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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Feuchtwangen, Siegfried von

Hochmeister des Deutschen Ordens

* 1275 ca.

† 1311, 05.03.
Marienburg/Westpr.

Siegfried stand in einer Phase des Umbruchs innerhalb des Deutschen Ordens. Seit die christliche Position im Hl. Land sich unaufhaltsam verschlechterte, sich andererseits die Situation in Preußen immer mehr zugunsten des Ordens wandelte, ergab sich für den Orden die Spannung zwischen jenen beiden Polen. Im Mittelmeerraum lag der Ursprung des Ordens, das ideelle Zentrum Jerusalem und eine stets brisanter werdende Heidenkampfsituation. Doch auch in Preußen gab es den Kreuzzug, das Land bot als autonomes, aus der Lehnshierarchie des Reiches herausgelöstes Gebiet für einen Territorialbesitz erstrebenden Orden weit bessere Ausbaumöglichkeiten als der Mittelmeerraum. So existierten im Deutschen Orden zwei einander widerstrebende Richtungen, die eine für den mediterranen Ansatz, die andere für die Ostseeländer Preußen, aber auch Livland. Exponent der für den Ostseeraum eintretenden Partei war Hochmeister Konrad von Feuchtwangen (1291-1296), wobei man wohl sagen darf, daß der Verlust Akkons und damit Palästinas für die Christen 1291 gerade rechtzeitig kam, um den Deutschen Orden vor der Zerreißprobe zu bewahren. Konrad von Feuchtwangen verlegte den Hochmeistersitz nach Venedig, also in ein zwar dem Mittelmeer zugehörendes, aber ebenfalls aus dem Reichsverband gelöstes Territorium. Dies war wohl derKompromiß, obwohl Konrad die Verlegung der Hochmeisterresidenz nach Preußen bereits geplant haben dürfte. Dies vollendete aber noch nicht sein Nachfolger Gottfried von Hohenlohe (1297-1303), sondern erst sein zweiter Nachfolger Siegfried von Feuchtwangen.

Über ihn wissen wir sehr wenig. Vom Namen her schließt man auf die Verwandtschaft mit Konrad von Feuchtwangen und nimmt an, er eine Generation jünger gewesen sei. Als Herkunftsort wird das fränkische Feuchtwangen gesehen, doch aufgrund eines weiteren Namensträgers im Orden im 2. Drittel des 13. Jahrhunderts und der Affinität aller drei zur Ordensballei Österreich kann auch Viechtwang in Kärnten in Betracht gezogen werden. Siegfried begegnet uns jedenfalls erst als Deutschmeister 1298-1299, anschließend 1299 und 1300 als Komtur von Wien. Nach dem Rücktritt Gottfrieds von Hohenlohe vom Hochmeisteramt wählt das Generalkapitel zu Elbing 1303 Siegfried zum Hochmeister. Er ist der erste in Preußen gewählte Ordensobere, und der Ort des Generalkapitels zeigt, daß sich die Ordenspolitik immer mehr diesem Land als Zentrum der Ordensexistenz zuwandte. Es bedurfte allerdings noch eines Zeitraums von sechs Jahren, bis die endgültige Entscheidung fiel: Im September 1309 zog Siegfried von Feuchtwangen in die Marienburg ein, die bis 1457 Ordenszentrale blieb, dafür gab es zwei aktuelle Rahmenereignisse. Das eine war das Vorgehen des französischen Königs und der Kurie gegen die Templer, das später bis zur Aufhebung des ganzen Ordens führte. Ein ähnliches Schicksal ließ sich von Preußen aus viel leichter abwenden als von Venedig. Zum zweiten war das die Eroberung Pommerellens 1308 durch den Deutschen Orden und damit eine erhebliche Vergrößerung des Staatsgebietes; mit der Eroberung von Schwetz gehörte ihm das gesamte ehemalige Herzogtum, im selben Monat kam Siegfried von Feuchtwangen in seine neue Residenz, die nun ziemlich in der Mitte des neuen Gesamtterritoriums lag. Dieser Schritt hatte weitreichende Folgen. Zum einen wurde Preußen Zentrum des Deutschen Ordens und Ziel der Kreuzzüge nördlich der Alpen. Das bedingte gleichzeitig, daß die Ordensbesitzungen im Mittelmeerraum an die Peripherie rückten und allmählich dem Orden verlorengingen. Zum zweiten wurde die Marienburgals Residenz eines Territorialfürsten ausgebaut, so daß sie einschließlich der Vorburganlagen zur größten Landburg Europas und einem Juwel der Backsteingotik wurde. Das bedingte, daß sie über die Existenz des Ordens dort bzw. in Preußen hinaus zum politischen Symbol mit Wirkkraft bis in unsere Gegenwart wurde. So wenig wir von Siegfried von Feuchtwangen wissen, so war doch seine Entscheidung für Preußen auf Jahrhunderte hinaus von tragender politischer Bedeutung. Siegfried starb am 5. März 1311 in der Marienburg und wurde im Dom zu Kulmsee beigesetzt.

Lit.:Walter Raddatz, Die Übersiedlung des Deutschen Ritterordens von Palästina nach Venedig und Marienburg (1291-1309), Diss. phil. Halle-Wittenberg, Halle 1914; Crome, S.v.F., in: Altpreuß. Biographie I, hg. v. Christian Krollmann, Königsberg 1941, S. 181 (mit Lit.); Kurt Forstreuter, Der Deutsche Orden am Mittelmeer (Quellen und Studien zur Geschichte des Deutschen Ordens 2), Bonn 1966; Udo Arnold, Konrad von Feuchtwangen, in: Preußenland 13, 1975, S. 2-34; Werner Üblich, Konrad und Siegfried von Feuchtwangen, Hochmeister des Deutschen Ordens, Feuchtwangen 1983.

Udo Arnold

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