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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Freund, Heinrich

Arzt

* 1801, 14.07.
Brieg/Schlesien

† 1865, 20.03.
Breslau

Heinrich Freund war Sproß einer jüdischen Handwerkerfamilie in Brieg. Hier besuchte er die Volksschule, bevor er in Breslau, wohin die Familie nach dem Tode des Vaters übersiedelte, seine Ausbildung am Gymnasium fortsetzte. Im Jahre 1820 nahm er ein Medizinstudium an der Universität zu Berlin auf und brachte dieses 1826 zu Ende. Nur ein Jahr lang übte Freund seine ärztliche Praxis in Breslau aus und wechselte dann nach Krappitz in Oberschlesien. Während seiner dortigen Berufstätigkeit breitete sich 1831 in Oberschlesien die Seuche der Cholera aus. In Breslau wurde damals eine eigene schlesische Cholera-Zeitung herausgegeben, in der Ratschläge zur Vorbeugung der Erkrankung zu finden waren, aber auch amtliche Mitteilungen der Ärzte in verschiedenen schlesischen Städten. Aus dem Bericht, den Freund in diesem Blatt über den Verlauf der Seuche in Krappitz veröffentlichte, ging hervor, daß die Bekämpfung der Krankheit sich dort viel schwieriger gestaltete als in anderen Städten des Regierungsbezirks. Offenbar hatte dies seinen Grund darin, daß die Erkrankungsfälle zu spät gemeldet wurden und die medizinische Hilfe daher weniger effektiv sein konnte. Vom 6. bis 30. Oktober 1831 erkrankten demnach in Krappitz 16 Personen; zehn von ihnen starben und sechs gesundeten. Der überwiegende Teil der Erkrankungen der Einwohner brach in der dritten Woche der Cholera aus.

Von Krappitz verlegte Freund seine Wirkungsstätte später nach Oppeln. Da ihn die dortige Arztpraxis wohl nicht ausschließlich in Anspruch nahm, engagierte er sich 1854 im Vorstand der Jüdischen Gemeinde. In Oppeln ging er zudem seinem Interesse für die Musik nach und ebenso seinen wissenschaftlichen Neigungen. So verfaßte er einen Beitrag aus dem Bereich der Balneologie unter dem Titel „Salzbrunn in Schlesien gegen die wichtigsten Krankheiten der Atmungsorgane“. Seine Schrift „Über die Behandlung der Lungenschwindsucht durch Inhalation“ erschien in der Berliner Klinischen Wochenschrift. Ein 1835 in Krappitz geborener Sohn Freunds sollte ebenfalls die medizinische Laufbahn einschlagen und vor allem zur Zeit des Ersten Weltkrieges als Professor in Berlin weltweite Berühmtheit erlangen.

Heinrich Freund erlag einer schweren Lungenerkrankung in Breslau, die er sich bei der Rückkehr von einer Reise nach Dresden zugezogen hatte, und verschied am 20. März 1865.

Lit.: J. Graetzer: Lebensbilder hervorragender schlesischer Aerzte aus den letzten vier Jahrhunderten, Breslau 1889, S. 187–188. – F. Heiduck: Oberschlesisches Literatur-Lexikon.Biographisch-Bibliographisches Handbuch, T. 1, Berlin 1990. – M. Borkowski: Wybitni Żydzi opolscy w latach 1812–1938. Próba ukazania elity społeczności żydowskiej Opola [Hervorragende Oppelner Juden in den Jahren 1812–1938.Ein Versuch die Elite von der Judengemeinschaft in Oppeln darzustellen], in: Studia Śląskie, Bd. 56, 1997, S. 175.

Werke: H. Freund: Über die Entstehung und den Verlauf der Cholera epidemica in Krappitz, in: Schlesische Cholera-Zeitung 2 (1832), S. 203–206.

Włodzimierz Kaczorowski

 

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