Kulturportal
Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Fochler-Hauke, Gustav

Geograph, Schriftsteller

* 1906, 04.08.
Katharein/Österr. Schlesien

† 1996, 20.01.
München

Blickt man zurück auf die Kulturgeschichte der einstigen Länder der böhmischen Krone – Böhmen, Mähren und Österreichisch-Schlesien, etwa der heutigen Tschechischen Republik entsprechend – und konzentriert man sich auf Wissenschaftler und Forscher, so hat man keine Mühe, eine stattliche Anzahl an höchst bedeutsamen Geistesgrößen zu ermitteln. Ein Fachbereich jedoch stellt geradezu eine Ausnahme dar, denn die Wissenschaftler unter den Geographen und Forschungsreisenden werden nur von einigen wichtigen Experten vertreten, so z. B. von dem Sudetendeutschen Gustav Fochler-Hauke.

Fochler-Hauke wurde in Katharein geboren, wird aber bisweilen als Troppauer registriert, da man seinen Geburtsort nach Troppau eingemeindete. Der Junge war bereits mit zwei Jahren Vollwaise und wurde adoptiert. So erklärt sich sein Doppelname. Nahe Verwandte in Niederlindewiese bei Freiwaldau nahmen sich seiner an. Bei ihnen wuchs er auf, besuchte die Volksschule und zuletzt das Unter-Realgymnasium in Freiwaldau. Vielfältige Unternehmungen erfolgten bereits während seiner Lehre als Buch-, Kunst- und Musikalienhändler in München in Form ausgedehnter, oft abenteuerlicher Wanderfahrten. Er studierte in München Geographie, Geologie, Meteorologie und Ethnologie und promovierte 1934 „summa cum laude“ zum Dr. phil. Auf einer anschließenden Forschungsreise umrundete er den Globus, wurde sodann Assistent am Geographischen Institut und schließlich Hochschullehrer. Ab 1940 leistete er Wehrdienst und kehrte erst 1946 schwer kriegsbeschädigt aus der Gefangenschaft zurück. Nunmehr in München wohnhaft, begann er aufs neue, sich eine Existenz aufzubauen. Zunächst folgte er einer Berufung an die Universität Tucumán, Argentinien. Von 1954 bis 1973 lehrte er in München, unternahm wiederum Reisen und Expeditionen aller Art und sammelte dabei erneut Material für seine umfangreiche wissenschaftliche Arbeit. Er war u. a. Herausgeber des Bandes „Geographie“ des „Fischer-Lexikons“. Als besonderes Verdienst kann die Begründung des Fischer-Weltalmanachs gelten, als dessen Herausgeber er ebenfalls fungierte.

Fochler-Hauke gehörte einer Reihe renommierter Fachgremien an, u. a. der Sudetendeutschen Akademie der Wissenschaften und Künste (München), und wurde 1969 mit der Verleihung des Sudetendeutschen Kulturpreises geehrt. Er starb am 20. Januar 1996 in München und wurde auf dem Westfriedhof, Baldurstraße, beigesetzt. Als Vermächtnis hinterließ er zahlreiche Buchpublikationen und unzählige Abhandlungen und Darstellungen in deutschen und ausländischen Fachzeitschriften.

Lit.: Ernst Schremmer, Gustav Fochler-Hauke, in: Viktor Aschenbrenner (Hrsg.), Fruchtbares Erbe, München 1974. – Herbert Gröger, Erinnerung an Prof. Fochler-Hauke, in: Josef Walter König (Hrsg.), Nordmährisches Heimatbuch 1997, Nürnberg 1997.

Werke: Deutscher Volksboden und deutsches Volkstum in der Tschechoslowakei (Habilitationsschrift), 1939. – … nach Asien!, Heidelberg 1951. – Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde, Köln 1955. – Die geteilten Länder, München 1967. – Das politische Erdbild der Gegenwart, I. Völker und Staaten der „Dritten Welt“, II. Die Machtblöcke des Ostens, Berlin 1968 und 1970. – Die Welt unserer Zeit, 3 Bde., Helsinki 1975/76 (finnisch). – Der Fischer Weltalmanach, Frankfurt/M. (auch finnisch und schwedisch).

Josef-Walter König

Wünschen Sie Änderungen oder Ergänzungen? Dann schreiben Sie uns dies bitte mit Angabe der betreffenden Person.