Bálint im Szeklerdorf Großarn (ung. Nagy Ernye, rum. Ernei) bei Neumarkt am Mieresch (rum. Târgu Mureş, ung. Marosvásarhely).

Lit.: Anonymus, Magyar életrajzi Lexikon (Ungarisches Biographisches Lexikon), Bd. 1, Budapest 1967, S. 479. – H. Freihoffer, Claudius Florimund Graf Mercy. Feldherr, Kolonisator des Banats, in: OGT 1984, S. 255-257. – H. Heltmann u. H. Roth, Der Siebenbürgische Karpatenverein 1880-1945, Thaur bei Innsbruck 1990, S. 303 – E. Hösche et al., Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Wien-Köln-Weimar, 2004, S. 770 – H. M. Körner et al., Große Bayerische Biographische Enzyklopädie, München 2005, S. 497-498. – M. Kroner, Geschichte der Siebenbürger Sachsen, Bd. 1, Nürnberg 2007, S. 128-129. – K. Kraushaar, Kurzgefasste Geschichte des Banates und der deutschen Ansiedler, Wien 1923, S. 280 – L. Lenk, M. Graf von Feilitzsch. Neue Deutsche Biographie. Bd. 5, 1961, S. 57-58. – F. Marschang, Wo sind sie geblieben…? Das Banat und die Banater Deutschen im Wandel der Zeit. 2. Aufl., Karlsruhe 2009, 117 S. – A.P. Petri, Biographisches Lexikon des Banater Deutschtums, Marquartstein 1992, S. 431. – R. Rösler, Arthur Baron von Feilitzsch (1859 bis 1925). Ein bayerischer Landwirtschafts- und Forstminister Ungarns, in: Forstinfo, 22, München 2000, S. 2. – R. Rösler, Studierende aus dem Südost – Karpatenraum an der Königlich Ungarischen Berg- und Forstakademie Schemnitz, in: Siebenbürgische Familienforschung, 21. Jahrg., 2, 2005, S. 72-78. – D. Şandru, Reforma agrară din 1921 în România (Die Agrarreform von 1921 in Rumänien), Bukarest 1975, 359 S. – A. Schmidt-Rösler, Rumänien nach dem Ersten Weltkrieg: Die Grenzziehung in der Dobrudscha und im Banat und die Folgeprobleme. Europ. Hochschulschriften, Bd. 622, Frankfurt a.M-Berlin-Bern-New York-Paris-Wien 1994, S. 544 – K. Zach, Bodenreform in Rumänien, 1921, in: OGT 1996, S. 328-330. – J. Weidlein, Die verlorenen Söhne. Kurzbiographien großer Ungarn deutscher Abstammung, Bd. 2, Wien 1967, S. 18. – M.W. Weithmann, Balkan-Chronik, Regensburg-Graz-Wien-Köln, 1995, S. 238, 240-242.

Bild: Wikipedia

Rudolf Rösler

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