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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Friedmann, Hermann

Jurist, Philosoph

* 1873, 30.03./11.04.
Bjelostok (= Bialystok)/ Polen

† 1957, 25.05.
Heidelberg

Hermann Friedmann, Sohn eines Präsidenten der Staatsbank in Riga (gest. 1933), der den Familiennamen seiner Vorfahren, Bjelostozkij, abgelegt hatte und sich Friedmann nannte, wuchs in Riga auf, wo er das Gouvernementsgymnasium besuchte. Nach dem Abitur ging er im Jahre 1891 nach Dorpat, um an der dortigen Universität Jura zu studieren. 1896 begab er sich nach Heidelberg, wo er den Doktorgrad erwarb, und ließ sich 1898 als Advokat in Basel nieder. Im Jahre 1902 siedelte er nach Berlin über und ging 1903 an das deutsche Konsulargericht nach Konstantinopel, um 1904 als Korrespondent im väterlichen Bankhause nach Riga zurückzukehren. Bald jedoch zog er nach Finnland, wo er Berater des Deutschen Konsulats und der finnländischen Niederlassung der AEG sowie anderer bedeutender Weltfirmen war und nach dem Ende des Ersten Weltkrieges nicht nur tätigen Anteil an allen neugeschaffenen deutschen Einrichtungen in Finnland nahm, sondern auch Rechtsbeistand der Deutschen Gesandtschaft, Gründungs- und Vorstandsmitglied der Finnisch-Deutschen Gesellschaft und der Finnisch-Deutschen Handelskammer und Präsidialmitglied des Deutschen Vereins und der Deutschen Schule war. In den 1930er Jahren lebte Friedmann in London als „Foreign and international lawyer“ und Berater der Finnischen Gesandtschaft. Er besuchte noch einmal die baltische Heimat, weilte 1940 in Helsinki, wurde in London ausgebombt und siedelte aufs Land über. Er wurde zum Präsidenten und Ehrenpräsidenten des „Klub 1943“ gewählt und war Vorsitzender der deutschen Londoner Gruppe des P.E.N.-Club. Im Jahre 1949 siedelte er nach Deutschland über, wurde 1950 zum geschäftsführenden Präsidenten des P.E.N.-Zentrums Deutschland und nach der Spaltung des gesamtdeutschen P.E.N.-Clubs zum Ehrenpräsidenten des Deutschen P.E.N.-Zentrums (Bundesrepublik) gewählt. Im Jahre 1949 erhielt er die Goethe-Plakette der Stadt Frankfurt und in Heidelberg, wo er sich niedergelassen hatte und als Honorarprofessor tätig war, das Goldene Doktordiplom. Friedmann, der als Begründer des morphologischen Idealismus gilt, schrieb u. a. „Die Konvergenz der Organismen* (1904), „Die Welt der Formen“ (1925), „Wissenschaft und Symbol“ (1949), „Epilegomena. Zur Diagnose des Wissenschaftszeitalters“ (1954), „Das Gemüt“ (1956). Seine Lebenserinnerungen erschienen unter dem Titel „Sinnvolle Odyssee“ (1950).

Lit.: F. Kuntze: Der morphologische Idealismus (1929); Der große Brockhaus, Bd. 4.

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