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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Fellgiebel, Fritz Erich

General der Nachrichtentruppen

* 1886, 14.10.
Pöpelwitz bei Breslau

† 1944, 14.09.
Berlin

Fritz Erich Fellgiebel war Sohn des Rittergutsbesitzers Albert Fellgiebel und seiner Ehefrau Minna, geborener Schmitz. Er wuchs mit vier Geschwistern auf dem elterlichen Gut Poklatki zu Buchenhagen in der Provinz Posen auf. Die im Posenschen verbrachten Jahre seiner Kindheit und Jugend erklären es, daß er fließend polnisch sprach.

Fellgiebels besondere Begabung lag auf naturwissenschaftlichem Gebiet, doch hinderte ihn das nicht, auch den humanistischen Fächern gegenüber aufgeschlossen zu sein, außerdem war er musisch begabt. Die vielseitigen geistigen Veranlagungen ermöglichten es ihm, sich eine ebenso umfassende wie gründliche Bildung anzueignen. Daneben fand er genügend Zeit, sich dem Reiten zu widmen. Wie seine Geistesgaben, so bildete er auch seine reiterischen Fähigkeiten zu einer bemerkenswerten Perfektion aus, was seine zahlreichen Preise, die er beim Jagdspringen errang, eindrucksvoll beweisen.

Am 19. September 1905 trat Fellgiebel als Fahnenjunker in das Telegraphen-Bataillon 2 zu Frankfurt an der Oder ein. Nachdem er 1914 Funkoffizier beim höheren Kommando von der Marwitz gewesen war, wurde er 1916 als Hauptmann Funkerkommandant bei der Armee von Mackensen.

Nach dem Zusammenbruch des Kaiserreichs 1918 gehörte Fellgiebel der aus Resten des kaiserlichen Heeres und der Marine gebildeten Reichswehr an. Zwischen 1918 und 1933 war er abwechselnd in Truppen- und Generalstabsstellungen tätig. Den geringen Aufstiegsmöglichkeiten entsprechend, die die Reichswehr bot, wurde er, der 1915 Hauptmann geworden war, erst 1928 zum Major befördert.

Unmittelbar nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 wurde Fellgiebel als Oberstleutnant zum Chef des Stabes des Inspekteurs der Nachrichtentruppen ernannt, am l. Oktober 1934 zum Oberst befördert. Zunächst mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Inspekteurs der Nachrichtentruppen beauftragt, erfolgte kurze Zeit darauf die Berufung in diese Dienststellung. Seit dem 1. März 1938 bekleidete er den Rang eines Generalmajors. Für Fellgiebel eröffnete die durch den Nationalsozialismus eingeleitete Wiederaufrüstung Deutschlands die Möglichkeit „der Modernisierung, Vergrößerung und Nutzbarmachung der Nachrichtenmittel für eine technisierte Armee“. Dies führte dazu, daß sich der Umfang der Nachrichtentruppe in wenigen Jahren verzehnfachte. Eine derartige Entwicklung brachte es mit sich, daß Fellgiebel, nachdem er 1938 Generalmajor geworden war, am 1. Februar 1940 zum Generalleutnant und ein Jahr später zum ersten General der Nachrichtentruppen ernannt wurde. Als eindrucksvollste Leistung Fellgiebels als Nachrichtenspezialist wird gewertet, daß es ihm im August 1939 gelang, die gegen Polen aufmarschierten deutschen Armeen, denen der Angriffsbefehl bereits erteilt worden war, infolge der politischen Entwicklung zum Stehen zu bringen. Der Angriff sollte am 26. August um 3.30 Uhr beginnen. Die Nachrichtentruppe Fellgiebels schaffte das als unmöglich Erscheinende, nämlich sämtliche Truppenteile zu erreichen und den Angriff zu stoppen. Allein deshalb ist Fellgiebel ein „Meister operativer Nachrichtenverbindungen“ genannt worden. Fellgiebel stieß früh zu den Gegnern Hitlers, ja er gehörte zu den Initiatoren des Widerstands, der sich seit 1938 um Beck, von Kleist, von Witzleben, Oster und anderen bildete. Die Offiziersverschwörung war jedoch mit erheblichen Hemmungen belastet. Um etwa den Eid- und Meutereikomplex zu überspielen, war der Putsch an den „legalen Staatsstreich“ gebunden. Fellgiebel hat die hieraus sich ergebende Problematik klar erkannt. Doch wie wenigauch er selbst sich der „Lebensumständlichkeit“ der Verschwörer zu entziehen vermochte, geht daraus hervor, daß er, nachdem es ihm am 20. Juli 1944 vorübergehend gelungen war, die Nachrichtenkontakte des Führerhauptquartiers in Ostpreußen zu unterbinden, die ihm unmittelbar vor seiner Verhaftung angebotene Pistole mit dem Hinweis ablehnte, so etwas tue man nicht. Mit dieser „elementaren Moralität“ hatte es wohl nicht zuletzt zu tun, daß im Verlauf des Putschversuchs kein Schuß fiel, wodurch sicher einige seiner Erfolgschancen vergeben wurden.

Am 4. September 1944 wurde Fritz Erich Fellgiebel in Berlin durch den Strang hingerichtet. Hinzuweisen gilt es darauf, daß dem respektheischenden Widerstand Fellgiebels und seiner Mitverschwörer seit 1938 ein ebenso opportunistisches wie kurzsichtiges Zusammengehen mit Hitler von 1933 bis 1938 vorausgegangen war.

Lit.: F. v. Schlabrendorff: Offiziere gegen Hitler, Zürich, Wien, Konstanz 1946. – G. Ritter: Carl Goerdeler und die deutsche Widerstandsbewegung, Stuttgart 1954. – G. A. Craig: Die preußisch-deutsche Armee 1640 – 1945. Staat im Staate, Düsseldorf 1960. – P. Hoffmann: Widerstand, Staatsstreich, Attentat. Der Kampf der Opposition gegen Hitler, München 1969. – M. Messerschmidt: Die Wehrmacht im NS-Staat. Zeit der Indoktrination. Mit einer Einführung von General a. D. Johann Adolf Graf Kielmannsegg, Hamburg 1969. – K.-J. Müller: Das Heer und Hitler. Armee und nationalsozialistisches Regime 1933 – 1940, Stuttgart 1969. – H. Rothfels: Die deutsche Opposition gegen Hitler. Eine Würdigung. Neue, erweiterte Ausgabe. Frankfurt a. M. 1969. – B. Scheurig (Hrsg.): Deutscher Widerstand 1938-1944, München 1969. – K. H. Wildhagen (Hrsg.): Erich Fellgiebel, Meister operativer Nachrichtenverbindungen (Im Selbstverlag, 3015 Wenningen/Hannover), 1970. – B. Scheurig: Henning von Tresckow. Eine Biographie, Oldenburg, Hamburg 1973. – Konrad Fuchs: Fritz Erich Fellgiebel (1886 – 1944), in: Schlesier des 15. bis 20. Jahrhunderts (Schlesische Lebensbilder, Bd. 6), Sigmaringen 1990, S. 243 – 253. – Heinrich Bücheier: Carl-Heinrich von Stülpnagel. Soldat, Philosoph, Verschwörer, Frankfurt/M. 1989. – H. P. Page: General Friedrich Olbricht. Ein Mann des 20. Juli, Bonn, Berlin 1992.

Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Erich_Fellgiebel

Konrad Fuchs

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