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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Friedrich von Sachsen

Hochmeister des Deutschen Ordens

* 1473, 26.10.
Meißen

† 1510, 14.12.
Rochlitz

Friedrich wurde 1473 geboren und war für den geistlichen Stand bestimmt. Er konnte eine gute Ausbildung auf den Universitäten Leipzig, Bologna und Siena erwerben und weilte anschließend am Hof des Mainzer Erzbischofs. Aufgrund seiner Verwandtschaft mit dem polnischen Königshaus dachte bereits Hochmeister Johann von Tiefen an ihn als Nachfolger. Denn seit dem Ständekrieg in Preußen ab 1454, in dem die Stände sich dem polnischen König unterstellt hatten, und dem Zweiten Thorner Frieden von 1466 richtete sich die Politik des preußischen Ordenszweiges in erster Linie auf die Revision jenes Friedensvertrages, der den Orden den reichen, westlichen Teil seines Territoriums gekostet hatte. Nach dem Tod Tiefens 1497 setzte Ende September 1498 der preußische Ordenszweig die Wahl Friedrichs zum Hochmeister durch. Das war eine rein politische Entscheidung, die im krassen Gegensatz zur Regel des Ordens stand, denn Friedrich war mit der Zusicherung der Hochmeisterwahl erst vier Monate zuvor in den Orden aufgenommen worden.

Damit war der preußische Ordenszweig zum reinen Versorgungsinstitut für Friedrich geworden. Er setzte die Gebietiger des Ordens zurück und umgab sich mit sächsischen, weltlichen Räten. Es entstand ein Hofleben im Sinne der Renaissance, sicher für Preußen eine moderne Entwicklung, wenngleich ein deutliches Problem für den Gesamtorden. Der widersetzte sich dementsprechend den Bemühungen Friedrichs, den livländischen wie den deutschen Ordenszweig stärker an seine Herrschaft zu binden – die bereits in der Mitte des 14. Jahrhunderts einsetzende Zentrifugalkraft innerhalb der Organisation des Gesamtordens erhielt unter Friedrich einen bedeutenden neuen Schub.

Wesentlich war für den jungen Fürsten der Ausbau seiner Territorialherrschaft. Dieses Bestreben richtete sich vor allem gegen Polen, war doch der Hochmeister seit dem Frieden von 1466 – der weder vom livländischen Landmeister noch vom Deutschmeister, weder vom Papst noch vom Kaiser anerkannt wurde – gegenüber dem polnischen König zur Heerfolge verpflichtet und musste ihm einen Treueeid leisten, ganz abgesehen von der bedeutenden Landabtretung des sog. „Königlichen Preußen“ im Westen des Ordenslandes mit den großen Hansestädten Danzig, Elbing und Thorn sowie der ehemaligen Hochmeisterresidenz Marienburg. Die Revision jenes Friedens galt als Hauptziel der hochmeisterlichen Politik. Friedrich verweigerte den Treueid mit dem Mittel ständiger Verzögerung. Die Schwäche des polnischen Königtums, schließlich der Tod König Johann Albrechts 1501 schienen Erfolg zu versprechen. Unter dem Nachfolger König Alexander spitzte sich die Lage zu, doch erneut hatte Friedrich Glück: Alexander starb 1506, bevor er mithilfe der Kurie die Eidesleistung durchsetzen konnte. Der nächste polnische König, Sigismund I., ging energischer vor, ein Waffengang war nicht auszuschließen. Daher entzog Friedrich sich der Eidesleistung, indem er sich nach Sachsen zurückzog.

Dieser Rückzug des Hochmeisters löste die Probleme jedoch keineswegs, wenngleich eine endgültige Entscheidung dadurch hinausgeschoben wurde. Friedrich versuchte, den Streit mit Polen zu internationalisieren, unter Einbeziehung von Papst, Kaiser und Reichstag. So nahm er als erster Hochmeister 1509 an einem Reichstag teil – auch wenn Preußen nicht dem Reich angehörte – und warb dort für Unterstützung für Preußen als „Spital des deutschen Adels“. Ein allgemeiner Verhandlungstag mit Polen wurde für 1510 angesetzt, der allerdings, wie nicht anders zu erwarten, ohne Erfolg für den Orden verlief. Denn der Orden erhielt von allen Seiten nur Zuspruch, jedoch keine entscheidende Hilfe. Schließlich war das polnische Königtum eine bedeutendere Macht in Mitteleuropa als das geschwächte Restterritorium des einstigen Ordenslandes Preußen. Vor erneuten Verhandlungen starb Friedrich überraschend Ende 1510.

Die zwölf Jahre seiner Ordensleitung als Hochmeister und Territorialherr in Preußen waren Jahre der politischen Verhandlungen unter ständig zunehmendem Druck Polens, vor dem der Hochmeister sogar sein Land verließ. Das politische Ziel der Revision des Zweiten Thorner Friedens hat Friedrich nicht erreicht. Die Kluft zwischen den Ordenszweigen in Livland und Deutschland und dem Hochmeisterterritorium wurde noch deutlicher, hatte doch der Deutschmeister inzwischen die Reichsstandschaft erhalten, war somit Glied des Reiches geworden, und sah der livländische Landmeister Wolter von Plettenberg seine Aufgabe in der Abwehr Moskaus, das sich immer intensiver nach Westen ausdehnte. Gerade die livländische Situation verdeutlicht den Zwiespalt innerhalb des Ordens: Natürlicher Verbündeter des livländischen Landmeisters war das ebenfalls von Moskau bedrängte Polen-Litauen, während Preußen in seiner Gegnerschaft gegen Polen-Litauen an einer Kooperation mit Moskau gelegen sein musste, wie sie Friedrichs Nachfolger im Hochmeisteramt realisierte. Das isolierte den Hochmeister innerhalb des eigenen Ordens, wie auch seitens der Reichsstände ein Vorgehen gegen Polen allenfalls in mehr oder weniger halbherzig geführten Verhandlungen bestand. Somit war die politische Zielsetzung Friedrichs von Beginn an unrealistisch.

Das Heranziehen weltlicher, im Reich oder an italienischen Universitäten gebildeten Räte, die Ausbildung eines fürstlichen Hoflebens mit deutlichen Einflüssen des Gedankengutes der Renaissance, die Umstrukturierung des Rechts- wie auch des Militärwesens brachten Preußen auf den Weg zu einem frühneuzeitlichen Territorialstaat. Hier wurden entscheidende Weichen gestellt für die Entwicklung unter Friedrichs Nachfolger Albrecht von Brandenburg-Ansbach. Die Ordenskorporation erfuhr jedoch keine Reformansätze, sie wurde eher geschwächt. Vor allem stellte die Wahl Friedrichs zum Hochmeister eine Abkehr von der Ordensregel dar, auch wenn der Ordenseintritt des Reichsfürsten Friedrich von Sachsen formal vor der Wahl lag, dass der Hochmeister aus dem Orden kommen sollte. Die Wiederholung dieses Schrittes nach Friedrichs Tod mit derselben politischen Zielsetzung für Preußen war somit vorprogrammiert, ebenso wie die weitere Entfremdung der drei Ordenszweige. Für das spätere Herzogtum Preußen war diese Entwicklung positiv, den Orden kostete sie 1525 sein Kernterritorium und den Verlust des Hochmeisters. Die Beurteilung Friedrichs von Sachsen ist also zwiespältig, je nach Sichtweise.

Lit.: Marian Biskup, Friedrich von Sachsen, in: Die Hochmeister des Deutschen Ordens 1190-1994, hrsg. v. Udo Arnold (Quellen und Studien zur Geschichte des Deutschen Ordens 40), Marburg 1998, S. 155-160.

Bild: Hochmeisterwappen Friedrichs von Sachsen, 16. Jh.

Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_von_Sachsen_%281473%E2%80%931510%29

Udo Arnold

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