Kulturportal
Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Fessler, Ignaz Aurel

Historiker, Superintendent, Bischof

* 1756, 18.05.
Zurndorf/Westungarn

† 1839, 15.12.
St. Petersburg

Ignaz Aurel Feßler wurde am 18. Mai 1756 im damaligen westungarischen Zurndorf (ung. Zurány), heute in Burgenland, geboren. Sein ursprünglicher Taufname war Ignaz. Den zweiten legte er sich 1791 zu, als er von der katholischen zur lutherischen Kirche übertrat. Den zweiten Vornamen nahm er darum an, um seine Zuneigung zum großen Kirchenlehrer Aurelius Augustinus zu dokumentieren. Wie dieser wollte auch Feßler ein ewiger Wahrheitssucher sein. Und da tat sich in seiner Seele schon ein tiefer Riß auf. Sein Biograph, Prof. Dr. Johann Koszó, meint, daß Feßler trotz seiner Konvertierung im Herzen immer ein Katholik geblieben sei.

Seine Jugendzeit war überschattet von der Barockzeit, die damals in Wien noch in Hochblüte stand. Der Knabe Feßler legte eineaußerordentliche Frömmigkeit an den Tag und ging in Jesuitentracht, um einst selbst Jesuit zu werden. Darin bestärkte ihn auch seine fromme Mutter, der es recht gewesen wäre, wenn ihr Sohn Priester würde. Die Jesuiten haben ihn abgelehnt, die Kapuziner nahmen ihn auf. Die ersten Klosterjahre verbrachte er in Ungarn, wobei zu bemerken ist, daß es nur eine österreichisch-ungarische Provinz der Kapuziner und der meisten Orden gab. Nachdem er mehrere Jahre in ungarischen Klöstern verbracht hatte, geriet er, unter dem Einfluß eines ungarischen Magnaten, unter den Einfluß der Aufklärer, die seinem Leben im Kloster eine ganz andere Richtung gaben. Aber auch Historiker des In- und Auslandes haben auf ihn eingewirkt. Das Schicksal wollte es, daß er die entscheidenden Jahre seiner geistigen Entwicklung im Wiener Kapuziner Kloster verbrachte, und zwar unter dem aufklärerischen Kaiser Joseph II. Von ihm erhoffte sich der junge Kapuziner eine Lockerung der strengen Klosterzucht. So geriet er in Wien alsbald unter den Einfluß der Aufklärer und der Jansenisten. Zum erstenmal erregte er mit seiner aufklärerischen Broschüre „Was ist der Kaiser?“ Aufsehen (1782). Trotz dieser Schrift ernannte ihn Joseph II. zunächst zum Lektor, dann zum Professor der Lemberger Universität. Im Mai 1785 trat Feßler in die hiesige Freimaurerloge ein. Dieser Schritt brachte ihn mit den bedeutendsten Männern seiner Zeit in Verbindung, der u.a. ausgedehnte Reisen ins Ausland zur Folge hatte. Als Schriftsteller war Feßler sehr fruchtbar, Historiker, Dramatiker und Romancier in einer Person. Sein Hauptwerk ist die „Geschichte der Ungarn und ihrer Landsassen“, 1815-1825 in Leipzig in 10 Bänden erschienen. Sie fand in den gebildeten Kreisen wegen ihrer quellenkritischen Einstellung eine sehr günstige Aufnahme. Außerdem hatte Feßler eine gewisse Vorliebe für einzelne Helden der ungarischen Geschichte. Er starb als Superintendent der ev. Kirche in Rußland in St. Petersburg.

Lit.: Johann Koszó, Ignaz Aurel Feßler.Der Romanschriftsteller und Historiker. Budapest (Ofenpest) 1923. Hier weitere Literaturhinweise (ung.). – Peter Barton, Ignatius Aurelius Fessler. Zwischen Barockkatholizismus und Erweckung. Verlag Hermann Böhlau, Wien 1969, 634 S.

Wünschen Sie Änderungen oder Ergänzungen? Dann schreiben Sie uns dies bitte mit Angabe der betreffenden Person.