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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Foertsch, Friedrich

General

* 1900, 19.05.
Drahnow, Kr. Deutsch Krone/Westpr.

† 1976, 14.12.
Goslar

Friedrich Foertsch – nicht zu verwechseln mit seinem älteren Bruder, General der Infanterie Hermann Foertsch – war Sohn eines Mitarbeiters der Staatlichen Verwaltung der Preußischen Ansiedlungskommission für Posen und Westpreußen. Er besuchte die Gymnasien in Hohensalza und Graudenz, wo er im Mai 1918 die Reifeprüfung ablegte. Anschließend trat er als Fahnenjunker in das Ersatzbataillon des 8. Westpreußischen Infanterie-Regiments Nr. 175 (Graudenz) ein, um nach seiner Rekrutenausbildung noch die letzten Kämpfe des Regiments in der Wotan- und Hermann-Stellung an der Schelde, nordöstlich von Lille, mitzuerleben. Nach einem Einsatz beim Grenzschutz Ost in Westpreußen tat er beim Sturm-Bataillon des Freikorps Hindenburg in Kolberg Dienst und nahm ab Mai 1920 an der Kriegsschulausbildung in München und Wünsdorf teil. Am 1. Januar 1921 in das Reichsheer übernommen, wurde Foertsch am 1. April 1922 zum Leutnant befördert und in das Jäger-Bataillon des 17. Infanterie-Regiments in Goslar versetzt.

Nach zehnjähriger Verwendung im Truppendienst als Zugführer, Skilehrer und Bataillonsadjutant bestand Foertsch im Frühjahr 1932 in Hannover die Wehrkreisprüfung und besuchte anschließend die 1935 in „Kriegsakademie“ umbenannten „Offizier-Lehrgänge“ mit dazu gehörigen Kommandos zur Artillerie, zur Nachrichten- und zur Kraftfahrtruppe. Im April 1935 wurde er als Generalstabsoffizier zur Festungskommandantur in Königsberg i. Pr. versetzt. Nach nur einjähriger Verwendung als Chef einer Infanterie-Panzerabwehr-Kompanie in Frankfurt a.M. (14./I.R.81) wurde er im Herbst 1938 als Major zum Generalkommando des III. Armeekorps in Berlin versetzt, in dem er als 2. Generalstabsoffizier (Quartiermeister) mit Versorgungsfragen des Korpsbereichs beschäftigt war.

Als 1. Generalstabsoffizier der aus der Gruppe Eberhardt (vorher Kommando der Landespolizei Danzig) hervorgegangenen 60. Infanterie-Division wurde Foertsch im Frankreichfeldzug mit der Spange zum Eisernen Kreuz II. Klasse und dem Eisernen Kreuz I. Klasse ausgezeichnet. Unmittelbar nach Beendigung des Feldzuges als Generalstabsoffizier für Demobilmachungsfragen beim Stellvertretenden Generalkommando III in Berlin eingesetzt, wurde er am 1. Oktober 1940 zum Gruppenleiter I beim Stab des Chefs der Heeresrüstung und Befehlshabers des Ersatzheeres ernannt. Als solcher hatte er Organisations- und Ausbildungsangelegenheiten, insbesondere für die Neuaufstellungen von Divisionsverbänden und Heerestruppen zu bearbeiten.

Am 1. Juni 1942 wurde Foertsch 1. Generalstabsoffizier im Oberkommando der vor Leningrad eingesetzten 18. Armee und am 1. Dezember 1943 Chef des Generalstabes dieser Armee. In dieser Verwendung war es nicht zuletzt seiner Führungskunst zu verdanken, daß der taktische Zusammenhalt der Armee an der Leningrader Front während der Rückzugskämpfe zum Peipus-See und schließlich durch das Baltikum bis zur Bildung des Kurland-Kessels gewahrt wurde. Am 25. Januar 1945 zum Chef des Generalstabes der von der sowjetischen Armee eingeschlossenen Heeresgruppe Kurland ernannt, nutzte er seine seit dem Juni 1942 gesammelten Erfahrungen, um in mehreren schweren Abwehrschlachten seine Front zu behaupten, bis die Heeresgruppe am 8. Mai 1945 auf Grund der in Berlin-Karlshorst erfolgten Kapitulation der deutschen Wehrmacht geschlossen in die sowjetische Gefangenschaft ging.

Foertsch teilte mit den Offizieren und Mannschaften der Heeresgruppe Kurland das Schicksal der Kriegsgefangenschaft. Als die Prozesse gegen deutsche Soldaten wegen Kriegsverbrechen begannen, wurde Foertsch vorgeworfen, „daß die ihm unterstellten Truppen und Verbände die Städte Pskow, Nowgorod und Leningrad zerstört und historische Denkmäler in den Städten Gatschina, Peterhof, Pawlowsk und Puschkin vernichtet haben“ (Der Spiegel Nr. 41/1962, S. 39). Foertsch, der den Rang eines Generalleutnants erreicht hatte und mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet worden war, wurde nun von dem sowjetischen Gericht zum Tode verurteilt, dann aber zu 25 Jahren Haft begnadigt. Nach zehneinhalbjähriger Gefangenschaft kehrte er auf Grund der Vereinbarung zwischen Bundeskanzler Adenauer und der sowjetischen Regierung ungebrochen in die Heimat zurück.

Foertsch war einer der wenigen spät heimgekehrten Generale, die sich um eine Verwendung bei der in Aufstellung befindlichen Bundeswehr bewarben. Nach seiner Überprüfung entschied der Personalgutachterausschuß: „Die persönliche Eignung des GL aD Friedr. Foertsch für eine Einstellung in die Streitkräfte wird bejaht.“ (BA-MA, Pers 1/14126) Als Kommandeur der 2. Panzergrenadier-Division (Gießen) vorgesehen, wurde Foertsch zunächst im November 1956 mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Kommandierenden Generals des II. Korps (Ulm) beauftragt, um im April 1957 seine Division in Gießen zu übernehmen. Ab 1. Juni 1958 wurde er „für eine Verwendung in leitender Funktion bei einem integrierten Stab“ vorgesehen und zunächst „zur Vervollkommnung der engl[ischen] Sprachfertigkeit für 7 Wochen nach England“ kommandiert. Am 1. Januar übernahm er das Amt des Stellvertretenden Chefs des Stabes Plans and Policy im Nato-Hauptquartier, dem Supreme Headquarters Allied Powers in Europe (SHAPE). Für diese Verwendung kamen ihm und seinem aus alliierten Offizieren bestehenden Stab seine während des Krieges, vor allem im nördlichen Rußland gesammelten Erfahrungen zugute. Foertsch drang bereits bei SHAPE auf die Durchsetzung der Vorwärtsverteidigung an der Zonengrenze, die auch von den Generalen Heusinger und Dr. Speidel gefordert und schließlich von der NATO genehmigt wurde. Wie sehr er von seinen amerikanischen Vorgesetzten geschätzt wurde, ist aus den folgenden Beurteilungen ersichtlich. General C.V.R. Schuyler urteilte am 15. Oktober 1959: „Durch sein sicheres und klares, aber auch verbindliches Auftreten bewirkte er die harmonische Zusammenarbeit der ihm unterstellten Dienststellen und erwarb sich die Achtung und Verehrung von Vorgesetzten und Untergebenen gleichermaßen“. General Norstad fügte hinzu: „Ich bin glücklich, mich im Hauptquartier von SHAPE auf sein erfahrenes Urteil stützen zu dürfen.“ (BA-MA, Pers 1/14126, Hauptteil B).

Am 1. April 1961 trat Foertsch unter Beförderung zum IV-Sterne-General die Nachfolge General Heusingers als Generalinspekteur der Bundeswehr an. Dieses Amt bekleidete er nach Verlängerung seiner Dienstzeit bis zum 31. Dezember 1963. Als Generalinspekteur war er kein unmittelbarer Vorgesetzter, sondern wirkte in erster Linie als verantwortlicher militärischer Berater der Bundesregierung. Während seiner Amtszeit fand das erste große Manöver, „Fallex 62“, statt. Während sich der Bundeskanzler und der Bundesverteidigungsminister in ihre Urlaubsorte zurückzogen und sich in ihrer Manöverrolle durch hohe Beamte vertreten ließen, der amerikanische Verteidigungsminister Mc Namara dagegen zeitweise persönlich dem Manöver beiwohnte, verfolgte Foertsch in der Manöverleitung gespannt den Ablauf des Manövers, das den Zweck hatte, „die militärische Bereitschaft der Nato und die Funktionsfähigkeit der Führungsstäbe zu prüfen sowie vor allem die Notstandsplanung für die Bevölkerung zu exerzieren“ (Der Spiegel, Nr. 41/1962, S. 32 f.). Als Ergebnis des Manövers wurde der Bundeswehr nach siebenjährigem Aufbau nur die Note „zur Abwehr bedingt geeignet“ zugesprochen.

Als „festen Bestandteil des Arbeitsprogramms der Bundeswehrführung“ betrachtete Foertsch die Kommandeurtagungen, die in regelmäßigen Abständen mit verschiedenen Schwerpunkten stattfanden, wie „Die innere Situation der Bundeswehr“ (Stuttgart), „Weiterer Aufbau der Teilstreitkräfte“ (Mainz), „Die Bewältigung der Technik in der Bundeswehr“ (Hannover) oder „Vorwärtsverteidigung in den verschiedenen Befehlsbereichen“ (Dortmund). In seinen ausführlichen Ansprachen setzte sich Foertsch unter anderem mit Fragen der Tradition, dem Verhältnis Bundeswehr – Wehrmacht, dem Aufbau einer demokratischen Armee auseinander und beklagte, daß sich „zu wenige… um eine objektive Wertung unserer jüngsten Vergangenheit“ bemühten „und Presse, Radio und Fernsehen… eine Gesundung oft recht schwer“ machten (Rede in Dortmund am 6. Juni 1963, in: BA-MA, BW 2/20373). Dabei ist zu berücksichtigen, daß in der Zeit des Kalten Krieges die militärische Führung, die sich mit der atomaren Kriegführung und der mit ihr verbundenen psychischen Belastung zu befassen hatte, vor kaum zu lösenden Problemen stand.

Nach seiner Pensionierung zog sich Foertsch in seine Leutnantsgarnison Goslar zurück und starb dort im Alter von 76 Jahren.

Quelle: BA-MA, Pers 1/14126; RW 2/20373.

Lit.: Der Spiegel, Nr. 41/1926: Bedingt abwehrbereit (S. 32-53). – Friedrich Foertsch (ebda, S. 39). – Munzinger-Archiv, Lieferung 4/77-P-8761IVa vom 22.1.1977. – Friedrich-Christian Stahl: Foertsch, Friedrich, in: Altpreußische Biographie.

Bild: Friedrich Foertsch nach einem Gemälde von Kurt Weinhold.

Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Foertsch

Friedrich-Christian Stahl

 

 

 

 

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