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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Fischer, Samuel

Verleger

* 1859, 24.12.
Liptow Zent Miklós/Ungarn

† 1934, 15.10.
Berlin

Samuel Fischer wurde als Sohn eines jüdischen Kaufmannes geboren. Nach einer Buchhandelslehre in Wien kam er 1880 nach Berlin, wo er 1883 Teilhaber eines Sortimentsgeschäfts wurde. Im September 1886 gründete er einen eigenen Verlag, der bald durch die verlegerische Betreuung der Werke von Henrik Ibsen, Leo Tolstoi, Fjodor Dostojewski und Emile Zola sowie der deutschen Schriftsteller Gerhart Hauptmann, Hermann Bahr und Arthur Schnitzler ein eigenes Gesicht gewann. Die verlegerische Betreuung der Literatur naturalistischer Autoren verschaffte ihm den Ehrennamen eines „Cotta des Naturalismus“ (Thomas Mann). 1896 trat Moritz Heimann als Lektor in den Verlag ein, der maßgebend das literarische Programm bestimmte. An neuen Autoren kamen Gabriele d’Annunzio, Hugo von Hofmannsthal, Thomas Mann, Hermann Hesse, Peter Altenberg und George Bernard Shaw hinzu. Mit der Volksausgabe der Werke von Ibsen (1907) und den „Buddenbrooks“ (1901) sowie „Fischers Bibliothek zeitgenössischer Romane“ (1908ff.) wurde der Verlag in weiten Kreisen bekannt. Da S. Fischer dem literarischen Expressionismus fern stand, sind dessen Autoren von ihm vereinzelt verlegt worden. In sein letztes Lebensjahrzehnt fallen der Erwerb der Deutschen Rechte an Joseph Conrad und Eugene O’Neill. Als S. Fischer 1934 starb, zeichnete sich schon die Gefährdung des Verlages durch die NS-Kulturpolitik ab. Sein Schwiegersohn Gottfried Bermann gründete 1936 in Wien den Bermann-Fischer Verlag (später in Stockholm), der einen Teil der Autorenrechte und der Buchbestände des Berliner Verlagshauses übernahm, während der Verlagsteil, der in Deutschland verblieb, von Peter Suhrkamp treuhänderisch verwaltet und geleitet wurde. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges kam es zu einer Zusammenarbeit beider Verlage, bis im Jahre 1950 die Wiederbegründung des S. Fischer Verlages in Frankfurt am Main erfolgte. 1974 übernahm Monika Schoeller als geschäftsführende Gesellschafterin die Verlagsleitung. – Zusammen mit Kurt Wolff, Anton Kippenberg und Ernst Rowohlt gehört Samuel Fischer zu den großen literarischen Verlegern Deutschlands in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Lit.: In memoriam S. Fischer, 24. Dezember 1859-1959. (Redaktion: Hans-Geert Falkenberg.) Frankfurt/M. 1960; Neue Deutsche Biographie, Bd. 5, 1961; Mendelssohn, Peter de: S. Fischer und sein Verlag. Frankfurt/M 1970.

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