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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Freundlich, Otto

Maler, Graphiker, Bildhauer

* 1878, 10.07.
Stolp/Pommern

† 1943, 09.03.
KZ Majdanek/Polen

Der Katalog der Ausstellung „Entartete Kunst“ von 1937 zeigte auf der Umschlagseite eine Plastik Kopf von Otto Freundlich. Für die Kunsthüter von damals galt sein Werk als exemplarisch für den Begriff „entartet”.

Otto Freundlich wurde als Sohn eines wohlhabenden jüdischen Holzkaufmanns geboren. Nach dem Abitur ging er als Volontär nach Hamburg, wo er nach dem Willen des Vaters in den Holzhandel einsteigen sollte. Doch interessierte er sich dafür nicht, brach alle Brücken zu seinem bisherigen Leben ab und ging nach Berlin, später nach München, um Kunstgeschichte zu studieren. Hier hörte er Vorlesungen von Heinrich Wölfflin und besuchte, wieder in Berlin, von 1907/08 die Kunstschule von Lothar von Kunowski, in der er Malen, Zeichnen, Modellieren, Linolschneiden und weitere Techniken lernte; auch Lovis Corinth wurde zeitweilig sein Lehrer. Über die herkömmliche Kunstauffassung war er bald hinausgewachsen. Er strebte nach einem „Komponieren mit konstruktiv verwendeten Farbflächen ohne naturalistische oder impressionistische Züge”.

Im Jahre 1908 ging Freundlich mittellos nach Paris. Dort fand er in dem drei Jahre älteren, aus Stettin stammenden Rudolf Levy einen Freund und Förderer. Levy verschaffte ihm ein Atelier aufdem Montmartre, und Freundlich war bald mit Größen wie Picasso, Braque, Jacob und Apollinaire befreundet. Die Galerie Sagot stellte seine Arbeiten aus. Auf einer Reise nach Chartres gaben ihm die Glasfenster der Kathedrale Anregungen für spätere Arbeiten in leuchtenden Farben und Mosaiken.

Freundlich hatte Anerkennung gefunden, vielleicht gerade weil er eigenständig blieb und sich keiner Kunstrichtung anschloß. Den Kubismus lehnte er ab, weil er sich der rein flächigen Malerei verschrieben hatte. In seinem Werk erstrebte er Vielseitigkeit. So war er in den Jahren 1910 und 1911 in den Ausstellungen der Neuen Sezession in Berlin mit Gemälden und Skulpturen vertreten. Mit der Pariser Avantgarde und holländischen Künstlern (Johan Thorn-Prikker) stellte er im „Moderne Kunst Kring” in Amsterdam aus. In der ersten umfassenden Ausstellung moderner Kunst („Sonderbund-Ausstellung”) im Jahre 1912 in Köln hing neben Bildern von Kandinsky, Marc, Macke und Nolde auch Freundlichs Ölbild Der Kranke, und in einem Nebensaal waren zwei Masken und eine Frauenbüste von ihm ausgestellt.

Im Ersten Weltkrieg war Freundlich Sanitätssoldat in Köln. Ein Ohrenleiden führte nach einer Operation zu gravierender Schwerhörigkeit. Nach dem Kriege nahm er an den geistigen und politischen Umwälzungen der Zeit regen Anteil. Die von Franz Pfempfert herausgegebene Wochenschrift Die Aktion brachte zur Jahreswende 1918/19 ein Freundlich gewidmetes Sonderheft heraus. Für die Kunst sah Freundlich jetzt neue Möglichkeiten. Zusammen mit Gropius arbeitete er im „Arbeitsrat für Kunst” und trug mit zur Gründung des Bauhauses in Weimar bei. Lehrer am Bauhaus wollte er jedoch nicht werden, weil das rationalistische Element dort seiner Mystikernatur fremd war. Sein Abstand zu einer „sozialistischen Kunst” wuchs mehr und mehr. Durch Freundlichs Arbeiten zogen sich nun Lebensströme aus Linien, Flächen, Formen und Farben, die sich dem „Unsagbaren” über den Menschen, dem „Ewigen” zu nähern suchen.

Freundlich war auch ein gewandter Theoretiker. Aufschlußreich sind dafür seine Schriften Die Wege der abstrakten Kunst (1934) und Bekenntnisse eines revolutionären Malers (1935). In Paris, wo er seit 1924 wieder lebte, wurde er vom Zweiten Weltkrieg überrascht und zunächst interniert. Der Einmarsch deutscher Truppen zwang ihn im Mai 1940 zur Flucht. Er lebte versteckt mit seiner Frau in den Pyrenäen; eine Flucht in die USA mißlang. In demDörfchen St. Paul-de-Fenouillet arbeitete er unentwegt weiter und entwickelte seine Kunst zu immer höherer Reife und Abstraktion. Noch 1942 schrieb er seine theoretische Arbeit Ideen und Bilder. Am 21. Februar 1943 wurde er gefunden und verhaftet. Er kam in das Lager Drancy bei Paris, aus dem er mit der Häftlingsnummer 197 am 4. März nach Majdanek abtransportiert wurde. Wenige Tage später endete dort sein Leben.

Ein monumentales Mosaik (215 x 305 cm) von Otto Freundlich ist seit 1957 in einem Seitenfoyer des Großen Hauses der Städtischen Bühnen in Köln angebracht. Er schuf es 1919/20 für das Haus des Kunstsammlers Joseph Feinhals. Es hat den Krieg überstanden, und die Witwe von Feinhals schenkte es der Stadt. Es trägt den bezeichnenden Titel: Geburt des Menschen.

Lit.: Günter Aust: Otto Freundlich, Köln, M. DUMONT, 1960.

Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Otto_Freundlich

Georg Glatz

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